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Beauty-Mythen auf dem Prüfstand

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - 100 Bürstenstriche täglich und das Haar glänzt: So mancher Schönheitstipp und so manches Vorurteil gegen Kosmetika hält sich über die Generationen. Wie wirksam ist Zahnpasta tatsächlich gegen Pickel, und darf man seine Beine täglich rasieren?

Es gibt Weisheiten, die werden von Generation zu Generation weitergegeben. Hinter welchem guten Rat der Mutter und Oma eine Wahrheit steckt und welches Vorurteil über ein Kosmetikprodukt stimmt, beantworten Kosmetikexperten.

Lassen 100 Bürstenstriche täglich das Haar glänzen?

"Diese Weisheit stimmt nicht so ganz", sagt Birgit Huber vom Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) in Frankfurt. "Haare wirken aber durch ihre geordnete Gesamtheit - wenn das Haar nicht gekämmt ist, kann es nicht glänzen."

Doch das ordentliche Kämmen der Haarpracht hat noch einen pflegenden Zweck: "100 Striche sind wohl etwas übertrieben, allerdings nimmt die Bürste am Haaransatz überschüssiges Fett auf und verteilt es beim Bürsten gleichmäßig auf das Haar bis in die Spitzen", erläutert Jenny Pohl, Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel (BDIH) in Mannheim. "Das wirkt auch gegen Spliss. Außerdem werden Staub, Schmutz und Schweiß ausgebürstet."

Schadet heißes Badewasser der Haut?

"Ein heißes Bad tut gerade in der kalten Jahreszeit der Seele gut, schadet aber leider der Haut", erläutert Elena Helfenbein, Beauty-Expertin beim VKE-Kosmetikverband in Berlin. Denn das heiße Wasser trocknet die Haut aus, sie spannt und juckt. "Es ist aber in Ordnung, ein- bis zweimal in der Woche zu baden." Pflegende Badeöle verwöhnen die Haut, eine Creme spendet nach dem Bad Feuchtigkeit.

Trocknet Zahnpasta Pickel aus?

Viele Zahnpasten enthalten den Wirkstoff Natriumdodecylpolysulfat, der eine stark öl- und fettlösende Wirkung hat, erläutert Helfenbein. "Allerdings sind auch andere Wirkstoffe vertreten, die dazu führen können, dass sich die Pickel noch stärker entzünden." Vielmehr sollte unreine Haut morgens und abends gründlich gereinigt werden. Jenny Pohl rät: "Etwas Teebaumöl, das mit einem Wattepad auf den Pickel getupft wird, ist die bessere Alternative."

Sind weiß machende Zahnpasten schlecht für die Zähne?

"Leider greifen die feinen Putzkörper, die für den Whitening-Effekt sorgen, auch den schützenden Zahnschmelz an. Er wird porös, und die Zähne werden somit anfälliger für Bakterien", erklärt Pohl. Lediglich weiß machende Zahnpasten mit weniger starken Schleifstoffen seien in der Anwendung vertretbar - jedoch nicht für die dauerhafte Benutzung. Unschöne Beläge sollten besser regelmäßig professionell beim Zahnarzt entfernt werden.

Wachsen Haare schneller und dicker nach, wenn sie oft rasiert werden?

"Der Haarwuchs wird durch das Kürzen der Haare weder angeregt noch verlangsamt", sagt Elena Helfenbein. "Allerdings entsteht beim Rasieren eine Kante an den Haaren, die sie borstiger wirken lässt als die natürlichen Haarspitzen." Alternativen sind die Haarentfernungen durch Wachs und Epiliergerät - die Haare wachsen hier mit natürlich geformter Spitze nach. Das Haarwachstum verlangsamen etwa spezielle Cremes, deren Wirkstoffe die Aktivität der Haarfollikel hemmen.

Machen Fettstifte für die Lippen süchtig?

"Nein, es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass die Anwendung von Lippenpflegeprodukten die Lippen austrocknet oder gar süchtig macht", erklärt Birgit Huber. Man sollte sogar immer wieder nachschmieren: "Wenn die Haut nur geringe Mengen von Lipiden produziert oder die Luft wenig Feuchtigkeit enthält wie im Winter, sollten Lippenpflegeprodukte mehrmals täglich aufgetragen werden." Pohl fügt hinzu: "Am besten eignen sich natürliche Inhaltsstoffe wie Jojoba-, Mandel- oder Avocadoöl und Ringelblume." Von Produkten mit Mineralöl oder Glycerin rät sie ab. Gut gegen spröde Lippen sei auch Honig: Pur aufgetragen und kurz einwirken lassen.

Muss man sich jeden Abend abschminken?

"Unbedingt", sagt Pohl. Auch wenn die Party noch so lang gedauert habe, das Abschminken sei eine tägliche Pflicht. Über Nacht müsse sich die Haut regenerieren, doch Make-up-Schichten, Schmutz und Talgrückstände hinderten sie am Atmen. Elena Helfenbein rät: "Eine sanfte Gesichtsmilch oder ein Reinigungsöl befreien die Haut von Schmutz und Bakterien. So ist sie optimal vorbereitet für die anschließende Schönheitspflege."

Hindert Nagellack die Nägel am Atmen?

"Das ist ein wahrer Irrglaube", sagt Jenny Pohl. "Nägel bestehen aus Horn, also leblosen Zellen, die nicht atmen." Vielmehr könne eine Schicht Nagellack die Nägel sogar schützen. Doch Vorsicht vor den Inhaltsstoffen der Produkte: "Er kann auch gesundheitsschädliche, nagelschädigende Weichmacher und bedenkliche UV-Filter enthalten. Hier genau hinsehen", rät Pohl.

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