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17.02.2013, 17:16 Uhr

Medien spekulieren über Eifersucht als Tatmotiv

in Kooperation mitSpiegel Online

Der erste Schuss soll Reeva Steenkamp im Schlafzimmer getroffen haben, die weiteren drei seien ins Badezimmer abgefeuert worden - südafrikanische Medien berichten Details, die den Mordverdacht gegen Oscar Pistorius begründen sollen. Eine Zeitung lieferte schon das angebliche Motiv: Eifersucht.

VonSimone Utler

Hamburg - Natürlich gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung, aber südafrikanischen Medien fällt es immer schwerer zu glauben, dass Oscar Pistorius seine Freundin aus Versehen erschossen haben soll. Sie bringen immer mehr Details über die Nacht, in der das Model Reeva Steenkamp getötet wurde. Und die lassen den Paralympics-Star zunehmend in schlechtem Licht dastehen.

Die offiziell von der Polizei bekanntgegebenen Fakten sind nach wie vor recht dünn: Demnach starb die 29-Jährige am frühen Donnerstagmorgen in Pistorius' Haus in einem Nobelvorort von Pretoria. Das Model wurde von vier Schüssen getroffen, abgegeben aus einer Pistole, die Pistorius gehört. Es gäbe keine Anzeichen für einen Einbruch oder ein Missverständnis, zitierte die südafrikanische Zeitung "Mail & Guardian" eine Polizeimitarbeiterin. Der Sportler wurde wegen Mordes angeklagt, sprach selbst aber von einer schrecklichen Tragödie.

Oscar Pistorius vor Gericht

Blutverschmierter Cricketschläger in Haus von Pistorius gefunden. >

Doch die Presseberichte lassen eine Verwechslung mit einem Einbrecher komplett unglaubwürdig erscheinen. Nach Informationen der südafrikanischen "City Press" soll sich Steenkamp schon ab dem frühen Abend im Haus von Pistorius befunden haben und gemeinsam mit ihm ins Bett gegangen sein. Im Schlafzimmer sei die Frau vom ersten Schuss getroffen worden, in die Hüfte. Anschließend sei sie ins Badezimmer geflohen. "Dann feuerte er drei weitere Schüsse ab", zitierte die Zeitung eine Polizeiquelle.

Pistorius habe die blutende Frau im Nachthemd die Treppen seines Hauses hinuntergetragen - und um 3.20 Uhr als ersten seinen Vater angerufen. Rettungskräfte fanden den Sportler und die Frau im Erdgeschoss. Der 29-Jährigen war nicht mehr zu helfen.

Nachbarn: Streit gehört, Stunden später Schüsse

Die ebenfalls in Südafrika erscheinende "Beeld" hatte am Samstag berichtet, Nachbarn hätten erst Streit gehört, dann mehrere Stunden später die Schüsse. Diese seien durch die Badezimmertür gegangen, Steenkamp habe auf der Toilette gesessen, als sie getroffen wurde.

Noch ist unklar, wie das zu einem weiteren Detail passen kann: Die "City Press" berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, im Haus des Paralympics-Stars sei ein blutverschmierter Cricketschläger gefunden worden. Und Steenkamp habe eine Schädelverletzung gehabt. Hat er die junge Frau zuerst geschlagen, dann auf sie geschossen?

Die "Beeld" lieferte auch gleich ein angebliches Motiv: Pistorius, der sich im November erstmals öffentlich mit dem drei Jahre älteren Model gezeigt hatte, soll eifersüchtig gewesen sein. Auf den 24-jährigen Sänger Mario Oglu, der zusammen mit Steenkamp an der TV-Show "Tropika Island of Treasure" teilgenommen hatte. "Pistorius war eifersüchtig und arrogant auf eine Art und Weise, die keine Logik hatte. Er wollte nicht, dass Reeva mit Mario in derselben Show mitmacht", zitierte "Beeld" Dominique Piek, eine Freundin und Kollegin von Steenkamp.

