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30.06.2012, 16:21 Uhr

First Lady wider Willen: Naglaa Ali Mahmud

Kairo (dpa) - Sie scheut das Licht der Öffentlichkeit, sie gibt selten Interviews. Sie kleidet sich traditionell islamisch, mit Kopftuch und langen Gewändern, und verzichtet auf Make-up und Nagellack.

Als Gattin des neuen Präsidenten Mohammed Mursi ist Naglaa Ali Mahmud das schiere Gegenteil der früheren ägyptischen First Ladys.

Dschihan, die Gemahlin von Anwar al-Sadat (1918-1981), hatte Gespür für Glamour und trat für Frauenrechte ein. Suzanne Mubarak, die Gattin des im Vorjahr gestürzten Sadat-Nachfolgers Husni Mubarak, gefiel sich in stilvollem Auftreten und kämpfte gegen die Genital-Verstümmelung bei kleinen Mädchen. Beide waren First Ladys ganz nach amerikanischem Vorbild.

Frau Mahmud - nach traditionell islamischer Gepflogenheit nahm sie den Namen ihres Mannes nicht an - will gar nicht First Lady sein. "Im Islam ist der Herrscher der Diener seines Volkes", erklärte sie in einem seltenen Interview der Lokalzeitung "Nus al-Dunia". "So ist auch die Frau des Herrschers eine Dienerin des Volkes - einen anderen Titel nehme ich nicht an."

Im Freundes- und Familienkreis nennt man sie "Umm Ahmed" - Ahmeds Mutter. Dabei handelt es sich um die arabische Sitte, wonach Frauen (oder Männer) als Mutter (oder Vater) des jeweils erstgeborenen Sohnes bezeichnet werden. Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Mohammed Mursi, ihren zehn Jahre älteren Cousin, heiratete sie im Alter von 17 Jahren. Sie ging noch zur Schule.

Eine Universität schloss sie nicht ab. Nach der Heirat ordnete Mahmud ihr Leben den familiären Verpflichtungen unter. Ihrem Mann gebar sie fünf Kinder, vier Jungen und ein Mädchen. In den 1980er-Jahren begleitete sie Mursi in die USA, wo dieser sein Ingenieursstudium fortsetzte. Mahmud blieb auch dort Hausfrau, arbeitete aber nebenbei als Übersetzerin.

In den USA wurden Mursi und seine Frau von Landsleuten für die Muslimbruderschaft angeworben. Die islamistische Organisation war damals im Heimatland teils verboten, teils geduldet und agierte zumeist im Untergrund. Nach der Rückkehr war sie erneut Stütze der Familie. Mursi und zwei der inzwischen volljährig gewordenen Söhne landeten immer wieder im Gefängnis. In der Bruderschaft betätigte sie sich als Ausbilderin in der Mädchen-Sektion.

Eine unscheinbare Hausfrau von nebenan als First Lady wider Willen: In der tratschfreudigen ägyptischen Gesellschaft sorgt Mahmud für reichlich Gesprächsstoff. Was für ein Bild wird sie auf dem internationalen Parkett machen?, fragen die einen sorgenvoll. Wird sie ausländischen Präsidenten überhaupt die Hand schütteln?

Andere wiederum meinen, dass Mahmud und ihr konservatives Rollenbild sehr genau den sozialen Wandel der vergangenen Jahrzehnte in Ägypten reflektieren. Das Land ist frömmer geworden - und es hat eine Revolution stattgefunden. Gemacht haben sie Leute wie Du und Ich. Jetzt seien eben auch Herr und Frau Präsident Menschen wie Du und Ich.

Alle News vom: 30. Juni 2012 Zur Übersicht: Nachrichten

59 Meinungen zu "First Lady wider Willen"

  • Padr1no
    Dienstag, 03.07.2012, 10:44 Uhr
    Zu viele fremdenfeindliche Menschen hier. Die Frau hat euch nichts getan und doch beleidigt ihr sie. Im Gegensatz zu vielen hier ist sie bodenständig, bescheiden und steht zu sich selbst.
  • GiMie
    Dienstag, 03.07.2012, 09:10 Uhr
    First Lady ? o.K. ich stelle mir eine Frist Lady zwar anders vor - aber sie lebt in einer anderen Welt. Mal sehen, was die Dame so im Köpfchen hat und was sie so von sich gibt. Abwarten
  • geraderWeg
    Dienstag, 03.07.2012, 08:54 Uhr
    Aufgezwungene Diktaturen sind ein Rückschritt, nicht frei gewählter Glaube.
  • reno63
    Sonntag, 01.07.2012, 16:54 Uhr
    Ach du kacke....wenn dass der Fortschritt für Ägypten ist dann frag ich mich ob dass die neue Demokratie und Mitbestimmung in Ägypten sein soll..Eine Rolle rückwärst ist noch gelinde ausgedrückt..absturz ins 17JH wohl schon eher.. wenn ich dass hier sehe..wieder ein Grund mehr irgendwo anders Urlaub zu machen..dass ist der Todesstoß für den westl. Tourismus und den Aufschwung für dieses Land...armes Ägypten.
  • Grubengraeber
    Sonntag, 01.07.2012, 13:17 Uhr
    obisodum | 1276 Beiträge Einfach faszinierend und umwerfend.......... Der Weg zurück in die "Diktatur" hat begonnen oder sehe ich das falsch????? ================================================================= Nicht ganz richtig,die Diktatur hat gar nicht aufgehört,es wurden nur ein paar Gesichter und ein paar Namen geändert...
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