Hoffnung auf Reformen
Frage: Schon nach den vergangenen Amokläufen haben viele Menschen gehofft, dass in den USA strengere Waffengesetze eingeführt werden. Damals ist jedoch nichts passiert. Weshalb glauben Sie, dass sich jetzt, nach Newtown, daran etwas ändern wird?
Phil Jonas*: Es ist richtig, dass die Menschen, die sich schon seit längerem für eine Änderung der Waffengesetze stark machen, sich vor allem nach der Schießerei in Tucson - dort wurde eine Kongressabgeordnete verletzt – eine Reform erhofft haben. Doch dieses Mal fühlt es sich anders an. Der Aufschrei in der Bevölkerung, die Leidenschaft der beteiligten Menschen, ist überwältigend. Schon jetzt haben viele Mitglieder des US-Senats und des Abgeordnetenhauses eine andere Haltung eingenommen.
Liegt das vielleicht auch daran, dass im Fall von Newtown Kinder verletzt und getötet wurden?
Phil Jonas: Kinder wurden schon immer durch Waffengewalt verletzt. In den USA werden durchschnittlich acht Kinder und Teenager am Tag durch Waffengebrauch verletzt. Acht Kinder, jeden Tag, jedes Jahr! Das Grauen von Newtown und die Tatsache, dass es an einem sehr privilegierten und heiteren Ort geschehen ist, zerreißt den Menschen jedoch das Herz. Auf die Frage, die Präsident Barack Obama gestellt hat "Tun wir genug, um die Sicherheit unserer Kinder zu gewährleisten?" gibt es nur eine Antwort: "Nein, wir tun nicht genug!"
Ein Lieblingsargument der Waffenlobby besteht in der Behauptung, bewaffnete Lehrer hätten eine solche Tragödie verhindern können. Wie reagieren Sie auf eine solche Aussage?
Phil Jonas: Das ist lächerlich. Wenn man sich das tatsächliche Szenario einmal vorstellt, dann hätte es schon ein SWAT-Team (Spezialeinheit des FBI, Anm. d. Red.) gebraucht, um den Amokläufer zu stoppen. Analog dazu muss man sich nur unsere Soldaten anschauen. Diese gehen perfekt ausgestattet in den Krieg und das geht bei weitem auch nicht immer gut aus. Wir wissen, dass mehr Waffen nicht gleich mehr Sicherheit bedeutet. Es gibt keine Beweise, die eine solche Aussage stützen würden.
Dennoch ist das Recht eines Amerikaners eine Waffe zu tragen im 2. Artikel der Verfassung sehr deutlich festgeschrieben. Wie kann man das Waffengesetz ändern, ohne die Verfassung anzugreifen?
Phil Jonas: Hier muss man im Englischen eine Unterscheidung machen. Der Begriff, der im zweiten Artikel verwendet wird ist "arms" (bezeichnet Waffen, die zur Aufrüstung verwendet werden, Anm. d. Red.) nicht "guns" (z.B. Handfeuerwaffen, Anm. d. Red.). Schon ein flüchtiger Blick auf den 2. Artikel zeigt also deutlich, dass es sich um ein eingeschränktes Recht handelt. Wir erlauben keine F-14 (Kampfflugzeuge, Anm. d. Red.) in den Auffahrten von Leuten. Das sind "arms". Es wäre für den Kongress also tatsächlich ein Leichtes, ein Gesetz zu verabschieden, das beispielsweise "Bushmasters" (Sturmgewehr, Anm. d. Red.) in den Händen von Zivilisten verbietet. Und es gibt kein Gericht, das ein solches Gesetz kippen würde.
Welche konkreten Maßnahmen fordern Sie?
Phil Jonas: Am besten wäre eine umfassende Herangehensweise. Dabei muss man bedenken, dass man das weitverbreitete Problem von Waffengewalt in diesem Land nicht allein dadurch lösen kann, dass man sich den Waffenbesitzrechten widmet. Das ist einer der ersten Schritte und auch der wichtigste, aber es ist nicht der einzige. Wir müssen zuerst sicherstellen, dass alle Waffenkäufer Background-Checks unterworfen sind. Die Person, die eine Waffe kaufen möchte, muss zuerst ihre persönliche Geschichte offen legen, um von im Vorfeld Straftäter, Drogenabhängige etc. auszuschließen. Dann müssen unbedingt die Möglichkeiten zum Weiterverkauf und Käufe durch Strohmänner getoppt werden. Wichtig ist auch ein Verbot von Sturmgewehren. Im Idealfall müssten alle Menschen, die ein Sturmgewehr besitzen, dieses wieder abgeben. Das ist den USA momentan jedoch nicht durchsetzbar. Aber zumindest könnte man verhindern, dass neue Sturmgewehre in Umlauf kommen. Außerdem ist es absurd, dass sich Menschen mit 100-Schuss-Magazinen eindecken können. Das muss dringend eingeschränkt werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir diese vier Punkte durchbringen.
