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Angriff über Rechtsaußen - Wie die NPD Fußballclubs unterwandert

Fußball - der liebste Sport der Deutschen. Fußball hat Tradition, Fußball erreicht die Massen, Fußball stärkt den Zusammenhalt und das Wir-Gefühl. Aber Fußball hat auch mit einem großen Problem zu kämpfen: Rechtsextremismus.

Von Jeannette Mayer für GMX

Neu ist das Problem nicht. Schließlich tummeln sich nicht erst seit gestern unter den Fußball-Fans im ostdeutschen wie im westdeutschen Raum auch Anhänger der braunen Szene. Denn in einer Welt, in der Ehre, Tradition, Lokalpatriotismus und Zusammenhalt groß geschrieben werden, können Neonazis mit ihrem rechtsextremen Gedankengut besonders leicht andocken und Mitstreiter für ihre Sache gewinnen - allen voran die NPD.

"König Fußball" bietet Rechtsextremen optimalen Nährboden

Auf grünem Fußball-Rasen gedeiht die braune Saat besonders gut. Das Grundprinzip "unsere Mannschaft gegen die Anderen" lässt sich hier leicht mit rechten Parolen anreichern. Zudem bietet die hierarchische Struktur bei Fan-Organisationen, die dazu noch größtenteils aus jungen Männern bestehen, optimale Anknüpfungspunkte für Neonazis. "Oft habe ich von Fußballfans sogar das gleiche Vokabular gehört wie von NPD-Funktionären - Ehre, Zusammenhalt, Heimat, Treue", sagt Journalist und Autor Ronny Blaschke ("Angriff von Rechtsaußen"), der sich seit Jahren mit dem Thema Fußball und Rechtsextremismus beschäftigt, im Interview mit Deutschlandradio Kultur. Alles in allem also beste Voraussetzungen für die Rekrutierung neuer Parteimitglieder.

Doch so plump wie noch vor Jahren gehen die Rechtsextremen bei der Werbung in eigener Sache nicht mehr vor. Statt Handzettel vor Stadien zu verteilen, biedern sich die braunen Kameraden heute immer öfter etwa in Vereins-Internetforen und Chatrooms an - eben ganz neuzeitlich.

Die beste Überzeugungsarbeit lässt sich aber noch immer mit aktiver Arbeit am Mann leisten.

Weg von der Profi-Liga hin zu den Amateur-Kickern

In der Profi-Liga jedoch fällt es Rechtsextremen immer schwerer zu agieren. Der DFB weiß schließlich um die Problematik und versucht mit Aufklärungsarbeit als auch gezielt durch Kameraüberwachungen und Polizeikontrollen in den Stadien, Neonazis Einhalt zu gebieten.

Dabei ist das braune Interesse an den großen Fußball-Vereinen ohnehin rückläufig. So forderten etwa Kölner Neonazis um Axel Reitz und Paul Breuer in einer "Problembeschreibung" auf ihrer Internetseite Mitte des Jahres ihre Kameraden auf, dem Profi-Fußball künftig fern zu bleiben. Die deutsche Nationalmannschaft sei ohnehin "ein gekaufter Haufen internationaler Spieler" und "offen antideutsch eingestellt". Gleiches gilt für Bundesligavereine, die "bekennende Gegner eines nationalen und sozialistischen Deutschlands" seien. Statt diese also mit Ticketkäufen weiter zu fördern, solle man doch lieber "den kleinen Verein vor Ort unterstützen". Anders ausgedrückt heißt das: Arbeit an der Basis, zu der die Anti-Rechts-Bemühungen noch nicht vorgedrungen sind oder bislang nicht effektiv umgesetzt werden.

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Und so mischen sich die braunen Kameraden immer stärker unter die Anhängerschaft des Amateur-Fußballs, gründen gleich selbst eigene Kicker-Vereine - wie etwa den "SV Germania Hildburghausen" - oder schleusen wenigstens NPD-Funktionäre als Schiedsrichter oder Jugendtrainer in bestehende Mannschaften ein. Und hat der nette Nazi von nebenan mit seinem ehrenamtlichen sozialen Engagement erst Anerkennung und Vertrauen gewonnen, lässt sich auch mal das Thema Politik einbringen. Das lohnt ganz besonders in Amateur-Ligen mit jungem Kader, der sich noch leicht beeinflussen lässt. 

So reichen auf lokaler Ebene oft schon wenige Leute aus, um ordentlich rechtsextreme Stimmung zu machen und Entfremdungsängste zu schüren. Dass sie dabei noch im Deckmantel des engagierten Mitbürgers oder unscheinbaren Fans auftreten, mache moderne Neonazis besonders gefährlich, warnt Blaschke im Deutschlandradio-Interview.

Gefährlich: Neonazis schwieriger zu erkennen

Die Zeiten, als Rechtsextreme ganz offen braune Parolen von den Rängen grölten, die Hand zum Hitler-Gruß erhoben und in unverkennbarer Uniform mit Glatze, weißgeschnürten Springerstiefeln und Bomberjacke zu Spielen aufmarschierten, sind längst vorbei. Die Zugehörigkeit zur rechten Szene zeigt sich heute auf subtilere Weise - etwa über bestimmte Kleidermarken oder andere Kodierungen. Ob es sich beim Arme in die Höhe reißenden Sieges-Ruf des Stadion-Nachbarn nun um ein klares Bekenntnis zum Verein oder um gewaltbereite Deutschtümelei handelt, ist von außen nur noch schwer auszumachen. 

Ohnehin sei es gerade im Fußball ein besonders schmaler Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus, meint Sportjournalist Ronny Blaschke. Auch er habe sich etwa bei der WM 2006 über die patriotischen Gefühle im Lande gefreut. Verschiedene Studien zeigten jedoch, dass mit dem Patriotismus zur Weltmeisterschaft in Deutschland auch die Fremdenfeindlichkeit hierzulande zugenommen hat. Denn, so Blaschke im Interview mit Deutschlandradio Kultur, "je höher wir uns selbst auf ein Podest heben, desto eher sind wir dazu bereit, Fremde oder Andere auszugrenzen".

Neben einer verstärkten Aufklärung und politischen Initiativen der einzelnen Länder, vor allem in den Kreisklassen und Amateur-Ligen, ist es Blaschke zufolge deshalb ebenso wichtig, "den Fußball nicht zu sehr mit patriotischen Gedanken zu überfrachten - denn das schlägt schnell um".

© Leadsatz

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