"Kopflos herumballern" - das ist eine Phrase, die auf viele Action-Spiele zutrifft, in "Neverdead", dem jüngsten Scharmützel der britischen Spieleschmiede Rebellion, aber eine ganz neue Bedeutung bekommt: Held Bryce Boltzmann ist unsterblich und damit auch nahezu unverwüstlich. Aber glücklich ist er mit diesem verfluchten Segen ganz und gar nicht. Kein Wunder: Ob dämonische Beißer, monströse Klauen, Schwerter oder Kugeln - alles, was normale Menschen zugrunde richtet, das zerfetzt auch den "NeverDead"-Helden. Nur setzt sich der Körperteil für Körperteil wieder zusammen. Dass dieser Vorgang alles andere als angenehm ist, verraten die gequälten Schreie und Ächzer des Dämonenjägers, der wie eine Mischung aus dem "Devil May Cry"-Helden Dante und Shooter-Proll Duke Nukem wirkt.
Kopf, Rumpf, Arme, Beine: Nach beinahe jeder gegnerischen Attacke, die nicht abgefangen wird, muss sich der Monsterjäger von Gliedmaßen trennen, die er erst wieder bekommt, wenn er sich mit einer Ausweichrolle über die abgetrennten Körperteile wälzt. Selbst wenn der Held nur noch aus einem kullernden Kopf besteht, hat er geradezu magnetische Qualitäten: Einmal passiert, finden alle Einzelteile wieder zusammen. Und sollten Letztere außer Reichweite sein, dann beherrschte Bryce noch weiteren Trick: Genug magische Energie vorausgesetzt, lässt er die verlorenen Körperpartien einfach wieder nachwachsen!
Was zunächst nach einem ebenso einfallsreichen wie schrägen Designer-Kammerstück aus Japan klingt, entpuppt sich leider schnell als ausgesprochener Reinfall: Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad machen die Entwickler derart übertrieben Gebrauch vom Zerstückelungs-Feature, dass man Bryce so gut wie nie in einem Stück zu Gesicht bekommt.
Die meiste Zeit hat man alle Hände, Arm- und Beinstümpfe voll damit zu tun, die über die Level-Landschaft verteilten Gliedmaßen einzusammeln und sich dabei gegen die lästigen bis frustigen Attacken hungriger Glibber-Gestalten zu wehren. Und wirklich unkaputtbar ist das Alter Ego dann doch nicht: Verpatzt man einen gemeinen Geschicklichkeitstest, nachdem der lose Kopf des Dämonenjägers im Verdauungstrakt einer Bestie gelandet ist, heißt es auch für Jahrmarkts-Attraktion Bryce "Game Over!". Gleiches gilt, wenn die durchaus sterbliche Begleiterin Arcadia das Zeitliche segnet.
Schade, dass Rebellion aus der skurrilen Idee und launigen Manga-Inszenierung nicht mehr gemacht hat: Denn auf Dauer ist "NeverDead" ein nervtötendes Scharmützel mit extrem gewöhnungsbedürftiger Nahkampf-Steuerung.
Nur selten blitzt so etwas Spielwitz auf - etwa wenn Bryce seinen Arm samt Waffe in ein Gemenge von Dämonen wirft und weiterballert, sich selbst in Brand steckt und sich ins Getümmel wirft oder sich in die Luft jagt, um anschließend durch einen engen Lüftungsschacht zu kullern. Gegen die monotone und chaotische Action haben auch E-Gitarren-Riffs von Megadeth-Frontmann Dave Mustaine, käufliche Special-Moves und eine grafisch durchaus ansehnliche Umgebung, die sich nahezu völlig demolieren lässt, keine Chance. Allein der derbe Humor, das völlig absurde Szenario und die darin auftauchenden skurrilen Gestalten machen die Dämonenjagd für volljährige Xbox-360- und PS3-Spieler interessant.
Wertung
| Grafik | gut |
| Sound | gut |
| Steuerung | befriedigend |
| Spielspaß | ausreichend |
| Gesamt | befriedigend |
Datenblatt
| Titel | NeverDead |
| Genre | Action |
| Alter | ab 18 Jahren |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene |
| Plattform | PlayStation3, Xbox 360 (getestet) |
| System | |
| Mehrspieler | 2-8 (WWW) |
| Entwickler | Rebellion |
| Anbieter | Konami |
| Preis | ca. 60 Euro |
| EAN | 4012927054260 |
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