Gauck geht in die Offensive: "Keine Schau abziehen"
Anfang nächster Woche trifft der selbst keiner Partei angehörende Gauck in Berlin mit den Spitzen von CDU, FDP, SPD und Grünen zusammen. Auch eine Begegnung mit der Linken war im Gespräch. Schon am Freitagabend und am Samstag standen öffentliche Auftritte in Fürth (Bayern) und in Nordrhein-Westfalen auf dem Programm.
In Berlin geht der 72-Jährige am Montagmorgen als erstes in die Bundesvorstandssitzung der CDU. Anschließend wird er im SPD-Vorstand erwartet. CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich zunächst gegen Gauck als Nachfolger für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff ausgesprochen. Der kleine Koalitionspartner FDP unterstützte dann aber den Favoriten von SPD und Grünen, was Merkel zum Einlenken bewegte. In der Bundesversammlung am 18. März, die das Staatsoberhaupt wählt, hätte die Union keinen eigenen Kandidaten durchbringen können.
Am Dienstag wird Gauck dann in den Fraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen erwartet. Auch die Linke will mit dem früheren Chef der Stasi-Unterlagenbehörde ins Gespräch kommen. Sie war als einzige im Bundestag vertretene Partei von Merkel nicht in die Kandidatensuche einbezogen worden. "Wir werden Herrn Gauck selbstverständlich einladen", sagte Parteichef Klaus Ernst der "Leipziger Volkszeitung". "Dann werden auch die Punkte zur Sprache kommen, an denen wir unterschiedlicher Auffassung sind, zum Beispiel seine Pro-Banken-Haltung in der Finanzkrise."
Gaucks Sprecher Andreas Schulze sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Dann finden wir für die Linke zeitnah einen Termin." In einer Spitzenrunde hatte die Linke am Donnerstag entschieden, einen eigenen Kandidatenvorschlag zu machen. Die Entscheidung fällt voraussichtlich am Montag. Im Gespräch sind die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld, der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge und die Bundestagsabgeordnete Luc Jochimsen. Beate Klarsfeld würde eine Nominierung annehmen. "Wenn mich die Linke am Montag zu ihrer Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten vorschlägt, nehme ich das an", schrieb sie am Freitag in einer an die Nachrichtenagentur dpa geschickten Erklärung. Sie betonte darin "die Moral der Person", die gerade bei dieser Wahl im Vordergrund stehe. Die Linke stellt etwa 10 Prozent der Wahlleute in der Bundesversammlung.
Nach einer öffentlichen Lesung am Freitagabend in Fürth bei Nürnberg wollte Gauck an diesem Samstag zu einer Tagung der CDU Nordrhein-Westfalen reisen. "Es wird bei den Gesprächen um die Frage gehen, wie man dem Amt wieder Würde und Ansehen zurückgeben kann", sagte NRW-CDU-Generalsekretär Oliver Wittke der Nachrichtenagentur dpa. Bei einer Tagung im niederrheinischen Marienthal will er sich dem größten CDU-Landesverband präsentieren.
Gauck wird nach Ansicht des Kieler FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki als Bundespräsident den Politikbetrieb in Deutschland verändern. "Es entsteht ein neues Kraftzentrum", sagte er "Focus Online". "Ich bin sicher, ein Bundespräsident Gauck wird Deutschland gut tun. Er wird der Demokratie gut tun, denn die öffentliche Dominanz von Angela Merkel wird abnehmen."
Gauck selbst hat noch vor seiner Nominierung die Ansicht geäußert, der Bundespräsident sollte "keine Schau abziehen". In einem jetzt veröffentlichten Interview des ARD-Kulturmagazins "ttt - titel, thesen, temperamente" sagte Gauck: "Bei der "Institution Bundespräsident", wo kaum Macht existiert, erwarten wir Glaubwürdigkeit. Wie erlangt man sie? Man sollte bei sich sein. Man sollte keine Show abziehen. Und man darf zeigen, dass man die Werte, auf denen unsere Gesellschaft, unser Land beruht, ernst nimmt."
320 Meinungen zu "Gauck geht in die Offensive"
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warteschleife
Freitag, 16.03.2012, 17:35 Uhr Gauck ist mir so etwas von suspekt und für mich nicht wählbar-den Ostdeutschen wird vorgehalten,sie seien schon "von Haus aus" gegen Gauck.Fakt ist dass er bei einem Interview der Ostsee-Zeitung--"die Unabhängige im Norden" geäußert hat,dass "die 2,3 Figuren im Osten!!",die gegen ihn seien,nicht ins Gewicht fallen.Das ist an Arroganz nicht zu überbieten und zeigt,dass er sich von den Menschen in seiner "alten Heimat" schon längst abgewandt hat und in seiner Machtbessenheit und Selbstverliebtheit sein Umfeld gar nicht mehr wahrnimmt. -
mittel
Mittwoch, 07.03.2012, 15:36 Uhr Wer ein gutes Staatsoberhaupt werden will, muss sich allen (gewählten) Parteien und Gruppierungen stellen, sonst ist er von Anfang an unglaubwürdig! -
KHP
Mittwoch, 07.03.2012, 14:49 Uhr An die von "Bild Dir deine Meinung" Veröffentlicht doch mal Klaus Huhn, "Der Inquisitor kandidiert" . Dann seit Ihr(Red. der Bild) Demokraten und wenn Ihr dem dummen Volk dann noch erklären könnt wiso da der Präsident der Herzen kommt, verdient Ihr nen Nobelpreis. -
Oemelis2009
Mittwoch, 07.03.2012, 12:04 Uhr Ehe man sich für Gauck entscheidet, sollte man sich die Broschüre von Klaus Huhn, "Der Inquisitor kandidiert" gut durchlesen, denn wer sich allein einschließen lässt um seine Stasi-Akte durchzustöbern dem ist nicht zu trauen. Außerdem kenne ich keinen Fall, wo Ausreisewillige in den Westen gingen und danach wieder zu Besuch einreisen konnten wie es bei seinen Söhnen der Fall war. Das läßt doch vermuten, dass seine Kontakte zum MfS größer waren als viele angenommen haben. -
Icke666
Montag, 05.03.2012, 16:04 Uhr Hier noch zwei sehr lesenswerte Artikel zu Gauck. 1. Ehemaliger Weggefährte über Gauck. "Das Etikett Bürgerrechtler hat er zu Unrecht“ Hier der ganze Artikel: http://www.tagesspiegel.de/politik/ehemaliger-weggefaehrte-ueber-gauck-das-etikett-buergerrechtler-hat-er-zu-unrecht/6261414.html 2. Kritik an Joachim Gauck unerwünscht. „Aus dem Zusammenhang gerissen“: ein gerissenes Argument: Wie man die Kritik an den Aussagen des Herrn Gauck weg zuargumentieren versucht und warum dieser Versuch den Gauck-Verteidigern permanent auf die eigenen Füße fällt. Ein Kommentar zur Debatte von Holdger Platta Hier der ganze Artikel: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/kritik-an-joachim-gauck-unerwuenscht-904531.php -
sydney007
Montag, 05.03.2012, 12:03 Uhr Herr Gauk wird nicht Bundespräsident aller Deutschen. Den es gibt sehr viele (auch ich) die von Ihm absolut nichts halten. Er ist nicht der richtige Mann für das Amt des Bundesp. Herr Lammmert währe die bessere Wahl gewessen Oder Frau von der Leyen.
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