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09.02.2013, 08:27 Uhr

Spiel der Woche: "Dead Space 3"

Dauerfeuer und Splatter statt nervenzerfetzendem Horror: Visceral Games und EA ziehen das Tempo ihres einstigen Sci-Fi-Grusicals an, fügen ein überflüssiges Koop-Feature hinzu und verschrecken die Serien-Fans durch plumpe Ingame-Käufe. Aus "Dead Space" wird bei Teil drei "Action Space".

VonRobert Bannert

Vom Horror- zum Action-Helden: Isaac Clarke soll einmal mehr die untoten Nekromorph-Bestien besiegen. Am besten für immer. Darum verschlägt es ihn in Teil drei von EAs virtueller Schauermär "Dead Space" auf einen vereisten Himmelskörper im hintersten Winkel des bekannten Universums. Grund der Odyssee: Angeblich verbirgt sich auf dem arktischen Planeten eine Patentwaffe, um die verhängnisvollen "Marker"-Artefakte und ihre monströse Brut ein für allemal von der Sternenkarte zu tilgen. Ganz nebenbei kämpft der einstige Ingenieur um das Herz seiner Freundin: Die vorteilhaft gebaute Space-Amazone, die sich der Monster-Schlächter im Vorgänger angelacht hat, ist fremd gegangen und jetzt das Liebchen eines kraftstrotzenden Space-Soldaten. Weil beide (Soldat und Ex-Freundin) im selben Team wie Isaac spielen, sind Spannungen vorprogrammiert.

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Weit weniger spannend ist dagegen das Spiel selbst: Anders als seine Vorgänger setzt Teil drei nicht mehr auf bedächtig-dämonisches Gruseltempo und geschickt platzierte Schockmomente. Vielmehr wird nun aus allen Rohren gefeuert. Dass "Dead Space 3" den Sprung vom Space-Grusical zum blutigen Sci-Fi-Shooter nicht so souverän schafft wie es im Kino "Alien" und "Aliens" vorgemacht haben, ist vor allem seiner Inkonsequenz geschuldet: Zwar hat man Gegneranzahl und Spieltempo deutlich nach oben geschraubt, doch Frontmann Isaac stakst so träge durch die Levels wie eh und je. Das will einfach nicht passen.

Tatsächlich scheint es so, als hätten Visceral Games und EA das gesteigerte Tempo nicht mehr ihrer Erzählung, sondern in erster Linie zwei neuen Spielelementen gebeugt: Zum einen wurde das alte Werkbank-System nicht nur unnötig verkompliziert, sondern vor allem auf Ingame-Käufe gebürstet. Will heißen: Wer für echtes Geld Ressourcen und Bauteile kauft, der hat gegen die nimmermüden Mutantenwellen schon früh im Spiel einen spürbaren Vorteil.

Hinzukommt das fragwürdige "Buddy-Feature": Bekommt man es in den dunklen Gängen, Raumschiffwracks oder auf der sturmgepeitschten Oberfläche des Eisplaneten mit der Angst zu tun, darf man - dem neuen Koop-Modus sei Dank - mit einem wackeren Weltraum-Söldner namens John Carver Händchen halten. Allerdings stürmen dann noch mehr mutierte Untote aus ihren finsteren, stinkenden Löchern. Obendrein ist dann jeder Rest von Schaueratmosphäre dahin: Wo man Rücken an Rücken in den abgetrennten Gliedmaßen zerschnetzelter Feinde steht, ist für Gruselstimmung kein Platz mehr.

Apropos Gliedmaßen: Die chirurgische Präzision, mit der man früher den Feinden die entstellten Extremitäten ablasern durfte, wurde ebenfalls wegrationalisiert. Die meisten Waffen verfügen inzwischen über eine Sekundärfunktion, die auf genau den Schulter-Button gelegt wurde, mit dem man bisher das Sägeinstrument in die Horizontale oder Vertikale ausgerichtet hat, um bei den Monster-OPs auch richtig herum anzusetzen.

