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30.04.2013, 14:28 Uhr

Blatter atmet nach Freispruch auf - Havelange-Rücktritt

Zürich (dpa) - Freispruch zweiter Klasse für Präsident Joseph Blatter - und ein erzwungener endgültiger Abgang für den FIFA-Granden João Havelange.

Mit der Erklärung zum Abschlussbericht der Ethikkommission hat der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert einen Schlussstrich unter die Bestechungsaffäre um die mittlerweile bankrotte Vermarktungsagentur ISL gezogen. Darin heißt es auch, dass der fast 97 Jahre alte Brasilianer Havelange am 18. April seinen Titel als Ehrenpräsident beim korruptionsgeplagten Fußball-Weltverband abgegeben habe. FIFA-Boss Blatter sieht sich hingegen reingewaschen und reagierte erleichtert.

"Ich stelle mit Zufriedenheit fest, dass in diesem Bericht bestätigt wird, dass 'das Verhalten von Präsident Blatter unter keinerlei Fehlverhalten von Ethikregeln fallen konnte'", sagte der 77 Jahre alte Schweizer in einer Pressemitteilung. Die FIFA hatte von Dezember 1997 bis Juli 2000 eine Reihe von Verträgen mit dem Medien- und Marketingunternehmen ISL abgeschlossen. Dabei seien dreistellige Millionenbeträge in Schweizer Franken und US-Dollar als Entschädigung für die FIFA vereinbart worden, hieß es in dem Bericht.

Eckert hatte als Vorsitzender der rechtssprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission in seiner achteinhalbseitigen Erklärung festgestellt: "Gemäß Einstellungsverfügung haben sich keine Hinweise ergeben, dass Präsident Blatter Provisionszahlungen von ISL, ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jean-Marie Weber oder von anderen erhalten hat." Auch gebe es "keinerlei Anhaltspunkte" dafür, dass der FIFA-Präsident für Schmiergeldzahlungen an seine langjährigen Mitstreiter Havelange, Ricardo Teixeira (beide Brasilien) oder Nicolás Leoz (Paraguay) verantwortlich gewesen sei. Leoz ist bereits aus dem FIFA-Exekutivkomitee zurückgetreten und hat sein Amt als Präsident des südamerikanischen Kontinentalverbands CONMEBOL niedergelegt.

Ganz schadlos kommt Blatter jedoch nicht davon. "Kritisch hinterfragt werden muss jedoch, ob Präsident Blatter in den Jahren vor dem Konkurs der ISL wusste oder hätte wissen müssen, dass die ISL an andere FIFA-Offizielle Zahlungen getätigt hat", schreibt Eckert. Das Verhalten des Schweizer Spitzenfunktionärs sei "ungeschickt gewesen", da sich intern ein Aufklärungsbedarf aufdrängte.

Dass Blatter insgesamt gut wegkommt, überrascht nicht: Bereits Ende vergangenen Jahres hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) angedeutet, dass es wohl keine Ermittlungen gegen den FIFA-Chef geben werde. Eckert erklärte zudem ausführlich, dass nur bestraft werden kann, was gegen die Ethikregeln verstößt: Vor 2004 gab es im Weltverband gar keine, die jetzt gültigen stammen von 2012. Mit dem 30-seitigen Untersuchungsbericht des amerikanischen Chefermittlers Michael J. Garcia und der Erklärung Eckerts ist der Fall ISL "für die Ethikkommission abgeschlossen".

Havelange hatte schon im Dezember 2011 wegen erwiesener Korruption aus dem IOC austreten müssen, sonst wäre er ausgeschlossen worden. Der Brasilianer hatte den Fußball-Weltverband von 1974 bis 1998 angeführt und war anschließend zum Ehrenpräsidenten ernannt worden. Ursprünglich wollte die FIFA über die Aberkennung seines Amtes bei ihrem Kongress am 30./31. Mai auf Mauritius entscheiden. Dem Brasilianer wird in dem Dokument eine "moralisch und ethisch verwerfliche Handlungsweise" vorgeworfen. Die "nicht unerheblichen Beträge" seien zwischen 1992 und 2000 offenbar über Scheinfirmen gelaufen und heute als "Schmiergelder" zu qualifizieren.

Aus einem Gutachten, dass Garcia eingeholt hat, geht hervor, dass die Annahme von Bestechungsgeldern durch Havelange, seinen ehemaligen Schwiegersohn Teixeira und Leoz zum damaligen Zeitpunkt nach Schweizer Recht nicht strafbar war. Auch für Blatter ist der Fall ISL abgeschlossen, der FIFA-Präsident betonte, "dass keine weiteren Verfahren gegen andere Fussballoffiziellen angezeigt sind".

Zudem ist der Walliser davon überzeugt, dass durch den von ihm angeregten Reformprozess der Weltverband jetzt über angemessene Mechanismen und Instrumente verfüge, um einen solch einen Vorfall in Zukunft zu verhindern.

Bei der Aufarbeitung ist Ermittler Garcia aber offensichtlich auf eine Betonabwehr gestoßen. Da sich bestimmte ehemalige Mitarbeiter geweigert hätten, Angaben gegenüber dem Amerikaner zu machen, schlägt Eckert vor, künftig die Anstellungsverträge zu ändern. Auch nach dem Ausscheiden solle eine Mitwirkungspflicht gegenüber der Untersuchungskammer bestehen.

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