Schweizer "Tatort": Packende Rückkehr
Stefan Gubser alias Reto Flückigers neue Kollegin heißt Liz Ritschard (gespielt von der Zürcher Sängerin Delia Mayer), die für einen Monat an einem Austausch in Chicago teilgenommen hatte. Kaum aus den USA zurückgekehrt, hat sie ihren ersten Einsatz und muss zusammen mit Flückiger den Mord an einem Kinderchirurgen aufklären. Die beiden Kommissare treffen dabei auf ein Tabuthema, das dem Krimi eine schockierende Tiefe gibt: Intersexualität.
Eine Klinik "teilt" Kindern, die als Zwitter das Licht der Welt erblicken, ein Geschlecht "zu". Zu der Entscheidung, welches Baby ein Mädchen und welches ein Junge wird, werden die Eltern von den Ärzten gezwungen. Doch die Wahl wird natürlich ohne das Kind selbst getroffen, was im Laufe der Jahre zu psychischen Problemen und sogar Selbstmord bei den junge Erwachsenen führen kann. In diesem Zusammenhang wird ein Arzt ermordet, der die entsprechenden Operationen an den Kindern durchführt. Der Kreis der potenziellen Täter ist groß, da nicht nur ein Arztkollege, der eine Affäre mit der Ehefrau des Opfers hat, unter Mordverdacht steht, sondern auch ehemalige Patienten und deren Familienangehörige.
Anders als sonst oft der Fall blieb in dieser "Tatort"-Folge kein Platz für die privaten Probleme der Ermittler. Die Thematik war sogar so bedrückend und fesselnd, dass der Mordfall selbst im Laufe der 88 Krimi-Minuten in den Hintergrund rückte. Selten zuvor wurde ein solch pikantes Thema so taktvoll für einen TV-Film aufbereitet - und in einem "Tatort" so vieles durch Schweigen gesagt.
Doch so viel Lob die zweite Ausgabe des Schweizer Krimis auch verdient, so viel Kritik muss für das Ermittler-Duo nach der Ausstrahlung am Pfingstmontag auch sein: Die Synchronisation des auf Schweizerdeutsch gedrehten "Tatorts" gelang nur mäßig und hätte eher nach Untertitel als Übersetzung verlangt.
Und auch das Ermittler-Duo ließ in Sachen schauspielerischer Leistung noch Luft nach oben. Co-Ermittlerin Delia Mayer spielte ihre Vorgängerin Sofia Milos zwar endgültig aus dem Gedächtnis der "Tatort"-Fans, konnte dennoch nur mäßig überzeugen. Im Gespräch mit "Bild.de" sah sie die Kritik an ihrem Debüt gelassen, schließlich sei es nicht gerade der Traum eines jeden Schweizers, die Krimi-Sehnsüchte des deutschen Fernsehpublikums zu stillen: "Wir haben in der Schweiz vielleicht ein anderes Verhältnis zum 'Tatort'. 'Tatort' ist urdeutsch. Wir Schweizer blicken gezwungenermaßen mit etwas mehr Distanz darauf."
Stefan Gubser dagegen hat das Zeug zum großen Kommissar. Derzeit ist er als Flückiger noch der klassische Saubermann: Nicht so witzig wie seine Kollegen Thiel und Boerne aus Münster, nicht so urig wie die Münchner Batic und Leitmayr, nicht so plump wie der Kölner Kommissar Schenk. Flückigers Rolle ist noch nicht stark genug, ihm fehlen typische Eigenheiten mit Wiedererkennungseffekt - und sei es nur ein alter Porsche wie der des Stuttgarter Ermittlers Lannert. Doch bis zur nächsten Schweizer "Tatort"-Folge und der damit verbundenen Persönlichkeitsentwicklung der Charaktere ist ja auch noch etwas Zeit.
28 Meinungen zu ""Tatort": Der zweite Versuch"
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4266
Mittwoch, 30.05.2012, 11:24 Uhr Um das Genuschel zu verstehen, mußte man höllisch aufpassen. Habe schon bessere gesehen. -
Olfi
Mittwoch, 30.05.2012, 10:43 Uhr Viele schimpfen auf den schweizer Tatort. Nun der war wirklich ätzend langweilig aber die letzten von der ARD konnte man auch getrost vergessen. Vorallem den vom RBB, mit diesem dämlichen Krause. Das war wirklich der letzte Scheiß! Ach nee, das war ja ein Polizeiruf aber dennoch auf Kosten der Gebührenzahler, produzierter Ausschuß. Warum muß es jeden Sonntag einen Tatort geben? Lieber weniger, dafür aber hochwertiger. -
wuerttembergFN
Mittwoch, 30.05.2012, 09:48 Uhr Als Film mittelmäßig, jedoch: warum muss man Schwitzerdütsch synchronisieren. Genauso unzumutbar sind die preussischen Untertitel oder Synchronsprecher bei 3-Sat, wohingegen uns zugemutet wird, Ruhrpöttler, näselnde DDR-Sachsen und Berliner Piefkes sowie Orientalo-Pidgin-German etc.. ohne Synchronisation hinzunehmen. Einer der Gründe, warum ich es vorziehe, sfr und tsr zu schauen. Selbst in swr3 wirken traurigerweise Piefke-Sprecher. -
Lemiko
Mittwoch, 30.05.2012, 09:41 Uhr Wir wollen unseren alten Haferkamp wieder haben..... -
leitgibts
Mittwoch, 30.05.2012, 09:32 Uhr Ich habe bestimmt schon bessere Tatortfolgen gesehen, aber ich war trotzdem gefesselt. Das Thema Intersexualität ist ein sehr sensibles und ich finde es wurde hier recht feinfühlig angegangen. Mir ging es jedenfalls unter die Haut und ich wünsche den Betroffenen eine bessere Lobby und eine Enttabuisierung. Aber ist das die Aufgabe eines Fernsehkrimis? Ich denke, es kann ein Anfang sein. Mir ging es wie vielen Usern hier: das Ende war schwach. Aber insgesamt fand ich die Folge trotzdem spannend und interessant. -
reapr
Mittwoch, 30.05.2012, 09:04 Uhr Kannste gleich CSI gucken.
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