Zur mobilen Ansicht wechseln

28.01.2013, 15:26 Uhr

"Tatort": Kasperle-Theater in Saarbrücken

Es sollte ein Neuanfang werden für den "Tatort" in Saarbrücken: Mit Devid Striesow wurde einer der gefeierten Darsteller im Land verpflichtet, dazu sollte ein vermeintlich peppiges Drehbuch für Krimi-Kost wie bei den Münsteraner Kollegen Boerne und Thiel sorgen. Herausgekommen ist ziemlich lahmer Klamauk, der auch im Netz mächtig Gegenwind bekommt.

VonGMX Redaktionsmitglied Ludwig Gengnagel

Saarbrückener "Tatort": Die Reaktionen im Netz

So hagelt es auf dem offiziellen "Tatort"-Profil bei Facebook vernichtende Kritik. Nutzer Frank Geske schreibt: "Der schlechteste Tatort aller Zeit, es geht nicht mehr um Krimi! Das Niveau der Privaten ist hiermit erreicht! Wo ist der gute, alte Tatort von früher?!?" Auch Anna-Lena Meyer war "sehr enttaeuscht" und musste "nach 20 min abschalten".

Voting

Herbe Kritiken für den Saarbrückener "Tatort" - zu Recht?

Tool

Die Schauspieler müssen größtenteils auch herbe Kritik einstecken. Ralf Real Shock dazu: "Einzig und allein Devid Striesow hat diesen TATORT noch über die Zeit gerettet. Die Nebenrollen waren von A bis Z grauenhaft besetzt! Wo hat man diese dilettantisch wirkenden Darsteller nur aufgetan?" Das sieht auch Sven Brunner so, der vermutet, die Staatsanwältin habe wohl vorher bei Barbara Salesch mitgespielt. Und weiter: "Wie kann man eine derart wichtige Rolle mit so einer untalentierten Schauspielerin besetzen, eine Frechheit."

Sandra Schumacher schließlich bringt es auf den Punkt: "Das war kein Tatort, das war eine schlechte Comedysendung!"

Der Tenor bei Twitter ist ähnlich. Nutzer Martin Schäfer sagt: "Ich hab mirs anders gewünscht aber der #tatortwar schlecht. Einfach schlecht. Das Gute liebe @Tatort Macher: es ist noch Luft nach oben!" "Die_Mutti" hat derweil auch einen Narren an der Darstellerin der Staatsanwältin gefressen: "@Tatort Sehr geehrte Crew, ich biete an Sandra Steinbachs Rolle zu übernehmen. Unentgeltlich. Der Liebe zur Schauspielerei geschuldet."

Überzogene Panikmache der Netzgemeinde oder ist was dran? Schauen wir uns den "Tatort" vom Sonntagabend also mal genauer an.

Viel Klamauk und planlose Ermittler

Das Saarland ist nicht gerade als krimineller Brennpunkt bekannt. Dennoch rauscht Kommissar Jens Stellbrink gleich zum Dienstantritt auf seinem Motorroller in einen Fall von internationalem Ausmaß hinein.

Dabei geht es so lässig los: Mit Reggae-Musik im Ohr fährt Stellenbrink gut gelaunt beim örtlichen Baumarkt vor. Er trägt eine kurze Hose und Gummistiefel. Auf der Suche nach einer neuen Klobürste läuft ihm aber prompt die kleine Melinda in die Arme, scheinbar eine nordafrikanische Diplomatentochter.

Schnell zeigt sich, dass das Mädchen und seine vermeintliche Mutter offenbar in eine wie auch immer geartete Verschwörung verwickelt sind. Sie werden von schwarzbärtigen Männern in schwarzen Anzügen zuerst entführt und dann auf ihrer Flucht verfolgt. Dabei schießen die Schurken wild um sich und stolpern meist über ihre eigenen Füße. Dick und Doof lassen grüßen.

