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15.12.2012, 18:00 Uhr

Verschärfen die USA endlich ihr Waffenrecht?

Berlin (dpa/jfi) - Nur wenige Stunden nach dem Blutbad an der Grundschule in Newtown hatten sich die ersten Demonstranten vor dem Weißen Haus in Washington versammelt und verlangten ein strengeres Waffenrecht. Doch auch nach dem jüngsten Amoklauf ist fraglich, ob ihre Forderungen erfüllt werden.

"Wir können nicht zulassen, dass es so weitergeht", sagte die Teilnehmerin Linda Finkel-Talvadkar. Seit dem Amoklauf in Colorado protestiert sie jeden Montag vor dem Amtssitz des US-Präsidenten. Trotz immer wiederkehrender Amokläufe und ständiger Schießereien war eine Verschärfung des US-Waffenrechts bislang jedoch kaum zu erwarten.

"Es geschehen furchtbare Dinge. Wir versammeln uns, singen Lieder, zünden Kerzen an. Dann gehen alle wieder nach Hause", sagt die Vorschullehrerin Barbara Elsas. "Das ist nicht die Antwort." Der Amoklauf in Connecticut werde die Debatte anstoßen, sagte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. "Aber ich glaube nicht dass heute der Tag dafür ist." Die Demonstranten vor dem Weißen Haus wollen aber nicht mehr warten: Viele hielten Schilder mit der Aufschrift "Heute ist der Tag."

© Zoomin

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt - Statistiker gehen von rund 270 Millionen aus (Stand 2007). Mehr als 40 Prozent aller US-Haushalte besaßen einer repräsentativen Umfrage des Gallup-Instituts zufolge im vorigen Jahr eine Schusswaffe.

30.000 Tote in den USA jährlich durch Schusswaffen

Etwa 30.000 Menschen jährlich sterben in den USA wegen des Gebrauchs dieser Waffen - die Hälfte von ihnen begeht Selbstmord. Die Zahl der mit Pistolen verübten Morde liegt bei 10.000 bis 12.000 pro Jahr.

Dennoch sprachen sich bei einer Befragung 2010 nur 44 Prozent der US-Bürger dafür aus, die Waffengesetze zu verschärfen. 54 Prozent waren dafür, sie unangetastet zu lassen oder sogar abzumildern. Mehr als zwei Drittel sind gegen ein Gesetz, das den privaten Besitz von Feuerwaffen verbietet. Auch beim Ex- und Import von Klein- und Leichtwaffen lagen die USA nach Angaben des unabhängigen Genfer Forschungsprojekts Small Arms Survey 2009 weltweit an der Spitze.

Das Recht auf Waffen wurde vor mehr als 220 Jahren im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft: "Da eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden", heißt es dort.

Das US-Waffenrecht ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. Entwickelt hat sich ein Durcheinander von mehr als 20.000 nationalen, einzelstaatlichen und kommunalen Vorschriften. Jeder US-Präsident, der eine wirkliche Verschärfung des Waffenrechts angehen wollte, stünde vor einer Herkulesaufgabe. Wahrscheinlich würde er angesichts der Verfassungslage, der Mehrheiten im Kongress und der Radikal-Opposition der Republikaner scheitern. Doch wäre nicht alleine der Versuch die Chance für Barack Obama, doch noch als großer Präsident in die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika einzugehen?

Alle News vom: 15. Dezember 2012 Zur Übersicht: Nachrichten
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