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02.07.2011, 19:18 Uhr

Tour-Paukenschlag: Herber Rückschlag für Contador

Les Herbiers (dpa) - Ein Massensturz auf der Auftaktetappe der Tour de France hat den Ambitionen von Alberto Contador auf seinen vierten Gesamtsieg einen herben Dämpfer verpasst.

Der Spanier kassierte auf dem ersten Teilstück von Noirmoutier nach Les Herbiers 1:20 Minuten Rückstand auf Tagessieger Philippe Gilbert. Noch viel dramatischer für den umstrittenen Spanier: Auf seinen ärgsten Konkurrenten Andy Schleck aus Luxemburg (Leopard) - im Vorjahr nur um 39 Sekunden von Contador bezwungen - verlor er 1:14 Minuten.

Den Tagessieg sicherte sich mit einer Galavorstellung auf dem 2,2 Kilometer langen Schlussanstieg der Belgier Philippe Gilbert, der sich das erste Gelbe Trikot der diesjährigen Tour überstreifte. Die große deutsche Tour-Hoffnung Tony Martin verlor in der hektischen Schlussphase nach insgesamt 191,5 Kilometern nur sechs Sekunden auf Gilbert und kann damit vom Gelben Trikot am Sonntag träumen.

Ein Sieg beim Team-Zeitfahren vorausgesetzt würde dem Fahrer vom Team HTC Highroad das erste Maillot Jaune eines deutschen Radprofis seit Stefan Schumacher 2008 bescheren. Einen starken Auftritt legte auch Routinier Andreas Klöden (RadioShack) hin, der Siebter wurde.

Contador muss dagegen mit einer gewaltigen Hypothek in den Kampf gegen die Uhr gehen - dort droht ihm weiterer Zeitverlust. Allerdings werden die großen Zeitabstände bei dieser Tour erst in den Bergen geschrieben werden. Auf diesem Terrain gilt der Kapitän vom Team Saxo Bank als nahezu unantastbar.

8,8 Kilometer vor dem Ziel war ein Fahrer des Teams Astana mit einem Zuschauer kollidiert und hatte einen Domino-Effekt im Feld produziert. Rund 50 Fahrer kamen zu Fall, unter ihnen Contador. Schon zuvor hatte es auf dem nervösen Tagesabschnitt viele Stürze gegeben. In einen war auch Schlecks Teamkollege Linus Gerdemann verwickelt.

Einen Sieg nach Ansage feierte dagegen Gilbert, dem als Klassiker- Spezialist das Terrain hundertprozentig entgegenkam. "Ich wusste, dass ich heute eine gute Gelegenheit habe. Das hat mich motiviert." Zusätzlich habe ihn die Doping-Affäre um den ehemaligen Team-Betreuer Wim Vansevenant angestachelt. "Mein Name wurde in Belgien in den Schmutz gezogen - das hat mich wütend gemacht", betonte Gilbert, der im April alle drei Ardennen-Klassiker gewonnen hatte.

Für die reinen Sprinter à la Mark Cavendish oder André Greipel war das schwierige Finale der Flachetappe zu viel. Greipel spekulierte bei seinem Tour-Debüt aber gleich zum Auftakt auf das Grüne Trikot des Punktbesten. Beim Zwischensprint in Avrillé sicherte er sich hinter den drei Ausreißern Pierrig Quemeneur (Euskaltel), Jérémy Roy (FDJ) und Lieuwe Westra (Vacansoleil) Platz zwei im Sprint des Feldes. Nach dem neuen Klassement, das die Zwischensprints höher bewertet, gab es dafür 11 Punkte. Allerdings eroberte im Ziel Gilbert auch das Grüne Trikot.

Die Tour hatte nicht wie sonst mit einem Prolog, sondern mit einer regulären Etappe begonnen. Nach einem neutralisierten Schaulaufen vor Zehntausenden von Zuschauern auf der Passage du Gois - einem nur bei Ebbe befahrbaren Sträßchen auf der Atlantik-Insel Noirmoutier - gingen 198 Profis auf die insgesamt 3430 Kilometer lange Reise.

Der Weg durchs Meer stand zuletzt 1999 im Tour-Programm, damals aber als Bestandteil der Strecke - mit schwerwiegenden Folgen. Der Schweizer Alex Zülle verlor nach einem Sturz auf dem glitschigen Untergrund sechs Minuten und machte so Lance Armstrong den Weg zu dessen erstem Toursieg etwas leichter.

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