Um Melinda und ihre vermeintliche Mutter im Krankenhaus zu den Vorfällen befragen zu können, entsendet das Konsulat einen Dolmetscher. Der sieht aus wie Bösewicht "Dschafar" aus dem Disney-Film "Aladdin". Kurz nachdem er das Krankenhaus verlassen hat, ist die Frau tot. Ratlosigkeit bei den Ermittlern. Wer kann das nur gewesen sein?

Später tritt dann noch der Diplomat, dessen Tochter Melinda angeblich ist, in Erscheinung, und heißt zu allem Überfluss wirklich "Dschafar". Zum Dank für die Rettung seiner Tochter verleiht er Stellbrink einen riesengroßen Orden, der passenderweise an einen Karnevalsorden erinnert, und macht sich eilig wieder aus dem Staub.

Kasperle im Laientheater

Sie verstehen jetzt nur noch Bahnhof? Willkommen im Club. Der auf hanebüchene Weise zusammengekleisterte Plot kommt zu keinem Zeitpunkt wirklich in die Gänge. Zu viele Ungereimtheiten und zu viel Slapstick nehmen jedem im Kern vielversprechenden Ansatz den Wind aus den Segeln.

Das fängt schon bei der Hauptfigur des Jens Stellbrink an. Was wohl als sympathisch schrulliger Anti-Held konzipiert war, ist letztlich ein diffuses Konglomerat aus Macken und Schrulligkeiten geworden, das man eher in einer Bully-Herbig-Klamotte vermuten würde als im "Tatort". Manchmal ist weniger wirklich mehr.

Devid Striesow trifft dabei noch die geringste Schuld. Er versucht das Beste aus seiner Rolle zu machen, spielt gut aufgelegt und ambitioniert. Damit steht er leider ziemlich alleine da, denn die restliche Besetzung dieses Trauerspiels wirkt wie ein unbeholfener Haufen von Laiendarstellern.

Zunächst wäre da die ältere Dame, deren Auto Stellbrink kapert, um entgegen der Anweisungen von oben einen Alleingang zu starten. Weil Stellbrink sich auf die Unterstützung seiner Kollegen nicht verlassen kann, mutiert die Rentnerin zum pfiffigen Sidekick. Auf so eine Gelegenheit habe sie ihr ganzes Leben gewartet, sie lese ja so gerne Krimis.

Elisabeth Brück, die Stellbrinks Kollegin Lisa Marx verkörpert, macht ihre Sache schon ein wenig besser. Trotzdem wirkt ihre Figur der toughen, Motorrad fahrenden Kripo-Beamtin wie eine Mischung aus Lara Croft und "Walter" aus dem Frauenknast.

Den Vogel schießt aber Sandra Steinbach als hysterische Staatsanwältin ab, die sich jedem auch noch so offensichtlichen Hinweis verweigert. Ihre Darbietung muss leider als Totalausfall gewertet werden. So etwas würde man, wie "taz.de" trefflich beschreibt "allenfalls dem Theaterverein Linkenheim-Hochstetten durchgehen lassen."

Saarbrückener "Tatort": Neu ist nicht gleich besser

Vor einem guten Jahr schickte der SR sein bewährtes Ermittlerteam Deininger und Kappl in den Ruhestand. Die Geschichte sei auserzählt, lautete die Begründung. Nach gerade einmal sieben Folgen. Jetzt wollte man offenbar etwas ganz Neues wagen.

Man will sich allerdings gar nicht erst vorstellen, was im Entscheidungsprozess alles schiefgegangen sein muss. So wird man wohl nie erfahren, was aus diesem Saarbrückener "Tatort" vielleicht hätte werden können. Herausgekommen ist jedenfalls ein ziemlich mieses Machwerk. Wer sich an einer filmisch gelungenen Bruchlandung erfreuen will, dem sei an dieser Stelle das Pilotendrama "Flight" mit Denzel Washington ans Herz gelegt.

Ach ja: Der Mörder im Krankenhaus war der Dolmetscher.

