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31.01.2013, 13:06 Uhr

Wie gefährlich ist die Pille wirklich?

in Kooperation mitDIE WELT
VonAnja Richter

Rücklagen für spätere Vorwürfe

Vorwürfe gegen die Präparate Yasmin und Yaz hatte es in der Vergangenheit bereits viele gegeben, weswegen Bayer offenbar vorgesorgt und Rücklagen in Höhe von 700 Millionen Euro gebildet hat. Seit der Übernahme der Berliner Schering AG ist der Konzern der weltweit bedeutendste Hersteller von Verhütungspräparaten. Laut Geschäftsbericht des Unternehmens macht es allein im Jahr 2011 ein Umsatz von 1,1 Milliarden Euro – nur mit den Anti-Baby-Pillen Yaz, Yasmin und Yasminelle.

Genauso lange, wie die Pille auf dem Markt ist, so lange halten sich die Zweifel bezüglich ihrer Nebenwirkungen. Besonders bekannt ist laut den Anklagen das Risiko einer Thrombose.

Die Pille der dritten und vierten Generation mit ihrer Kombination aus den künstlichen Hormonen Östrogen und Gestagen verdoppelt die Gefahr einer Gefäßerkrankung: Bei einer Einnahme der Pille über ein Jahr erleiden von 100.000 Frauen 30 bis 40 eine Thrombose, sagt Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung der Universität Bremen. "Das Problem ist, dass die meisten Frauen, die die Pille nehmen, völlig gesund sind. Erst durch das Einnehmen des Verhütungsmittel geraten sie überhaupt in die Gefahr, beispielsweise an einer Thrombose zu erkranken", so Glaeske. Besonders gefährdet seien darüber hinaus Frauen, die an Venenproblemen oder Übergewicht leiden oder erblich vorbelastet sind. Sie sollten sich regelmäßig untersuchen lassen oder ganz auf die Einnahme verzichten.

Gefährlicher für Raucherinnen

Aber auch äußere Einflüsse tragen zum Risiko einer Erkrankung bei: Die Einnahme der Pille gilt für Raucherinnen als höchst gefährlich. Bisher wenig bekannt ist die Verbindung zwischen der Pille und Gebärmutterhalskrebs. Wie Wissenschaftler der Berliner Charité herausfanden, erhöht die dauerhafte Einnahme des Verhütungsmittels die Wahrscheinlichkeit, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Bisher galt vor allem eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) als hauptsächlicher Auslöser für den Krebs.

Als bedenklich gilt die Verwendung der Verhütungsmittels auch in Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit. Je länger die Pille, die in Deutschland bis zum 21. Lebensjahr kostenlos ist, eingenommen wird, desto geringer sind die Chancen, ein Kind zu bekommen, befürchten Frauen.

Und auch wenn die Wahrscheinlichkeit, Mutter zu werden, nicht ausgeschlossen ist: Bis es zu einer Schwangerschaft kommt, könnten Monate oder Jahre vergehen. Eine berechtigte Sorge? "Der Zusammenhang ist noch nicht wissenschaftlich erwiesen, aber es kann natürlich sein, dass die dauerhafte Abgabe von Hormonen durch die Anti-Baby-Pille den Körper dazu veranlasst, die eigene Produktion zurückzustellen", so Glaeske.

Verhütung nur als Nebeneffekt wahrgenommen

Trotzdem nehmen Schätzungen zufolge sechs Millionen Frauen in Deutschland die Pille, im Alter von 18 Jahren sind es 80 Prozent. Die Gründe für die Einnahme sind vielfältig, längst ist es nicht mehr nur der Wunsch nach "sorglosem" Sexualverkehr: Teenager beispielsweise träumen von einem großen Busen – mit dem positiven Nebeneffekt, durch die Hormone auch eine reine Haut zu bekommen.

Genau das sei das Problem, sagt Gerd Glaeske. "Die Pille wird heute als Präparat für Haut und Haare verkauft, als ein Produkt aus der Kosmetikbranche", so der Experte. Dass es sich aber um ein Arzneimittel mit Geschlechtshormone handelt, gerate in den Hintergrund. Ebenso wie die vielfältigen unerwünschten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, die nachlassende Lust an Geschlechtsverkehr oder das mögliche Auftreten von Depressionen.

Weitere Verhütungsmethoden, etwa das Diaphragma – ein Gummi, das in der Vagina sitzt – gelten als weniger zuverlässig. Das Diaphragma "könnte doch verrutschen", schreibt eine Nutzerin des medizinischen Forums "med1". Ähnliches gilt für das Kondom. Dieses schützt bei richtiger Anwendung zwar relativ zuverlässig vor einer Befruchtung der Eizelle, wird aber oftmals als Ergänzung zur Pille und dann als Schutz vor der Übertragung von Aids und Geschlechtskrankheiten verwendet.

© DIE WELT

Alle News vom: 31. Januar 2013 Zur Übersicht: Gesundheit

1 Meinungen zu "Wie gefährlich ist die Pille?"

  • Dispersion
    Montag, 25.03.2013, 10:13 Uhr
    Was nicht alles im Nachhinein raus kommt?
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