Die Waffengesetzgebung in den den USA ist von Staat zu Staat verschieden. Ist es überhaupt möglich eine Regelung zu finden, die allen Staaten entspricht?
Phil Jonas: Das ist tatsächlich sehr schwierig. Unser ganzheitliches Waffenproblem kann man nur durch bundesstaatliche Gesetzgebung lösen. Dennoch ist die Erfahrung der unterschiedlichen Staaten sehr aufschlussreich. Kalifornien beispielsweise hat im Vergleich zu Florida strenge Waffengesetze. Dort ist die Rate der Verbrechen, die mit Waffengewalt verübt werden, sehr viel geringer als in Florida. Es ist sehr wichtig, dass die Amerikaner verstehen, dass strengere Waffengesetze tatsächlich einen positiven Effekt haben.
*Phil Jonas ist Vorstandsmitglied der Vereinigung "New Yorkers Against Gun Violence" und außerdem Geschäftsführer der New Yorker Ortsverbands des "Brady Centers zur Verhinderung von Waffengewalt".
288 Meinungen zu ""Das zerreißt allen das Herz""
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kurtlesen
Samstag, 02.02.2013, 16:32 Uhr ...stellt wiederholt fest: gegen wenn will der US-Amerikaner sein Heim verteidigen? gegen die Kanadier? gegen die Mexikaner? gegen Kubaner, die von Kuba nach Key West schwimmen könnten? gegen die Ureinwohner des Landes? vielleicht sogar gegen die German-Krauts, die ja durch den Atlantik schwimmen und ein Dorf in Nord-Dakota überfallen könnten....bitte, gegen wenn??? Es ist doch eher das Misstrauen in die eigene Amerikanische Gesellschaft, die eigenen Bürger, Nachbarn..... jeder verdächtig jeden des Raubes, des Morder, des Diebstahls.... da gegen will man sich verteidigen können. Was dort keiner begreift, gefährlich sind die ewig Gestrigen, die christlichen Fanatiker, die im Kopf immer noch Sklaven halten und die Ureinwohner bekämpfen wollen, die Drogen konsumierenden, die Drogen handelnden, also wieder die eigenen Mitbürger, in Teilen sicherlich sogar willkürliche handelnde Sheriffs und Polizisten. Es zeigt, wie elend die Mentalität dieses Landes ist. Ich bin froh Europäer zu sein. MfG "Dr.errata-causa-guttenbergensis" Kurt Lesen -
Jagerloisl
Freitag, 18.01.2013, 12:48 Uhr So ein totalitärer Traumtänzer. Wer glaubt, die Welt mit Verboten verbessern zu können, der ist doch von vorgestern. Außerdem, wenn alle so geschockt wären wie dieser Herr sich das zurechtphantasiert, dann würde der Waffenverkauf kaum so boomen. Dann den Menschen ihr rechtmäßig erworbenes Eigentum wegnehmen zu wollen ist nichts als totalitär und unrechtmäßig und ohne angemessene Entschädigung einfach nur Diebstahl. Wer so denkt der soll in einen Bunker mit Gummizelle ziehen, da kann ihm nichts passieren. -
GypsyPrince
Mittwoch, 16.01.2013, 10:38 Uhr Nun es hat sich nichts geändert! Alle Kinder der Welt könnten erschossen werden, das würde die Amis trotzdem nicht dazu bringen ihre drecks Schusswaffen abzugeben... -
Yetisitter
Mittwoch, 16.01.2013, 09:18 Uhr Jeder mit Verstand weiß, dass es nicht sicherer ist, jedem eine Schusswaffe zu geben alls allen ihre wegzunehmen. Amis sehen das jedoch im Durchschnitt anders. Wenn man das Thema auf den Tisch bringt, flippen sogar scheinbar "normale" Amis völlig aus. Knarren verbieten oder einschränken geht gar nicht (meine persönliche Erfahrung). -
schroder
Samstag, 29.12.2012, 11:11 Uhr Wenn ich hier lese " Forscher wollen DNA des Newtown-Amokläufers analysieren", wird mir übel. Anstatt solchen Schwachsinn zu fabrizieren und zu bezahlen, sollten die Amis lieber über ihre Waffenpolitik nachdenken und sich nicht von der Waffenlobby manipulieren lassen. Anderen Völkern auf der Welt wird schnell mal beigebracht, wie diese sich nach demokratischen und humanistischen Werten zu verhalten haben - nur vor der eigenen Tür wird keine Ordnung gemacht. -
McLean
Samstag, 29.12.2012, 09:09 Uhr Wenn ich hier bei GMX lese das Genetiker am Baylor College of Medicin in Housten/Texas sich auf die Suche nach einem Massenmördergeh machen, oder die NRA ernsthaft fordert alle Lehrkräfte zu bewaffnen um künftige Amokläufe zu verkürzen, wünsche ich allen US Bürgern weniger zerrissene Herzen und mehr intakte Hirne.
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