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12.07.2012, 16:42 Uhr

Checkpoint Charlie zwischen Gedenken und Kommerz

Berlin (dpa) - Der Currywurst-Stand am Checkpoint Charlie ist ein alter Trabi. Auf einem bunt bemalten Mauerstück wenige Meter weiter prangt der Schriftzug "Happy Dog". Daneben bietet ein Händler Gasmasken an. Berlins bekanntester früherer Grenzkontrollpunkt an der Friedrichstraße gehört zu den Problemfällen der Hauptstadt.

Gedenken und Kommerz - über den richtigen Umgang mit dem geschichtsträchtigen Ort wird seit Jahren gestritten. Nun soll sich etwas ändern. Ein riesiges Mauer-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi wird nach bisheriger Planung ab dem 22. September auf einem brachliegenden Grundstück an die Teilung Berlins erinnern. Derzeit wühlen sich Bagger in den Boden. Die Rotunde könnte zwei Jahre stehen bleiben, sagt Rainer Klemke von der Senatsverwaltung für Kultur. "Das ist ein seriöses Angebot."

Auf der anderen Seite der Friedrichstraße soll in einem Pavillon ebenfalls ab Mitte September über den Kalten Krieg aufgeklärt werden. Die Black Box steht dort seit Januar auf einem ebenfalls leeren Areal. Der Kubus blieb bislang geschlossen, weil erst jetzt die Gelder für die Einrichtung freigegeben wurden.

Am Checkpoint standen sich nach dem Mauerbau 1961 sowjetische und amerikanische Panzer drohend gegenüber. Die Konfrontation der Siegermächte löste international Schlagzeilen aus, die Bilder gingen um die Welt. An dem Sektorenübergang für Diplomaten und Alliierte spielten sich im geteilten Berlin auch dramatische Fluchtszenen ab.

"Es ist hier alles ein bisschen putzig", sagt die 68-jährige Martha Lange aus den Niederlanden verwundert. Die gebürtige Deutsche besucht erstmals das wiedervereinte Berlin. Ihr Mann sagt, er habe erwartet, am Checkpoint die Mauer zu sehen. Den Streifen im Straßenpflaster, der den Verlauf des einstigen Bollwerks nachzeichnet, habe er erst gar nicht gesehen. In der Euphorie nach dem Mauerfall wurde der monströse Betonwall samt Wachtürmen, Signalanlagen und anderen Sicherheitseinrichtungen schnell abgerissen, geschreddert oder verkauft. Das Nachdenken kam erst später.

Die Situation am Checkpoint ist seit Jahren verfahren. Es gibt hier das private Mauermuseum von Alexandra Hildebrandt, ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Trotz des hohen Eintrittspreises von 12,50 Euro ist das Haus bestens besucht - Historiker sehen die Sammlung und Präsentation aber kritisch. Eher anheimelnd als sachlich, ist zu hören.

Der frühere rot-rote Senat hatte als Gegengewicht ein Museum des Kalten Krieges am Checkpoint geplant. An der Friedrichstraße wurde eine Open-Air-Bildergalerie mit Informationen zu Mauer und Teilung aufgebaut. Die erfolgreiche Ausstellung habe bislang mehr als dreieinhalb Millionen Besucher interessiert, sagt Klemke. Doch jetzt wurde ein Teil davon auf das Areal rund um die Black Box verlagert. "Wir wollen keine Hintergrunddekoration für die Imbissbuden sein", sagt der Experte.

Ein privater Pächter hatte eine Reihe dieser Buden aufstellen lassen. Was manchen Touristen eher freute, löste auch Empörung aus. Von weiterer Verschandelung des historischen Ortes war die Rede. Doch die Buden sind schon wieder dicht - es soll wohl Vertragsprobleme gegeben haben.

Die verlassenen Buden machen sich auf Flächen breit, die unter Zwangsverwaltung stehen. Berlin hatte in den 90er Jahren mehrere Filetgrundstücke an der Friedrichstraße/Ecke Zimmerstraße verkauft. Die hochfliegenden Pläne für ein Business-Center gingen aber nicht auf. Geblieben sind Brachen. Hier errichtet nun auch Asisi seine temporäre Mauer-Rotunde.

Ein irischer Investor will die freien Flächen erwerben und darauf bauen. Die Steuerschulden des Vorbesitzers habe er schon bezahlt, sagt Klemke. Gegenüber, wo derzeit die Black Box steht, soll das Museum des Kalten Krieges die internationalen Aspekte der Teilung beleuchten. Die Ausstellung soll in ein Gebäude des irischen Investors integriert werden, der auch dieses Areal erschließen will. 2015/2016 könnte die Ausstellung fertig werden, so Klemke.

Doch neuer Ärger liegt in der Luft. Die CDU, die jetzt wieder mitregiert, will anders als ihr Koalitionspartner SPD hier kein neues Museum. Sie favorisiert auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof ein Museum der Freiheit. Die Berliner CDU will für den Checkpoint erstmal einen neuen Ideenwettbewerb.

Alle News vom: 12. Juli 2012 Zur Übersicht: Reise

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