Bye-bye Olympia: Danke London, es war uns ein Vergnügen
Noch vor einem Jahr war Olympia in Großbritannien so gut wie kein Thema und die Londoner interessierten sich überhaupt nicht für das Sommer-Event des Jahres 2012. 365 Tage später überraschten uns die Briten mit einem neuen Bild ihres angeblich so kühlen Naturells: Fröhlich, verrückt, sportbegeistert, siegesbewusst, stolz, gastfreundlich und trotz allem: "very british". London war auch ein heftiger Kontrast zu den "Korsettspielen" von Peking 2008. Die Spiele wirkten wie eine Befreiung nach der oft sehr künstlichen Inszenierung von vor vier Jahren. Die Zuschauer, Teams und Athleten feierten ausgelassen und zeigten wahre Emotionen. Gerade sie machten die Olympischen Spiele in London so einzigartig.
Wir litten mit, als die südkoreanische Degenfechterin Shin A Lam auf der Planche saß und literweise Tränen vergoß. Sie verlor auf tragische Weise das Halbfinale gegen Bitta Heidemann. Die Deutsche lag in der Wertung zurück und hatte in der letzten Hundertstelsekunde den Siegtreffer erzielt. Südkorea lag Protest gegen die Entscheidung ein. Über eine Stunde saß Shin A Lam nun auf der Planche, einsam und allein. Erst als nach einer Stunde fest stand, dass sie den Kampf nun offiziell verloren hatte, warf sie das Handtuch weg und verließ in Tränen aufgewühlt die Halle.
Wir staunten über die Wunderkinder aus dem Schwimmbecken. Sei es die Chinesin Ye Shiwen, die zum Teil schneller schwamm als die US-Stars Michael Phelps oder Ryan Lochte. Oder die erst 15-jährige Litauerin Ruta Meilutyte, die über 100 Meter Brust überraschend Gold holte. Sie kamen, sahen und siegten. Nicht nur diese Erfolge der Wunderkinder hinterlassen jedoch einen faden Beigeschmack.
Wir trauerten mit deutschen Athleten über ihre zum Teil bitteren Niederlagen. Sei es nun Britta Steffen über die 100 Meter Freistil, Nadine Kleinert im Kugelstoßen oder Ariane Friedrich im Hochsprung, die alle im Vorkampf scheiterten. Unvergessen auch Stabhochspringerin Silke Spiegelburgs Weinkrampf über ihren vierten Platz. "Wieder Vierte, warum immer Vierte?!" Umso mehr freuten wir uns über die deutschen Medaillen: Die goldenen Reiter, der Ruder-Achter, die Beach-Jungs Julius Brink und Jonas Reckermann, die Hockey-Herren, die Stabhochspringer Björn Otto und Raphael Holzdeppe, die Tischtennis-Herren und viele mehr.
Wir lachten über die Posen von Usain Bolt, Johann Blake oder Mo Farrah. Londons tolpatschiger Bürgermeister Boris Johnson begeisterte uns, als er mit seiner x-ten Panne uns zum Lachen brachte. Johnson blieb bei einer Drahtseilfahrt stecken und baumelte über dem Londoner Victorian Park. Die PR-Aktion wurde zum Volltreffer: Ein zappelnder Bürgermeister, der sich für Nichts zu Schade war. Gerade diese Lockerheit und der Spaß waren es, die uns für die Spiele von London begeisterten.
Wir verneigten uns vor den großen Olympioniken, die sich von der internationalen Bühne verabschiedeten. Schwimm-Ikone Michael Phelps sagte nach 22 mal Edelmetall "Goodbye". Doch nicht nur wegen seiner Medaillen - er sammelte mehr als jeder andere Athlet in der olympischen Geschichte - wird er uns in Erinnerung bleiben. In London zeigte er sich menschlicher und vor allem erstmals schlagbar. So sammelte der Überschwimmer mehr Sympathien als je zuvor und trotzdem noch viermal Gold und zweimal Silber. Auch die deutsche "Turn-Oma" Oksana Chusovitina sagte nach 24 Jahren "Tschüss". Die gebürtige Usbekin belegte beim Abschluss ihrer langen internationalen Karriere in ihrer Paradedisziplin Sprung einen respektablen fünften Rang. 17 Medaillen hatte sie bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften gewonnen - 14 davon am Sprung.
