Angespielt: "Uncharted: Golden Abyss"
Klettern, Deckung, Zielen
Gleich vorneweg, am eigentlichen Spielprinzip der Uncharted-Reihe ändert sich nichts. Der Fokus liegt auch in Golden Abyss weiter auf knackigen Action-Sequenzen und schwindelerregenden Klettereinlagen. Diese Formel wird von den typischen Filmsequenzen unterbrochen, in welchen die Geschichte über Spanier, mittelamerikanische Ureinwohner und eine mystische goldene Stadt weiter erzählt wird.
Wer bereits einen Uncharted-Teil auf der großen Konsole gespielt hat, wird sich mit der Steuerung auf dem kleinen Bruder schnell zurecht finden. Dank zweier Analogsticks an der Vita lassen sich Drake und die Kamera punktgenau steuern, auch in den hektischen Feuergefechten oder bei kniffligen Sprüngen. Optional können die neuen Features der Vita eingesetzt werden. So lassen sich ganze Kletterpassagen per Touchpad durchsteigen oder Feinde durch ein Schwenken der Konsole ins Visier nehmen.
An manchen Stellen muss die neue Steuerung aber auch explizit in Anspruch genommen werden. So bewahrt ein Wischen über den Bildschirm, bei halsbrecherischen Sprüngen über weite Abgründe, Drake vor einem Absturz. Auf schmalen Balken und Graten muss durch Neigen der Konsole balanciert werden. Zum Glück halten sich solche Abschnitte in Grenzen.
Highlight Rätsel und Schätze
Golden Abyss erschlägt den Spieler geradezu mit kleinen Gimmicks, die man im Laufe des Spiels finden kann. Dabei lösen sich die Entwickler des Studios Bend vom Konzept ihrer Kollegen von Naughty Dog. Neben den bislang bekannten blinkenden Schätzen, müssen dieses Mal auch Fotos geschossen und Mysterien entschlüsselt werden. Vor allem über die mehrteiligen Mysterien, verschiedene Teile der Lösung sind über das ganze Spiel verteilt, wird noch mehr Hintergrund zu Geschichte und Charakteren transportiert.
Ein wahres Highlight sind die Rätseleinlagen, die auch die Funktionen der Vita ausreizen ohne dabei aufgesetzt zu wirken. So muss Drake per Kohlestift und Papier beispielsweise alte Reliefs durchpausen, was galant per Touch-Display gelöst wird, oder mehrere zerrissene Papierfetzten durch Drehen und richtiges Platzieren wieder zusammenfügen. Besonders ein Rätsel, bei dem unsichtbare Tinte durch eine helle Lichtquelle an der Kamera der Vita sichtbar gemacht werden muss, begeistert. Leider kommt dieses Feature nur einmal im Spiel vor, was aber auch verständlich ist. Schließlich muss das Rätsel gelöst werden, was bei einer Zugfahrt in der Nacht, ohne helle Beleuchtung, einer Sackgasse im Spiel gleichkommt.
Ebenfalls neu sind Gegenstände, wie Tarot-Karten, Münzen oder Edelsteine, die von Gegnern erbeutet werden können und in einem virtuellen Schwarzmarkt getauscht werden dürfen. Dabei macht sich die Vita die sogenannte "Near"-Funktion zunutze. Spieler können ihr Profil dabei für andere freigeben. Auf einer Karte werden dann potenzielle Tauschwillige für noch fehlende Gegenstände eingeblendet. So kann man die eigene Kollektion mit Hilfe von Freunden und Unbekannten noch vervollständigen.
Story und Charaktere
Neben den neuen Steuerungsmöglichkeiten bietet Golden Abyss auch im Bereich Geschichte das typische Uncharted-Erlebnis, eine Mischung aus Indiana Jones, Mystery und Witz. Angesiedelt vor dem ersten Teil "Drakes Schicksal" müssen Spieler aber auf einige bekannte Hauptcharaktere verzichten. Neben Drake und einem kurzen Gastauftritt seines Mentors Sully stehen vor allem Nate’s Kumpel Jason Dante und der neue Love-Interest Marisa Chase im Mittelpunkt.
Es gilt den rituellen Mord an einer spanischen Conquistador-Armee vor 400 Jahren aufzuklären und das Geheimnis um einen verschollenen Schatz der Ureinwohner zu lüften. Allerdings möchte auch Revolutionsgeneral Roberto Guerro eine Scheibe des alten Reichtums abhaben, was zu diversen Entführungen, Gefangennahmen und halsbrecherischen Fluchtversuchen der Protagonisten führt.
Die Geschichte kann weitgehend überzeugen, aber es fehlt der Feinschliff. Vor allem vermisst man aber den großen Aha-Effekt, den Spieler bei Teil zwei und drei auf der PS3 erleben konnten, eine Parallele zum ersten Uncharted. Auch hier überzeugten zunächst die Grafik und das Gameplay, während die Story zwar unterhaltend, aber ohne wirklichen Kniff auskam. Es bleibt den Entwicklern von Bend zu wünschen, dass sie diese kleine Scharte in einem sonst sehr gut gelungenen Spiel in einem Nachfolger für die PS Vita ausmerzen können.
