Analyse: Fromm - Zerknirscht, reumütig, erklärungslos
Seine Behörde und er persönlich kümmerten sich über Jahre nicht um das untergetauchte Terrortrio. Wird der Verfassungsschutz wohl jemals wieder Vertrauen zurückgewinnen? "Das wird sehr schwer."
So präzise der scheidende Präsident teils über Abläufe in seinem Amt berichtet - der Tag des Heinz Fromm fünf Monate nach Beginn der Ausschussarbeit dürfte das Ansehen des Verfassungsschutzes kaum wieder herstellen. Bei entscheidenden Fragen klaffen weiter Aufklärungslücken.
An vielen Stellen übt sich der Zeuge in Selbst- und Behördenkritik. Borniert sei man beim Ausblenden der Gefahr rechtsterroristischer Strukturen gewesen. Der Präsident will nicht verteidigen, was nicht zu verteidigen ist.
"Das, was praktiziert worden ist, war rechtmäßig", sagt Fromm so trocken wie in seiner ganzen Aussage zur mangelhaften Kooperation der Behörden. "Rechtmäßig, aber nicht sinnvoll?", hakt Ausschusschef Sebastian Edathy (SPD) nach. Fromm: "Ja."
Keinen Aufschluss gibt es vor allem zur mysteriösen Vernichtung der Akten zu den acht V-Leuten des Verfassungsschutzes im Thüringer Heimatschutz, aus dem sich das Terror-Trio entwickelte.
Das Löschen könne so gelaufen sein, dass der verantwortliche Beamte es eben gemacht habe, wie verabredet - nach dem Motto: Akten, die nicht mehr gebraucht werden, werden gelöscht. Warum dann ausgerechnet die Löschung kurz nach Auffliegen des Trios? "Ich hab keine überzeugende Erklärung", sagt Fromm. Es hätte nicht passieren dürfen.
Der ehemalige, für das Schreddern verantwortliche Referatsleiter hat zuvor in geheimer Sitzung einen verheerenden Einblick in den Umgang der Behörde mir ihrem wichtigsten Gut gegeben: den Akten. Es gleiche einer Lotterie, ob Akten zur Erkenntnis-Beschaffung gelöscht oder aufbewahrt würden, sagt Unions-Obmann Clemens Binninger. Grünen-Obmann Wolfgang Wieland meint, die Aktenführung sei völlig freihändig gewesen. Löschungsvermerk? Fehlanzeige.
Warum trat Fromm den Rückzug in den vorzeitigen Ruhestand an? Es stecke kein Geheimnis dahinter. "Ich kann ihnen versichern, dass es keine weiteren Gründe gegeben hat." Nach Bekanntwerden des Nazi-Terrors im November habe er gedacht: "Du kannst jetzt nicht weglaufen."
Grund, dass er es doch tut, sei der Schaden für den Verfassungsschutz durch die Aktenvernichtung - vor allem "der Versuch, diesen Fehler zu vertuschen". Er habe sich nicht darauf verlassen können, dass seine Mitarbeiter ihm die Wahrheit sagen. "Jetzt ist eine Situation entstanden, wo das Amt unter meiner Leitung derartig in die Schlagzeilen gekommen ist." Er wünsche sich, dass herauskomme, das der Grund alleine in Dilettantismus liege.
Plötzlich kocht die brisante Frage wieder hoch, ob etwa Beate Zschäpe vom Terrortrio doch als V-Frau angeworben werden sollte? Noch am Vortag schien nach der ersten Einsicht von ungeschwärzten Akten durch die Parlamentarier klar: Vom Terrortrio wurde niemand angeworben. Nun räumt Fromm selbst Datenlücken in einer Computerdatei zu den V-Leuten bei den Thüringer Neonazis ein - die entscheidenden Papierakten wurden teils geschreddert. FDP-Obmann Hartfrid Wolff bohrt in Richtung Zschäpe nach.
Grünen-Obmann Wieland fragt Fromm: "Wo nehmen Sie diese Selbstverständlichkeit her, dass sie erstens vollständige Werbungsvorgänge haben und dass zweitens die Beamten in der Frage die Wahrheit gesagt haben?" Fromm: "Wir wissen, welche Akten vernichtet worden sind." Wieland: "Wodurch?" Fromm bleibt nach einigem Hin und Her die letzte Antwort schuldig. "Ich kann das im Moment nicht beantworten."