Uns stockte der Atem, als dem deutschen Gewichtheber Matthias Steiner die 196-Kilo-Hantel auf das Genick krachte. Nur einem Wunder war es zu verdanken, dass der Olympiasieger von Peking mit lediglich ein paar Prellungen davon kam.
Wir ärgerten uns über die "Pannenspiele" von London, bei der die deutsche Mannschaft oft im Mittelpunkt stand. Der Computerfehler beim Bronze-Wurf von Betty Heidler oder die vermeintliche Disqualifikation von Siebenkämpferin Lilly Schwarzkopf beim abschließenden 800-Meter-Lauf. Dies waren nur zwei von vielen strittigen Entscheidungen der Kampfrichter, die den ein oder anderen Athleten das Edelmetall kosteten.
Wir freuten uns mit den Briten über ihren Medaillenregen. Angefangen vom "Super Saturday" am 4. August als Team GB binnen einer Stunde drei Goldmedaillen in der Leichtathletik gewann. Ob Greg Rutherford im Weitsprung, Jessica Ennis im Siebenkampf oder Mo Farah, der im 10.000-Meter-Lauf Gold holte. Spätestens als Beatles-Ikone Paul McCartney im Rad-Velodrom beim Sieg der Verfolgerinnen das "Union Jack"-Fähnchen schwenkte wurden unsere Herzen endgültig erobert.
Die britische Hauptstadt zeigte uns wie weltoffen, liberal und multikulturell sie ist. Daran, dass die Briten in der Lage sind, perfekte Spiele zu organisieren, bestand schon im Vorfeld eigentlich kein Zweifel. Dass Olympia aber so perfekt und emotional mitreißend sein würde, hatten auch die größten Optimisten wohl nicht erwartet. Alles begann mit einer großartigen Eröffnungsfeier, bei der sich selbst die Queen nicht zu schade war, als Bond-Girl mitzumachen. Emotionale Spiele und hilfsbereite Briten begleiteten uns bis zu der spektakulären Abschlussfeier, bei der selbst die VIPs auf der Ehrentribüne zu "Wannabe" von den Spice Girls die Hüften schwangen. Für die Briten waren die dritten olympischen Spiele (nach 1908 und 1948) zwei Wochen voller Glück, in der sich die Nation selbst feierte.
Passend zur Abschlussfeier hatte auch IOC-Präsident Jacques Rogge den Spielen von London ein hervorragendes Abschlusszeugnis ausgestellt. "Es waren unvergessliche Spiele. Ich werde nie das Lachen der Organisatoren vergessen. London hat die olympische Bewegung erfrischt“, sagte der Belgier. Auf jeden Fall haben die Briten den Maßstab für Brasilien in vier Jahren weit hochgelegt. Ob uns die Spiele in Rio genauso viel Freude machen werden wie die in London, bleibt abzuwarten. Nach 17 Tagen Schweiß, Tränen und Glück sagen wir nun: "Thank you London and God save the Queen".
