Zur mobilen Ansicht wechseln

15.07.2012, 16:30 Uhr

US-Politiker schäumen - Uniformen "made in China"

Washington (dpa) - Der Streit um die in China genähten Olympia-Outfits für amerikanische Athleten zieht immer weitere Kreise. Per Gesetz wollen US-Politiker verhindern, dass das amerikanische Olympiateam bei der Eröffnungsfeier in London ausgerechnet Uniformen "made in China" trägt.

Seit vor wenigen Tagen bekanntwurde, dass die vom US-Designer Ralph Lauren entworfenen blauen Blazer und weißen Hosen auf chinesischem Boden zusammengenäht wurden, will sich die Empörung nicht legen. Mag sonst der US-Wahlkampf mit hässlichen gegenseitigen Attacken toben: dieser "unpatriotische Akt" lässt Republikaner und Demokraten gemeinsam schäumen.

Eine Gruppe von Senatoren der Partei von Präsident Barack Obama reichte im Kongress einen Gesetzentwurf ein, der das nationale Olympische Komitee (USOC) zwingen soll, sein Team in Uniformen "made in USA" aufmarschieren zu lassen. Der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, und der Chef der Demokraten im Senat, Harry Reid, verdammten die Uniformen unisono und spachen von einem "beschämenden" Vorgang. Reid empfahl gar, man solle "alle Outfits nehmen, sie auf einen großen Haufen werfen und verbrennen und noch einmal ganz von vorn anfangen".

Ein amerikanisches Label, Hockey Freeman, wittert laut "Washington Post" eine Chance und bietet an, neue Outfits auf US-Boden herzustellen - in Rekordtempo, rechtzeitig für die Eröffnungsfeier. Damit würden dann wohl auch die französisch inspirierten Baskenmützen verschwinden, die Ralph Lauren den olympischen Athleten aufsetzen will und die nach Medienberichten vielen US-Bürgern zu "unamerikanisch" sind.

Aber das USOC hält unerschütterlich an Ralph Lauren fest. All das Gerede über in China hergestellte Uniformen sei Unsinn, zitierte die "Washington Post" aus einem Tweet von Sprecher Patrick Sandusky. Polo Ralph Lauren sei ein amerikanisches Unternehmen, das amerikanische Athleten unterstütze. Der Sprecher verwies weiter darauf, dass das amerikanische Olympiateam privat finanziert werde. Man sei dankbar für die Unterstützung durch Sponsoren und stolz auf die Zusammenarbeit mit Ralph Lauren.

Der Modehersteller selbst reagierte prompt und gelobte Besserung. So kurz vor Beginn der Spiele soll die Kleidung zwar nicht verbrannt werden, aber bei den Winterspielen 2014 will Ralph Lauren es besser machen. Dann soll die Sportlerkleidung nicht nur in den USA entworfen, sondern dort auch hergestellt werden, zitierte unter anderem die "Washington Post" das Unternehmen.

Der Deutsche Olympische Sportbund findet nichts Falsches an der Haltung des USOC. "Wir arbeiten mit deutschen Unternehmen zusammen, die wie praktisch alle Textilunternehmen weltweit produzieren", hieß es in einer E-Mail von DOSB-Sprecher Christian Klaue. "Das ist in einer globalen Wirtschaft gang und gäbe. Schon deshalb erheben wir keine Forderung für die ausschließliche Produktion in Deutschland. Auch im Sport befinden wir uns in einem globalen Wettbewerb, weshalb wir in der Produktion der Kleidung im Ausland kein Problem sehen."

Die betroffenen Olympia-Sportler sehen die Sache anscheinend ähnlich gelassen. "Wir leben in einer globalen Welt", sagte US-Beachvolleyballer Todd Rogers der Onlineausgabe von "USA Today". Es gebe Wichtigeres als die Frage, wo Ralph Lauren seine Klamotten herstellen lasse. Nach Angaben des TV-Senders CNN haben auch schon andere Länder ihre Olympia-Outfits in China fertigen lassen, unter anderem Kanada und Australien.

Und wie es aussieht, ist "made in USA" insgesamt im amerikanischen Alltagsleben zur Rarität geworden. 98 Prozent der in den USA verkauften Kleidungsstücke würden in Übersee produziert, zitiert die "Washington Post" den Bekleidungs-Dachverband American Apparel and Footwear Association.