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O. J. Simpson und Co.: spektakuläre Mordprozesse mit Promis. >

Der britische "Mirror" brachte einen anderen Mann ins Gespräch. Dem Blatt zufolge untersuchen die Ermittler, ob die enge Freundschaft zwischen Steenkamp und dem südafrikanischen Rugby-Star Francois Hougaard zu einem Streit am Valentinstag geführt haben könnte. Die beiden seien seit langem befreundet und zwischenzeitlich auch liiert gewesen. Die Agentin des Sportlers wies eine Verbindung zur Tat jedoch zurück: "Dieser traurige Fall hat nichts mit ihm zu tun", sagte Lorinda Voges. Hougaard werde sich nicht dazu äußern.

Berichte über Drohung und Belästigung

Pistorius, dem in frühester Kindheit beide Beine amputiert worden waren, war viele Jahre lang ein Vorzeigesportler. Als erster amputierter Athlet nahm er sowohl an Paralympics als auch an Olympischen Spielen teil. In seiner Heimat wurde er wegen seiner sportlichen Erfolge als Held verehrt, war ein beliebter Werbeträger.

Doch wie sah es in ihm aus? Was kann über sein Temperament gesagt werden? Ist der Tod seiner Freundin das schreckliche Ende eines Streits?

Während Steenkamp dieser Tage als lebensfrohe, warmherzige und glückliche Frau geehrt wird, mehren sich Berichte, die an dem Image von Pistorius kratzen. Ex-Fußballer Mark Batchelor bezeichnete den als "Blade Runner" bekanntgewordenen Sportler laut "City Press" als aufbrausend und erzählte von einem Vorfall, als dieser einen vermeintlichen Nebenbuhler bedrohte.

Die ebenfalls in Südafrika erscheinende "Times Live" berichtete von einer jungen Frau, die in einem Brief an News24 schilderte, wie sie und eine Freundin im Jahr 2011 bei einem Konzert in Johannesburg von dem damals betrunkenen Sportstar belästigt und beleidigt worden sein sollen.

Agent sagt nächste Rennen ab

Auch von häuslicher Gewalt ist in mehreren Artikeln im Zusammenhang mit dem Sportler zu lesen - aber ohne weitere Belege. Tatsächlich hatten die Ermittler unmittelbar nach der Tat offiziell bestätigt, dass es vor dem Valentinstag bereits einen Zwischenfall im Hause Pistorius gegeben hatte. Was genau damit gemeint war, ist jedoch unklar.

Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp im November 2012

Voraufgezeichnetes TV-Interview von Pistorius-Freundin aufgetaucht. >

Seine Familie versuchte am Wochenende, ein anderes Bild von ihm zu zeichnen. "Oscar war privat so glücklich wie seit langem nicht mehr", erklärte sein Onkel Arnold Pistorius in einem Statement, das über die Agentur seines Neffen veröffentlicht wurde. "Sie hatten Pläne zusammen", hieß es in der Mitteilung über das Paar.

Der inhaftierte Sportler gilt als selbstmordgefährdet und steht dauerhaft unter Beobachtung. Am Freitag vor Gericht war er in Tränen ausgebrochen. In einer Erklärung hatte er durch die Familie und sein Management verbreiten lassen, dass er den Vorwurf des Mordes "aufs Schärfste zurückweise". Die Anwälte des Athleten baten um eine Vertagung ihres Antrags auf Freilassung gegen Kaution, um Zeit für eigene Ermittlungen über die Umstände der Tragödie zu gewinnen. Nun soll darüber am Dienstag entschieden werden.

Auch die sportliche Karriere liegt erst einmal auf Eis. Pistorius' Agent sagte die nächsten geplanten Rennen des "Blade Runners" ab. Insgesamt habe er sieben 400-Meter-Läufe und zwei Schauläufe abgesagt, so Van Zyl. "Ich kann nichts planen." Dies sei nach dem Tod von Pistorius' Freundin aber auch keine Priorität.

© SPIEGEL ONLINE

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129 Meinungen zu "Tatmotiv: Eifersucht?"