18 Meinungen zu "Ein Stück London im Herzen"
-
nick25
Dienstag, 14.08.2012, 15:40 Uhr foot... klar hetzen viele deutsche nicht nur gegen grossbritannien. allerdings ist harsche kritik gegenüber russland polen china und besonders griechenland berechtigt. speziell die griechen haben sich die euro-mitgliedschaft schlicht und einfach mit betrügerischen mitteln ergaunert. und erwarten jetzt dass sie von den anderen eu-staaten und speziell deutschland immer wieder neu gerettet werden. völlig krank. jedes eu-land muss sich selbst eigenständig finanzieren. punkt. Also wenn so eine Aussage von dir kommt, dann lebst du entweder nicht dort, noch nicht lange dort oder du ignorierst die dortigen Medien. Denn ansonsten haettest du nicht nur den einen Blickpunkt auf die ganzen Angelegenheiten, sondern mehrere...so wie man es dort vor Ort auch hat. -
footballer2009
Dienstag, 14.08.2012, 14:10 Uhr @nick25 klar hetzen viele deutsche nicht nur gegen grossbritannien. allerdings ist harsche kritik gegenüber russland polen china und besonders griechenland berechtigt. speziell die griechen haben sich die euro-mitgliedschaft schlicht und einfach mit betrügerischen mitteln ergaunert. und erwarten jetzt dass sie von den anderen eu-staaten und speziell deutschland immer wieder neu gerettet werden. völlig krank. jedes eu-land muss sich selbst eigenständig finanzieren. punkt. stimme dir völlig zu was die kritikfähigkeit des deutschen angeht. deutsche darf man niemals kritisieren oder man ist für ewig untendurch. hier greift dann rückgrat und charakter. deshalb tue ich es trotzdem vehement. und ich bin wirklich ganz locker :) aber eben nicht offen für jede deutsche dummheit. du weisst ja: wer den a... offen hat kann nicht ganz dicht sein haha :) -
nick25
Dienstag, 14.08.2012, 11:03 Uhr @footballer2009 Entschludige bitte, dass ich dir auf diesem Wege antworte, aber deine PN-Option wurde nicht aktiviert. Gehetze gegen Grossbritanien? Ist dieses dein alleiniges Problem? Schau' dir doch mal das Gehetze gegen Russland, Polen, China oder gar erst Griechenland an. Das alles incl. dem Gehetze und Vorurteilsaufbau gegen die jeweilige Bevoelkerung. Ich glaube, da kommt Grossbritanien noch recht gut weg, oder? Wenn auch dieses schon bereits zu viel ist. So ist eben der Deutsche, aber wehe man sagt es ihm...dann ist aber was los. Denn wie kann man nur? Das ist doch alleiniges deutsches Vorrecht sich so benehmen zu duerfen. Also, immer ganz locker... :-) -
nick25
Dienstag, 14.08.2012, 10:08 Uhr @footballer2009 Ich war haeufig genug in UK und ich mag es dort. Dass man in Deutschland gern verallgemeinert und auf andere herabschaut...Was soll denn daran neu sein? Aber uebertreibst du es nicht etwas ein UK-Fan zu sein? -
footballer2009
Dienstag, 14.08.2012, 09:45 Uhr PRÜDE HUMORLOS UND BETRUNKEN. SCH... INSELAFFEN EBEN. so die landläufigen vorurteile gegenüber briten in deutschland. achja schmutzig ist gb auch. das wetter ... das essen ... und fussball .... elfer schiessen .... briten sind völlig sch... und können gar nichts!! wie endlos dumm viele deutsche waren und sind. also: prüde waren briten NOCH NIE !! schaut mal die vielen verklemmten gehemmten deutschen an!! humorlos? briten haben den besten humor der welt!! betrunken? nicht mehr als andere und wenn sind es halt (wenige) primitivlinge die sich überall auf der welt betrunken daneben benehmen. schmutzig? das sagen ausgerechnet diejenigen die im sommer in die schmutzigsten südlichen länder dieser erde reisen wo es vor kakerlaken nur so wimmelt!! haha ... schaut mal vor eurer eigenen haustür leute. da findet sich genug schmutz. das wetter ist mindestens genauso gut wie in deutschland, oftmals sogar viel besser. hatte mehrfach picknicks in londoner parks bei brütender hitze. wie oft regnet es in deutschland wenn gleichzeitig auf der