Alle News vom: 28. Januar 2013 Zur Übersicht: TV

1628 Meinungen zu "Kasperletheater statt Krimi"

  • Simmy68
    Sonntag, 28.04.2013, 10:36 Uhr
    genial...ganz anders und intelligent gemacht...klar wirkt er etwas zerstreut...aber guuut! ich mag die vielfalt im tatort...es macht jeden krimi unverwechselbar. was wollen wir ?...immer nur aktion und coole kommissare ?...oder ? ...oder?...na! freue mich schon auf wotan...ein toller schauspieler...wir brauchen wieder gute schauspieler...und die beiden gehören klar dazu...weiter so!
  • Flosse14
    Montag, 08.04.2013, 14:34 Uhr
    Ich bin ein "fleißiger" Tatort gucker, aber das war nicht zum aushalten. Habe nach 30 Minuten ausgeschaltet! Schade - warum setzt man uns so einen MIST vor?
  • Flippe
    Montag, 08.04.2013, 10:39 Uhr
    Wie ich den auf der rosafarbigen Vespa gesehen habe, habe ich sofort umgeschaltet.
  • geli06
    Montag, 08.04.2013, 09:28 Uhr
    Ich muss leider als großer Tatort - Fan, mein entsetzen ausdrücken über diese "Tatort" Sendung, ich dacht ich habe mich im Programm verschalten, aber nein, ich schaute mir "Tatort" eine zeit lang an in der Hoffnung es kommt noch was! nein es war wirklich Tatort - Komödienkasperle. Danke wenn das so bleibt, werde ich auf einen anderen Sender umstellen müssen am Sonntagabend....schade!!
  • jup2
    Montag, 08.04.2013, 08:31 Uhr
    ich fands einfach nur albern und unralistisch, oder welche Rockergang nimmt einen solchen Kommissar auf einer Vespa ernst. Die Gags waren schon so blöd, dass man nicht mal mehr drüber lachen konnte. Die Aufklärung des Falls war Kindergartenniveau: "Ohh ich habe ein böses Locheisen in meiner Tasche und wenn Ihr jetzt nicht ganz brav seit, dann hole ich sie raus...." Das war kein Tatort mehr!!! Den Saarland-Tatort tue ich mir noch EINMAL an und wenn er dann nicht maßgeblich besser ist, werde ich den Saarland-Tatort nicht mehr einschalten....
  • manfred2701
    Montag, 08.04.2013, 07:49 Uhr
    Mal ehrlich, ich schau mir lieber einen Klamauk-Tatort an, möge er auch teilweise unlogisch oder realitätsfremd sein, als einen Tatort der sich vehement langweilich darstellt weil er sozialkritisch über lange Zeit die darzustellenden Personen beobachten will und damit Anspruch suggerieren möchte ohne dass sich wirklich etwas tut und die Spannung auf nullkommanull sinkt. Solche Folgen hatten wir alles schon zu genüge. Ausnahme natürlich das Team Boerne und Thiel, ohne die der Tatort langsam aber sicher zum Schlafmittel werden würde.
  • Staatskapitalismus
    Montag, 08.04.2013, 07:38 Uhr
    Das war kein "Tatort" ! Ich wollte zwischendrin schon weg zappen, wollte dem ganzen aber noch eine Chance geben, vergeblich ! Das war wirklich das "Letzte" und für einen TATORT-Fan wie mich unter "aller Sau" ! Was die aus unseren sauer verdienten Gebühren fabrizieren ist einfach grottenschlecht!
top.de

Angeblich entscheidet sich der "Bachelor" für die 25-Jährige. >

Bauer sucht Frau mit Lena

Findet Lena bei "Bauer sucht Frau" die Partnerin fürs Leben? >

top.de

Model Nitsche spricht im Interview über die Kanzlerin und Babyglück. >

Nadja abd el Farrag

Bohlen-Ex bekommt zum Bayerischen Fernsehpreis keinen Zutritt. >


Internet Made in GermanyIhr GMX-Postfach ist grünGMX unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Netz-Schelte für "Tatort". "Schlechte Comedysendung": Fans des TV-Klassikers sind sauer.