Fazit
"Uncharted: Golden Abyss" ist mehr als nur eine aufgemotzte Technik-Demo für Sonys neue Handheld-Konsole und ebenfalls kein aufgewärmter Abklatsch der bekannten PS3-Reihe. Stattdessen liefert das Game-Studio Bend einen eigenständigen Beitrag zur beliebten Serie und nutzt dabei die Vorteile der PlayStation Vita, ohne dabei Fans der PS3-Ausgabe zu vergraulen.
Fast alle neuen Steuerungsmöglichkeiten werden nur als optionale Lösung angeboten, ein gelungener Mittelweg. Vor allem bei den Rätseleinlagen glänzen die neuen Features der Vita: Man bekommt einfach nicht genug von Kohlezeichnungen und Schnipsel-Puzzeln, die das Uncharted-Spielprinzip um neue Facetten erweitern.
Auch die Geschichte mit rund zehn Stunden Spielzeit kann überzeugen, obwohl man auf der großen Konsole inzwischen deutlich mehr gewohnt ist. Die Inszenierung ist dafür fast fehlerlos. Es ist erstaunlich, welches Kino-Feeling die Entwickler auf das kleine Vita-Display zaubern können. Die Kameraführung in bestimmten Kletterpassagen und in den Cut-Scenes versetzt den Spieler immer wieder in den Mittelpunkt der Handlung. So etwas hat man auf einer mobilen Konsole bislang noch nicht gesehen, auch wenn man grafisch im Vergleich zum großen Bruder Abstriche machen muss.
Fans von Uncharted wird auch Golden Abyss gefallen und für alle Besitzer einer PS Vita ist das Spiel ein Muss. Wer sehen will, zu was die neue Sony-Hardware in der Lage ist, welche Möglichkeiten für die Spiele-Zukunft noch in der Konsole schlummern, kommt an "Uncharted: Golden Abyss" einfach nicht vorbei.
"Uncharted: Golden Abyss" ist am 22. Februar für die PlayStation Vita erschienen. Der Preis für das Spiel liegt bei rund 50 Euro. Wer auf den physischen Datenträger verzichten kann, bekommt im PlaySation Store eine verbilligte Download-Variante.
(mom)
8 Meinungen zu ""Uncharted" auf der PS Vita"
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meinemeinung357
Freitag, 24.02.2012, 08:26 Uhr Na ja. da kann unsere Jugend ja wieder viel lernen. -
LordOida
Donnerstag, 23.02.2012, 16:23 Uhr @M3talc0re ist mir schon klar von leistungsausbeutung. siehe XBox Halo 1 und Halo 2. gewaltiger unterschied. Aber ne schrott Grafikkarte in eine Konsole einbauen die nächstes jahr oder erst in 2 kommt, die heute schon veraltet ist. ich find das witzlos. vorallem weil die dann auch wieder 400€ kostet wenn die rauskommt. -
M3talc0re
Donnerstag, 23.02.2012, 13:45 Uhr Vielleicht hol ich mir das Ding wenns den ersten oder zweiten Preisrutsch gibt =) @LordOida: Dafür werden die Grafikkarten in den Konsolen bei der Programmierung auch optimal ausgenutzt. Bei PC Spielen muss man ja dafür sorgen, dass die möglichst auf allen möglichen Variationen von Bauteilen funktionieren. Bei Kosnolen hat man eine festgelegte Spezifikation die in jeder Konsole gleich ist und so kann man das besser ausnutzen. -
LordOida
Donnerstag, 23.02.2012, 11:45 Uhr Wenn die nächste Konsolen-Generation genauso underpowered wie die letzte wird, ist der Marktbereich im Keller. Allein schon der Bericht, dass in der neuen XBox eine Art AMD Radeaon 6670 verbaut werden soll, ist lächerlich. eine veraltete Grafikkarte im mittleren Leistungsbereich für eine Konsole, DIE auf Grafik ja auch setzen SOLLTE. Da bin ich froh, dass ich mir vor 2 Jahren ein PC gekauft hab, wo noch alles auf Max-Details flüssig läuft. Geforce GTX590, nettes Teil :) Spätestens ab DirectX12 muss eine neue Grafikkarte mal wieder her^^ Ich persönlich bin kein Fan von Handhelds oder Smartphones. Will gemütlich daheim hocken, auf meinen Großen Bildschirm (24" oder der 51" :D) mit meiner Teufel 5.1 Anlage Die Welt/Galaxie retten, Kriege entscheiden, rasante Rennen fahren oder mal eben schnell ein Wirtschaftsimperium aufbauen XD -
Nihilistix
Donnerstag, 23.02.2012, 11:34 Uhr Die Vita ist technisch mal der absolute Kracher - auch für den Preis. Ob die Konsole allerdings Bestand neben den Smartphones und Tablets hat wage ich zu bezweifeln. -
Talora
Donnerstag, 23.02.2012, 11:21 Uhr Unqualifizierter geht es nicht. Schau dir die Technik und Hardware an, die sich im Inneren verbirgt und vergleiche die Vita darauf mit den Preisen aktueller Smartphones. Fällt etwas auf? Die Vita ist ziemlich günstig angesetzt und jede verkaufte Konsole wird zunächst für rote Zahlen sorgen.
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