insel die sonne scheint. in gb kann man besser und vielseitiger essen als in deutschland. schaut euch mal die vielen britischen spitzenköche im britischen tv an die es seit langer langer zeit gibt. achja habt ihr nie gesehen!! und britische hausfrauen kochen wunderbare vielfältige gerichte!! fussball? die premier league ist unbestritten die beste liga der welt!! top-ligen 2-5 wo attraktiver klasse-fussball gespielt wird. alles selbst erlebt. elfer-schiessen?? wie gewann chelsea 2012 gegen bayern münchen?? an die eigene nase fassen mit diesem latenten italien-trauma gell .... britannien hat die beste geschichte der welt - den besten clubfussball der welt - den besten humor der welt - die emotionalsten freundlichsten aufgeschlossensten menschen der welt zu bieten!! und vieles vieles einzigartige mehr ... und das ist alles völlig sch...?? das sind also inselaffen?? viele primitive deutsche affen sollten sich in grund und boden schämen ob ihres völlig ungerechtfertigten dummen hasses gegenüber england und gb - sich mal selbst hinterfragen was sie bisher in ihrem eigenen leben geleistet haben!! NICHTS !!! mal nach london reisen. sollte jeder in seinem leben mindestens einmal getan haben!! und schon ist das bild völlig anders und die miesen charakterlosen deutschen vorurteile verschwunden!! bevor jetzt wieder die kleinen primitiven zecken aus ihren löchern kriechen und die hier angewendete kleinschreibweise als rechtschreibfehler brandmarken wollen. die kleinschreibweise ist volle stylische absicht und dieser artikel stammt von einer person die weltweit als held und genie bezeichnet wird. noch fragen?? klappe halten und setzen. volle 6 als zensur für alle primitiven vorurteils-deutschen!!! und zuletzt: gibts eigentlich eine deutsche riviera?? nein aber eine britische. googelt das mal. schon mal an der englischen südküste gewesen? der beste sauberste sandstrand der welt und aller zeiten mit viel sonne ... siehe weymouth bournemouth torquay etc etc. gibts ein deutsches puppenhaus? nein aber es gibt cornwall!! mal urlaub machen dort. oh nein als deutscher primitivling bevölkert man lieber die dullenstrände auf "malle". gut so. nur intelligente menschen machen urlaub in grossbritannien. bleibt besser weg. britannien ist in vielem führend und einzigartig - so einzigartig wie deutschland es niemals war und sein wird!!!! ENDE. -
soseies
Dienstag, 14.08.2012, 08:54 Uhr Eingerahmt von einer geilen Eröffnungsfeier und einer schönen Abschlussfeier (aber viel zu spät, hat aber wohl was mit Mitternacht zu tun) waren es super Wettkämpfe. Und sehr angenehm, wenn es nur 1 Stunde Zeitverschiebung gibt. Über viele deutsche Athleten, die noch nicht einmal annähernd ihre eigenen Bestleistungen gezeigt hatten schlag ich jetzt einfach mal ein Ei. Und hört doch auf mit dem Doping, gabs schon immer und wirds immer geben, dafür kannst doch nicht den Leistungssport verdammen. Nur weil es im Straßenverkehr ein paar Besoffene gibt, kannst du doch das Autofahren nicht verbieten. -
Elefantendompteur
Dienstag, 14.08.2012, 08:40 Uhr @goodness S.1 Immer diese Vergleiche: Brasilien wird sich anstrengen müssen! Wieso? Gibt es auch olympische Medaillen für die Menge des Geldes, das ausgegeben wird? Ich war in Brasilien und wurde binnen Stunden angesteckt von der überschäumenden Lebensfreude dieser Menschen, die einem das Gefühl geben "das Leben ist schön, laßt uns Samba tanzen" und das alles, obwohl sie bitterarm sind. Dazu sind wir nicht fähig, denn uns geht ja so fürchterlich schlecht. Die Mentalität der Brasilieros und der Samba: das genügt schon für gigantische olympische Spiele. Aber das ist nur meine unmaßgebliche Meinung.
- Beachvolleyball
- Medaillenspiegel
- Usain Bolt
- Leichtathletik
- Olympia Zeitplan
- Olympia Live-Ticker
zu Olympia




































