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23.02.2012, 10:39 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 96-Chef Kind in Kooperation mit WELT Online

Hannovers Präsident soll in Filialen seiner Hörgerätefirma zwei Fachmeister nur auf dem Papier geführt haben. Behörde prüft Verstoß gegen Meldevorschriften. Kind geht von zeitnaher Einstellung des Verfahrens aus.

Von Jens Bierschwale

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen die Hörgerätefirma von Martin Kind. Wie der Präsident des Fußball-Bundesligaklubs Hannover 96 auf Anfrage der "Welt" bestätigte, laufe "seit zwei oder drei Wochen ein Ermittlungsverfahren" gegen die Kind Hörgeräte GmbH & Co KG aus Großburgwedel. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, in zwei Filialen zwar Meister angemeldet, diese dort aber nicht eingesetzt zu haben.

Dabei handelt es sich offenbar um zwei Filialen in Nordrhein-Westfalen. "Es geht dabei um die Meisterpräsenz, es gab zwei Filialen, wo ein Meister gemeldet, aber nicht präsent war", sagte Kind der "Welt". Er gehe aber davon aus, dass das Verfahren schon "Ende dieser oder Anfang nächster Woche wieder eingestellt" werde. "Wir haben das abgearbeitet, alles mitgeteilt und haben das auch bereinigt. Es gab ein Meldeproblem, keine Frage, in einem Fall jedenfalls", erklärte der 67-Jährige. "Ich kann nicht entscheiden, wie das Verfahren abgewickelt wird. Das liegt nicht in unserer Entscheidungskompetenz. Aber die Signale, die wir haben, deuten in die Richtung, dass das Verfahren demnächst eingestellt wird."

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Hans-Jürgen Lendeckel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, bestätigte der "Welt" die von Kind geschilderten Ermittlungen. "Es gibt einen Anfangsverdacht." In dem Verfahren gehe es um eine sozialrechtliche Frage. "Herr Kind ist sehr kooperativ", sagte der Sprecher.

Kind beschäftigt in seiner gleichnamigen Firmengruppe rund 2000 Angestellte. Zu den Beschäftigungsfeldern zählen neben der Hörgerätesparte auch Fertigung und Vertrieb von Arbeitsschutzbekleidung sowie Hotelbetrieb. Allein bei den Hörgeräten hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren mit mehr als 500 Läden in Deutschland und rund 100 Filialen im Ausland zum "Big Player" entwickelt. Kind, der inzwischen die Geschäfte gemeinsam mit seinem Sohn Alexander führt, ist zudem mit einer kurzen Unterbrechung seit 1997 Präsident von Hannover 96. In der abgelaufenen Spielzeit erreichte der Verein erstmals seit 19 Jahren wieder die Europapokalteilnahme. Donnerstag tritt Hannover 96 in der Europa League zum Zwischenrunden-Rückspiel beim FC Brügge an (19.00 Uhr, Kabel eins). Das Hinspiel haben die Niedersachsen vor einer Woche 2:1 gewonnen.

Dass die Meldung von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen rein sportlich betrachtet zur Unzeit kommt, hat Kind senior registriert. Einen nachhaltigen Imageschaden für sich, sein Unternehmen oder den Klub sieht er aber nicht. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagte er. "Natürlich ist es nie schön, wenn man angezeigt wird. Aber wir sind das Unternehmen mit der aktivsten Personalentwicklungspolitik. Wir bilden fast 500 Auszubildende aus und bringen jedes Jahr 50 Mitarbeiter zum Meister. Deswegen haben wir uns nichts vorzuwerfen." Auf die Zahl der Filialen umgerechnet, habe sein Unternehmen sogar mehr Meister als Zweigstellen.

Deshalb vermutet Kind auch keinen enttäuschten Kunden hinter der Anzeige, sondern einen Mitbewerber. "Wir wachsen stark, machen Fernsehwerbung, machen dies und das - scheinbar ist das in diesem Markt etwas Neues."

© WELT Online

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10 Meinungen zu "Ermittlungen gegen 96-Chef"

  • incidentally
    Freitag, 24.02.2012, 09:06 Uhr
    Und übrigens sollte man die Kirche mal ruhig im Dorf lassen - man sollte sich auch redaktionell erst mal richtig mit dem Inhalt, hier wohl dem Handwerksrecht, auseinandersetzen. Ich entnehme dem, daß es hier um die unsägliche "Meisterpräsenz" im Gesundheitshandwerk geht. Diese typisch deutsche Erfindung soll suggerieren, daß nur ein Meister in der Lage ist, einen Betrieb verantwortungsvoll zu führen. Ich komme selbst aus der verwandten Branche "Zahntechnik" und habe gelernt: mir ist ein erfahrener Facharbeiter, der sich kontinuierlich weitergebildet hat, viel lieber als jemand, der vor 30 Jahren die Meisterprüfung absolvierte und sich seitdem auf seinen Lorbeeren ausruht. Wollte man alle Gesundheitsbetriebe auf die WIRKLICHE Anwesenheit eines Meisters überprüfen, dann müßten wahrscheinlich ein geschätztes Viertel der Betriebe mit ähnlichen Problemen wie hier beschrieben rechnen.
  • HerrWinzig
    Donnerstag, 23.02.2012, 17:42 Uhr
    @happison schrieb: "Warum darf darüber berichtet werden wenn ein BundesPRÄSIDENT in einem Fernsehinterview vor 12 Mio. Menschen die Halbwarheit sagt oder lügt, aber über den PRÄSIDENTEN eines Fußballvereins gegen den staatanwaltschaftlich ermittelt wird soll nichts berichtet werden? Erschließt sich mir nicht." ------------------- ääääääähhhhhhhhhhh kicher kicher "Halbwarheit" was ist das ? Er versuchte bestimmt Halbwahrheit zu schreiben. "staatanwaltschaftlich" was ist das? Er meinte vielleicht staatsanwaltschaftlich. Na ja ...immer dieselbe Geschichte, ...wer im Glashaus sitzt sollte nicht usw.
  • dersmut
    Donnerstag, 23.02.2012, 16:57 Uhr
    Hannover(klein Chikago) scheint der Mittelpunkt aller Schiebereien in Deutschland zu sein.Lach.Aber mit Sport hat diese Meldung wohl nichts zu tun und wird auch wohl nicht so wichtig sein.
  • Gustav04
    Donnerstag, 23.02.2012, 15:50 Uhr
    Watt interessiert mich den Kind seine 4ma?Nix!
  • opa66
    Donnerstag, 23.02.2012, 13:08 Uhr
    Das hat aber nun ganz und gar nichts mit Sport zutun. Ist mal wieder so ein Aufreißer.
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