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28.01.2013, 17:21 Uhr

Wieso gucken wir eigentlich das "Dschungelcamp"?

"Na endlich", denken sich die einen, "Schade dass es vorbei ist", die anderen. Obwohl es zum Quoten-Rekord nicht ganz gereicht hat, ist das Ergebnis der siebten "Dschungelcamp"-Staffel für RTL mehr als zufriedenstellend. Doch was macht eigentlich den Reiz dieser Sendung aus?

VonGMX Redaktionsmitglied Ludwig Gengnagel

Dschungel hier, Dschungel da: In den vergangenen zwei Wochen war der peinliche RTL-Trash in aller Munde. Mit durchschnittlich 7,45 Millionen Zuschauern kam man der bisherigen Rekord-Staffel von vor zwei Jahren (7,65 Millionen Zuschauer im Schnitt) sogar ziemlich nahe. Und wer nicht eingeschaltet hatte, wurde spätestens am nächsten Tag in sämtlichen Medien über die Ereignisse im Camp informiert. Ob man wollte oder nicht, ob von der Süddeutschen oder der Regionalzeitung. Das Thema funktioniert, aber warum?

Einer, der weiß, was sich in den Köpfen der Zuschauer abspielt, ist Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der LMU München. Seine Erklärung des Phänomens "Dschungelcamp" ist ebenso simpel wie einleuchtend: Voyeurismus. Und das ist gar nicht einmal so verwerflich, wie es zunächst klingt.

Balsam für die Seele

"Fernsehzuschauer nutzen die Dschungelshow vordergründig aus voyeuristischen Motiven", erklärt Professor Brosius. "Das betrifft alle Schichten der Bevölkerung. Sie vergleichen sich - bewusst oder unbewusst - mit den Protagonisten der Show." Dadurch wird wiederum das Selbstwertgefühl gestärkt. "Wenn ich das Leid und die Tollpatschigkeit von anderen sehe, kann ich mich selbst gut fühlen."

Das "Dschungelcamp" ist also Balsam für die Seele. Wer sieht, wie sich die ohnehin schon spindeldürre Fiona Erdmann im Camp erbricht, wird wohl zweimal darüber nachdenken, ob es wirklich erstrebenswert ist, sich dem allgegenwärtigen Schlankheitswahn hinzugeben - und die eigenen Pfunde vielleicht etwas lockerer nehmen. Und Patrick Nuos Porno-Beichte zeigt, dass auch der bestaussehende Popstar unter Umständen Probleme mit seinem Sexualleben haben kann.

Integration durch "Dschungelcamp"

Nicht zuletzt hilft es laut Professor Brosius bei der gesellschaftlichen Integration, über Dinge Bescheid zu wissen, über die alle reden. Während die Kandidaten im Camp Kakerlaken verzehren und sich gegenseitig hoffnungslos zerstreiten, wird das Publikum zusammengeschweißt. "Wir verständigen uns mit unseren Mitmenschen über unsere Moral- und Wertvorstellungen, empören oder erfreuen uns gemeinsam", erklärt der Professor weiter. Das sei eine durchaus positive Wirkung, auch wenn viele zunächst vom Verfall der Sitten sprächen.

Sittenwächter und diejenigen, die das Privatfernsehen gerne dämonisieren, können also aufatmen. Alle anderen können getrost dazu stehen, sich hin und wieder gerne von Ekel-Nonsense berieseln zu lassen. Es schadet nicht! Wer bei so viel Trash wirklich ein schlechtes Gewissen bekommen hat, kann sich nun bei Jauch, Will und Co. intellektuell vom "Dschungelcamp" erholen. Und sollte es in einem Jahr wieder eine Staffel geben, dann wird auch dieser Spuk nach zwei Wochen wieder vorbei sein.

Alle News vom: 28. Januar 2013 Zur Übersicht: TV

11 Meinungen zu "Faszination "Dschungelcamp""

  • Idiot123
    Mittwoch, 13.03.2013, 13:19 Uhr
    Asi-Sendung..Wer guckt denn sowas?? Würg**
  • pghg
    Dienstag, 26.02.2013, 17:03 Uhr
    Ich habe nichts dagegen wen der Abschaum der Menschheit für Geld auch Scheiße frisst. Was mich stört das solch Abschaum als Prommi bezeichnet wird. Aber es ist ja erwiesen das die Menschheit immer mehr verblödet
  • fidibus1
    Donnerstag, 31.01.2013, 16:46 Uhr
    Na der Big-Brother Effekt. Man sitzt anonym im Hintergrund und beobachtet die Leute. Man kann auch sagen: Befriedigung der Neugierde :-) Für welche mag es sein, dass sie die Sendung wegen eines persönlichen Favoriten oder Symphatieträgers anschauen und Andere Leute gucken zwecks reiner Neugier, Sensationslust oder weil sonst nix im TV los ist. Richtig gefährlich wurde und wird´s für die Camper sowieso nicht. Da ist eine Sendung wie: Takeshis Castle bei weitem gefährlicher gewesen :-) Sowas sollte man mit dem Dschungelcamp in Verbindung bringen, wo diese "Stars" auch wirklich an ihre Grenzen kommen. So wie bei Big Brother wird auf lange Sicht das Konzept des Dschungelcamps die Zuschauer ermüden, weil im Endeffekt immer das Gleiche abgeht, nur die Kandidaten wechseln ...
  • Schokokringel
    Mittwoch, 30.01.2013, 16:48 Uhr
    Was manche so ekelhaft finden. Es gibt viel schlimmeres was Menschen einander antun. Aber gerade dass Ihr Euch aufregt bestätigt doch die Leute darin sowas zu senden.
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