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20.12.2012, 09:59 Uhr

Hoffnung auf Reformen

Nach den schrecklichen Ereignissen in Newtown, Connecticut, scheint in den USA die Zeit zum Umdenken gekommen. Zum ersten Mal seit Jahren werden die laxen Waffengesetze mit der nötigen Ernsthaftigkeit diskutiert. Phil Jonas, der sich seit Jahren für eine Reform einsetzt, erklärt die Besonderheit von Newtown und sagt, welche Gesetzesänderungen dringend nötig wären.

Von GMX Redakteurin Sabrina Kammerer

Frage: Schon nach den vergangenen Amokläufen haben viele Menschen gehofft, dass in den USA strengere Waffengesetze eingeführt werden. Damals ist jedoch nichts passiert. Weshalb glauben Sie, dass sich jetzt, nach Newtown, daran etwas ändern wird?

Phil Jonas*: Es ist richtig, dass die Menschen, die sich schon seit längerem für eine Änderung der Waffengesetze stark machen, sich vor allem nach der Schießerei in Tucson - dort wurde eine Kongressabgeordnete verletzt – eine Reform erhofft haben. Doch dieses Mal fühlt es sich anders an. Der Aufschrei in der Bevölkerung, die Leidenschaft der beteiligten Menschen, ist überwältigend. Schon jetzt haben viele Mitglieder des US-Senats und des Abgeordnetenhauses eine andere Haltung eingenommen.

Liegt das vielleicht auch daran, dass im Fall von Newtown Kinder verletzt und getötet wurden?

Phil Jonas: Kinder wurden schon immer durch Waffengewalt verletzt. In den USA werden durchschnittlich acht Kinder und Teenager am Tag durch Waffengebrauch verletzt. Acht Kinder, jeden Tag, jedes Jahr! Das Grauen von Newtown und die Tatsache, dass es an einem sehr privilegierten und heiteren Ort geschehen ist, zerreißt den Menschen jedoch das Herz. Auf die Frage, die Präsident Barack Obama gestellt hat "Tun wir genug, um die Sicherheit unserer Kinder zu gewährleisten?" gibt es nur eine Antwort: "Nein, wir tun nicht genug!"

Ein Lieblingsargument der Waffenlobby besteht in der Behauptung, bewaffnete Lehrer hätten eine solche Tragödie verhindern können. Wie reagieren Sie auf eine solche Aussage?

Phil Jonas: Das ist lächerlich. Wenn man sich das tatsächliche Szenario einmal vorstellt, dann hätte es schon ein SWAT-Team (Spezialeinheit des FBI, Anm. d. Red.) gebraucht, um den Amokläufer zu stoppen. Analog dazu muss man sich nur unsere Soldaten anschauen. Diese gehen perfekt ausgestattet in den Krieg und das geht bei weitem auch nicht immer gut aus. Wir wissen, dass mehr Waffen nicht gleich mehr Sicherheit bedeutet. Es gibt keine Beweise, die eine solche Aussage stützen würden.

Dennoch ist das Recht eines Amerikaners eine Waffe zu tragen im 2. Artikel der Verfassung sehr deutlich festgeschrieben. Wie kann man das Waffengesetz ändern, ohne die Verfassung anzugreifen?

Phil Jonas: Hier muss man im Englischen eine Unterscheidung machen. Der Begriff, der im zweiten Artikel verwendet wird ist "arms" (bezeichnet Waffen, die zur Aufrüstung verwendet werden, Anm. d. Red.) nicht "guns" (z.B. Handfeuerwaffen, Anm. d. Red.). Schon ein flüchtiger Blick auf den 2. Artikel zeigt also deutlich, dass es sich um ein eingeschränktes Recht handelt. Wir erlauben keine F-14 (Kampfflugzeuge, Anm. d. Red.) in den Auffahrten von Leuten. Das sind "arms". Es wäre für den Kongress also tatsächlich ein Leichtes, ein Gesetz zu verabschieden, das beispielsweise "Bushmasters" (Sturmgewehr, Anm. d. Red.) in den Händen von Zivilisten verbietet. Und es gibt kein Gericht, das ein solches Gesetz kippen würde.

Welche konkreten Maßnahmen fordern Sie?

Phil Jonas: Am besten wäre eine umfassende Herangehensweise. Dabei muss man bedenken, dass man das weitverbreitete Problem von Waffengewalt in diesem Land nicht allein dadurch lösen kann, dass man sich den Waffenbesitzrechten widmet. Das ist einer der ersten Schritte und auch der wichtigste, aber es ist nicht der einzige. Wir müssen zuerst sicherstellen, dass alle Waffenkäufer Background-Checks unterworfen sind. Die Person, die eine Waffe kaufen möchte, muss zuerst ihre persönliche Geschichte offen legen, um von im Vorfeld Straftäter, Drogenabhängige etc. auszuschließen. Dann müssen unbedingt die Möglichkeiten zum Weiterverkauf und Käufe durch Strohmänner getoppt werden. Wichtig ist auch ein Verbot von Sturmgewehren. Im Idealfall müssten alle Menschen, die ein Sturmgewehr besitzen, dieses wieder abgeben. Das ist den USA momentan jedoch nicht durchsetzbar. Aber zumindest könnte man verhindern, dass neue Sturmgewehre in Umlauf kommen. Außerdem ist es absurd, dass sich Menschen mit 100-Schuss-Magazinen eindecken können. Das muss dringend eingeschränkt werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir diese vier Punkte durchbringen.

Die Waffengesetzgebung in den den USA ist von Staat zu Staat verschieden. Ist es überhaupt möglich eine Regelung zu finden, die allen Staaten entspricht?

Phil Jonas: Das ist tatsächlich sehr schwierig. Unser ganzheitliches Waffenproblem kann man nur durch bundesstaatliche Gesetzgebung lösen. Dennoch ist die Erfahrung der unterschiedlichen Staaten sehr aufschlussreich. Kalifornien beispielsweise hat im Vergleich zu Florida strenge Waffengesetze. Dort ist die Rate der Verbrechen, die mit Waffengewalt verübt werden, sehr viel geringer als in Florida. Es ist sehr wichtig, dass die Amerikaner verstehen, dass strengere Waffengesetze tatsächlich einen positiven Effekt haben.

*Phil Jonas ist Vorstandsmitglied der Vereinigung "New Yorkers Against Gun Violence" und außerdem Geschäftsführer der New Yorker Ortsverbands des "Brady Centers zur Verhinderung von Waffengewalt".

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