Zweifel bleiben - aber auch unterschiedliche Einschätzungen der Parlamentarier. Unmittelbar vor Wielands Nachbohren hat der Ausschussvorsitzende Edathy in einer Vernehmungspause noch zu Protokoll gegeben, an einer möglichen Anwerbung Beate Zschäpes durch den Verfassungsschutz sei nichts dran. "Diese Spekulation entbehrt jeder Grundlage."
33 Meinungen zu "Analyse zu Heinz Fromm"
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haraldine
Freitag, 20.07.2012, 10:03 Uhr Meine Meinung ist, daß die Zschäpe für den Verfassungsschutz gearbeitet hat. Sie hat die Zelle gelenkt, die Jungs erschossen und den Wohnwagen angesteckt, um Spuren zu verwischen. H.K -
Peter188
Mittwoch, 18.07.2012, 12:13 Uhr Mein seeliger Zahnarzt war ein ganz Lieber , ganz normal, ausser dass er Ausländer hasste. Braunes Gedankengut ist durchaus noch in einigen deutschen Gehirnen beheimatet ( vielleicht jedem 10ten), es ist aber schon ziemlich verdünnt worden, so dass es wohl derzeit kein Problem ist. Es kann aber ein Problem werden wenn dieser Staat weiterhin von Abzockern regiert wird, die dem Bürger nur neue Belastungen zumuten.---- Verfassungschutz, das ist ein Witz der nur Geld kostet. -
Aussenborder03
Donnerstag, 12.07.2012, 12:17 Uhr ......Es gleiche einer Lotterie, ob Akten zur Erkenntnis-Beschaffung gelöscht oder aufbewahrt würden....... Glaube ich ehrlich gesagt kein Stück !! Nicht hier in Deutschland, wo behördentechnisch alles gründlichst und wohlüberlegt gemacht wird. Meine Vermutung (mehr nicht): Aalglatte Ausreden. -
Wenyou
Mittwoch, 11.07.2012, 12:56 Uhr Vielleicht sollten wir einfach den VERFASSUNGSschutz in RECHTSschutz umbenennen? -- Dann bräuchten die sauberen Herren dort auch nicht mehr weiter so zu tun, als sei das alles ganz unabsichtlich und bloß aus Dilettantismus geschehen. Stattdessen könnten sie endlich wieder öffentlich dazu stehen, dass sie es als ihre vornehmlichste Aufgabe betrachten, die RECHTSradikalen in unserem RECHTSstaat zu schützen und zu unterstützen, wo immer es geht. Das ist ja schließlich kein LINKSstaat hier... (An alle Politiker: Nein, das sollt Ihr NICHT so umsetzen! -- Die Normalmenschen, die das hier lesen, besitzen mit Sicherheit genug Intelligenz, um zu bemerken, dass es Ironie ist, und alle anderen weise ich eben sicherheitshalber hiermit darauf hin.) -
Kotja
Mittwoch, 11.07.2012, 10:59 Uhr Da dieses Land von Anfang an, also seit 1945, Altnazis in Staatsdienste genommen hat, ist es nur logisch, das diese ihre faschistischen Ideen weitergaben, ....und nicht nur an Glatzköpfe...Die Nazis in Nadelstreifen sind viel gefährlicher, denn sie planen das, was die Glatzköpfe auführen... Wenn ich mir die Anzahl der "Geheimdienste" der BRD ansehen und die "Ergebnisse" ihrer Arbeit, dann komme ich ins Grübeln... Da sollen wir doch angeblich in einer Demokratie leben.... Fromm ist doch wirklich nur eine Marionette der CDU-Regierung! Und da können noch sie viele unabhängige Untersuchunsausschüsse eingesetzt werden...sie werden keine relevanten Ergebnisse erzielen, Es wird ÜBERALL gelogen und vertuscht. Wer in diesem Land Vertrauen zu staatlichen Einrichtungen (von privaten ganz zu Schweigen) hat, ist selbst schuld...Es lebe der Überwachungsstaat BRD, der "alles unter Kontrolle hat"... -
weggucken
Sonntag, 08.07.2012, 12:33 Uhr ob da ein system dahinter steckt oder so. vielleicht soll der rechtsextremismus in diesem land geschützt werden. oder gar gefördert, wer weiss das -
campos
Sonntag, 08.07.2012, 07:11 Uhr Immerhin komen jetzt einige Abgeordnete zu Wort und ins Fernsehen, von denen sehr viele Leute bisher nie etwas gehört oder gesehen haben.
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