  • strathmann
    Sonntag, 24.02.2013, 12:54 Uhr
    Der "Fall Pistorius" wird hochgepusht, weil der Knabe mal guten Sport geliefert haben soll? Was macht diesen Fall berichtenswerter, als der Familienvater, der seine Kinder mit dem Hammer erschlagen haben soll, bevor er anfing, andere Autofahrer in seinen widerlichen Selbstmordplan einzubeziehen. Dieser "Fall" scheint mir überaus mehr der Rede wert als der des Sportyuppies in Liebesnöten.
  • Robocop55
    Freitag, 22.02.2013, 16:08 Uhr
    Ich behaupte Pistorius hat seine Freundin vorsätzlich getötet. Selbst wenn man in einer Gegend mit hoher Gewaltkriminalität lebt (war das nicht ein Wohnviertel reicher Weißer mit eigener Privatpolizei?), sollte man, wenn man mit einem Partner zusammen lebt, nicht einfach blindlings drauf los ballern und dann auch noch durch die geschlossene Toilettentür. Im Übrigen erinnert das Ganze an Bubi Scholz, der seine Frau ebenfalls durch die Toilettentür erschossen hat. Da war angeblich sein Gewehr beim Waffenreinigen losgegangen, so 3 bis 4 mal. Vermutlich hatte seine Frau gesagt "laß mal langsam 3 bis 4 Schuß kommen" (Ironie aus!).
  • Psychiaterin4U
    Freitag, 22.02.2013, 07:41 Uhr
    Wie schaut es eigentlich momentan so aus im Fall Pistorius? Habe gestern in den Internetmedien gelesen, dass ein Anwalt seines Amtes enthoben wurde wegen einer Mordgeschichte in eigener Angelegenheit...
  • Mauriac
    Donnerstag, 21.02.2013, 10:54 Uhr
    mich regt so etwas auf. Wenn die Dame dieses Sportlet wirklich geliebt hat, ok, aber manche Damen gehen auch wegen der "ständigen Kamerabeobachtungen" gerne mal mit solchen "Promis" zusammen, da erhält man Aufmerksamkeit. Fördert die Karriere. Aber muss man dann gleich mit einem "Behinderten" in die Kiste springen? Für mich persönlich käme das nicht in Frage, außer ich hätte einen gesunden Mann kennengelernt, der im Laufe der Jahre krank geworden wäre. Das ist etwas völlig anderes. Vielleicht hat sie diesbezüglich auch mal etwas verlauten lassen, was ihn zu dieser Tat hat hinreisen lassen. Wir waren alle nicht dabei und Fantasie wird immer angeregt, egal was man liest.
  • Mauriac
    Donnerstag, 21.02.2013, 10:35 Uhr
    da kommt ein Mensch zur Welt, der nicht ganz gesund ist. Da gibt es Forscher, die mit Ihrem Ergebnis helfen, dass so ein Mensch ein "normales" Leben führen kann, sogar als "Sportler sein Geld vedienen kann"also "alles lebenswerter", und dann schießt genau der selbe Mensch eine gesunde hübsche junge Frau über den Haufen. Vor allem, "er musste sich vorher noch die Prothesen anziehen" Das Arschloch hat es nicht verdient besonders behandelt zu werden. Der wurde bereits sein ganzes Leben besonders behandelt, hatte mehr Aufmerksamkeit als jeder andere. Das dem zu Heulen zumute ist, kann ich mir denken, denn sein Luxusleben ist erst mal dahin...
  • Mauriac
    Donnerstag, 21.02.2013, 10:20 Uhr
    er soll für das bestrat werden, das er getan hat. Nichts mit Promibonus. Andere werden für weniger verurteilt. Und ein Versehen???? Das kann glauben wer will. Mein Mann würde auch nicht schießen, wenn ich nachts im Bad wäre, der würde wohl einfach ins Bad kommen und fragen, ob es mir gut geht. Aber es ist traurig, dass ein Leben ausgelöscht und ein anderes verhunzt ist.
  • Kasperltheater
    Mittwoch, 20.02.2013, 14:31 Uhr
    Es gibt zuviele unterschiedliche Darstellungen. Wie kommen diese unterschiedlichen Aussagen an die Presse
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