Geblieben ist dagegen das Spiel mit physikalischen Faktoren wie Schwerkraft, Masse und Zeit: Isaacs Multifunktions-Anzug "RIG" bietet nicht nur physischen Schutz, er funktioniert auch im luftleeren und schwerelosen Raum. Hier lässt er seinen Träger entweder mithilfe von Düsen herumschwirren oder durch das Hinzuschalten von Magnetschuhen wieder Fuß fassen. Außerdem simuliert das praktische Kleidungsstück telekinetische Fähigkeiten: Genügend Saft vorausgesetzt, erzeugt es Energiefelder, die Feinde und Level-Interieur in Starre versetzen oder durch die Luft stemmen. Letzteres ist vor allem dann wichtig, wenn mal wieder die Munition ausgeht: Ein spitzer Stahlträger, der mit hoher Beschleunigung auf den Gegner zurast, ist ähnlich effektiv wie ein großkalibiriges Geschoss. Aber auch kleinere Rätsel wollen auf diese Weise immer wieder gelöst werden.

Obwohl das neue "Dead Space" fast alle liebgewonnenen Spielmechanismen seiner Vorgänger bietet, fühlt es sich dramatisch anders an: Das überdeutlich gesteigerte Tempo und die empfindlich reduzierte Horror-Stimmung erschaffen ein neues Umfeld. Ein Umfeld, in dem Fans der Vorgänger leider ebenso wenig glücklich werden wie ausgesprochene Action- und Koop-Spieler, an die sich Teil drei offensichtlich richtet: Denn die ursprünglich für ein Gruselspiel geschaffene Game-Logik und Steuerung will einfach nicht so recht zu einem Shooter passen.

"Dead Space" ist eben kein "Lost Planet" - auch wenn es sich wegen des eisigen Szenarios und haushoher Monster mit leuchtenden Schwachpunkten zeitweise ein wenig so anfühlen mag. Ähnlich unglücklich geraten ist die spannungsarme Geschichte, die kein noch so abgegriffenes Action-Film-Klischee auslässt und auch beim Beziehungsdreieck zwischen Held, Ex-Freundin und deren neuem Lover tüchtig daneben langt. Was bleibt, ist die noch eindrucksvolle und cineastische Präsentation, die den Spieler aber leider viel zu oft kalt lässt, weil die opulente Optik von zu wenig Emotion gestützt wird. Schade.

Wertung

Grafik sehr gut
Sound sehr gut
Steuerung gut
Spielspaß befriedigend
Gesamt befriedigend

Datenblatt

Titel Dead Space 3
Genre Action
Alter ab 18 Jahren
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene und Profis
Plattform PC, PlayStation3 (getestet), Xbox 360 (getestet)
System
Mehrspieler 1-2
Entwickler Visceral Games
Anbieter EA
Preis ca. 60 Euro
EAN 5030932110077

© teleschau - der mediendienst GmbH

Alle News vom: 9. Februar 2013 Zur Übersicht: Games

2 Meinungen zu "Splatter statt spannender Horror"

  • BrawlKirby
    Donnerstag, 14.02.2013, 11:14 Uhr
    GMX Spieletester labern auch nur Müll Dead Space 3 ist geil. Die Grafik passt, der Spielspass ist vorhanden, die Gegner abwechslungsreich. Die Story war von vornherein nicht wirklich packend von daher ist das "Ende" noch gut gelungen. Ausserdem LOL komplizierte Schmiedebank. Wenn man zu blöd ist sollte man es einfach sein lassen. Nur weil das diesmal nicht auf einem Raumschiff ohne Lampen spielt und Coop hat ist es noch lange kein schlechtes Spiel.
  • TopperHarley85
    Mittwoch, 13.02.2013, 10:31 Uhr
    Der erste Teil hat sich damals getraut anders zu sein, dieser Teil passt sich der Masse an. Ich werde ihn mir nicht holen.
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