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21.12.2006, 10:40 Uhr

Eifel-Kreuz

Es ist ein Kreuz mit der Kirche Baumeister und Rodenstock ermitteln in erzkatholischen Abgründen

Die Kreuzigung war in der Antike weit verbreitet. Bei den Römern galt sie als die schändlichste aller Todesstrafen und Jesus ist bis heute ihr bekanntestes Opfer. Dass die katholische Kirche mit den Mitteln ihrer einstigen Feinde die abtrünnigen Christen der Gegenwart abstraft, darf zumindest überraschen. In Jacques Berndorfs neuestem Eifel-Krimi soll genau dieser Verdachtsmoment für Spannung sorgen. Denn es hängt ein 18-jähriger Schüler am Kreuz und der Pater ist immer der Mörder. Oder?

Der Name des gekreuzigten Schüler ist Sven Dillinger und er war bei den besonders gläubigen Lehrkräften seiner katholischen Schule nicht sonderlich beliebt, um nicht zu sagen verhasst. Seine Mitschüler hingegen bewunderten den aufsässigen Schüler, der nicht nur die verstaubten Erziehungsmethoden seiner Lehrer in Frage stellte, sondern auch deren moralinsaures Verhalten anzweifelte. Allerdings stellt das jedem Berndorf-Fan hinlänglich vertraute Ermittlerduo Baumeister/Rodenstock schnell fest, dass hinter Svens gottes- und kirchenlästerlichen Bemerkungen mehr steckt als nur pubertäre Rebellion.

Ein „verworrener“ Fall

Sven und seine geliebte Vertraute Gabriele Sikorski mussten sterben, weil sie die üblen Verbrechen eines katholischen Würdenträgers aufdecken wollten. Dass dieser Pfaffe mit Svens Vater gut im Geschäft war, macht die ganze Angelegenheit nur noch rätselhafter. Wie Baumeister hat auch der Leser bald den Eindruck, dass der Fall „immer verworrener“ wird. Zumal die beiden selbst ins Schussfeld irgendwelcher Unterweltbanden geraten. Aber genau das weckt den Jagdinstinkt des gering beschäftigten Journalisten und der pensionierten Kriminalisten an seiner Seite. Gemeinsam nehmen sie die Spur polnischer Mädchenhändler auf, durchleuchten millionenschwere Stiftungskonten und plagen sich mit skrupellosen Auftragskillern herum. Aber der Schlüssel zum Rätsel liegt wo ganz anders.

Baumeisters gefühlvolle Hartnäckigkeit, Rodenstocks gediegene Sturheit und eine dicke Portion Zufall führen schließlich zum Ziel. Allerdings bleiben die Motive und Charaktere der Täter sehr blass, wenn nicht sogar fast unsichtbar. Dafür breitet Berndorf das Gefühls- und Familienleben des Hobby-Kriminalisten sowie die Seele der Eifel-Bewohner genüsslich aus. Dass sich Baumeisters Tochter als Lesbe outet und er selbst mit einer Filialleiterin von ALDI ins ungemachte Bett steigt, ist ebenso nebensächlich wie langweilig. Auch der von Baumeister gepflegte Sponti-Jargon der 70er Jahre und Berndorfs grammatische („mehr Gel als Kopf am Hirn“) und stilistische („Sie fertigten ein Chili“) Ausrutscher schmälern den kriminalliterarischen Genuss.

Plausible Lösung - Oberflächliche Betrachtungen

Nur mit der plausiblen Konstruktion und Auflösung des Falls kann Berndorf wirklich überraschen. Aber des Autors moralische Entrüstung über die Bigotterie und kriminellen Machenschaften einiger katholischer Pastoren vermag man kaum zu teilen. Nicht weil es sie nicht gäbe, sondern weil Berndorf diese Missstände zu oberflächlich betrachtet und beschreibt. Und genau an diesem Punkt krankt der x-te Eifel-Krimi des ehemaligen Journalisten Michael Preute.

FAZIT: Für Baumeister-Fans, kritische Katholiken und schadenfrohe Protestanten

Jacques Berndorf Eifel-Kreuz (Originalausgabe) Grafit Verlag, Dortmund 2006 315 Seiten, 17,90 EURO ISBN 3-89425-650-8

© www.literature.de

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