Die Kritiker in den USA halten unter anderem dagegen, dass der US-Wirtschaft mit der Verlagerung der Olympia-Outfit-Produktion nach China insgesamt ein Milliardengeschäft entgehe. Kleidungsstücke und Zubehör sind auch im Handel erhältlich und kosten zwischen 55 Dollar (45 Euro) und 795 Dollar - je nachdem, ob es sich um Baskenmützen oder Blazer handelt.

Leichtathleten

Sportliche Höchstleistungen bei Olympia finden Sie in unserem Special. >

Im Weißen Haus drückt man sich unterdessen vorsichtig-diplomatisch aus. Ein Sprecher sagte, dass der Herstellungsort der Olympia-Outfits kein Thema der Regierung sei. Doch US-Präsident Barack Obama glaube an "die hohe Qualität amerikanischer Produkte" - das beinhalte auch in den USA hergestellte Kleidung.

Alle News vom: 15. Juli 2012 Zur Übersicht: Olympia

84 Meinungen zu "Uniformen made in China"

  • tourjap
    Sonntag, 15.07.2012, 17:48 Uhr
    Immer wieder Mythos, das in China gefertigte Sachen billiger sind und in Deutschland gefertigte angeblich das 5fache kosten- darf mal daran erinnern, das Nokia nach Rumänien gegangen ist weil dort die Kosten pro Handy 1 Cent (ja richtig 1 Cent) geringer wären und seit wann sind denn die in China gefertigten iPhones ein Schnäppchen?- zum Thema- erst alles privatisieren und Olympia vonn privaten Sponsoren bezahlen lassen und sich dann die Medaillen ans patriotische Banner heften - am Besten so ehrlich sein wie bei der Wok-WM- die Mannschaften heißen wie die Sponsoren und fertig
  • asrm62
    Sonntag, 15.07.2012, 16:48 Uhr
    Dumm - dümmer - unglaublich bescheuert - extremst blöd - Ami Diese Typen, die sich jetzt aufregen, sollten mal bei ihren Banken nachfragen, von welchem Geld sie bezahlt werden! Dank der Bush-Administration sind die sind schon sein x-Jahren nicht mehr eigenständig lebensfähig und werden durch chinesische Billionen künstlich am Leben gehalten. Der Amiländische Nazismus ist nicht nur nicht eträglich, sondern von den Amis selbst auch einfach nur unendlich blöd! Es gibt nichts, worauf sie stolz sein können! Auch hier wird von der Politik nur wieder den Pöbel ein bißchen Schlafsand in die Augen gestreut - damit der gehirnamputierte Normaltexaner mit 10-Liter Auto und zwei Schießeisen im Halfter wieder mal rumprollen kann.
  • Saxet
    Sonntag, 15.07.2012, 15:59 Uhr
    Wenn ich mich hier bei mir umsehe, mein Elektronikkram ist alles aus China und funktioniert sehr gut. Und er ist kostengünstig. Made in Germany würde geschätzt das 5fache kosten.
  • Peter188
    Sonntag, 15.07.2012, 15:55 Uhr
    Feix, das ist echte Globalisierung , made in USA. Früher waren die Amis noch was heute haben sie nur noch ein unbezahlbares Militär. Ihr Erfolg im IRAK ist es das die Bush Lobby sich sanieren konnte, das Land im Chaos ist und es praktisch Christenfrei ist. In Afghanistan kommt es gleich.
  • tiefenresonanz
    Sonntag, 15.07.2012, 13:46 Uhr
    naja warum soll man auch viel mehr bezahlen für etwas was unterm strich die selbe qualität hat^^
  • 132leorobi
    Sonntag, 15.07.2012, 12:01 Uhr
    angebot und nachfrage und dann noch scheinheillig?

Neues aus der Welt

Ankunft

Deutsche Olympioniken legen mit "Traumschiff" in der Hafencity an. >

Fans in Rio

Rio de Janeiro übernimmt den Olympia-Stab von London. >

Kreuz-Heimfahrt

Deutsche Teilnehmer schippern auf der MS Deutschland Richtung Heimat. >


Internet Made in GermanyIhr GMX-Postfach ist grünGMX unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: US-Politiker schäumen - Uniformen "made in China". Der Streit um die in China genähten Olympia-Outfits für amerikanische Athleten zieht immer weitere Kreise.