"Leserwunsch des Monats": Depression - Was ist das genau?
Von Andrea Solms für GMXSchlechtes Wetter, kurze Tage, im Dunkeln zur Arbeit, im Dunkeln zurück. Wer hegt während eines langen Winters nicht schon einmal trübsinnige Gedanken und fühlt sich deprimiert? Das ist nur allzu menschlich und nicht weiter bedenklich. Doch was, wenn die melancholische Stimmung nicht mehr weggehen will?
Die Winterdepression
Fühlt man sich über Wochen hinweg kraftlos, ohne Antrieb und hat zu nichts mehr Lust, dann könnte es sich um eine "saisonal abhängige Depression", also um eine Winterdepression, handeln. Grund dafür ist nach Ansicht von Experten das fehlende Tageslicht, beziehungsweise die mangelnde Lichtintensität. Wer sich durch die Symptome über einen längeren Zeitraum beeinträchtigt fühlt, sollte dennoch einen Arzt konsultieren.
Depression bis 2020 die zweithäufigste Krankheitsursache
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Depressionen können jedoch auch vollkommen unabhängig von der Jahreszeit auftreten. Schätzungen zufolge erleiden rund sechs Prozent der Bevölkerung in westlichen Industriegesellschaften irgendwann in ihrem Leben eine Depression, auch unipolare affektive Störung genannt. Hinzu kommt rund ein Prozent an Menschen, die im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung unter Depressionen leiden. Das sind Menschen, die neben den depressiven Phasen auch manische Phasen erleben (Phasen, die gekennzeichnet sind von massiv gesteigertem Antrieb, großem Enthusiasmus, Omnipotenzgedanken und Selbstüberschätzung bis hin zum Größenwahn). Schwere Depressionen sind sehr ernst zu nehmen, denn ungefähr zehn Prozent der Betroffenen begehen Selbstmord.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass die Anzahl der Depressionen weiterhin zunehmen und bis 2020 in den Industriestaaten sogar die häufigste Krankheitsursache neben Herz-Gefäß-Erkrankungen sein wird.
Und obwohl diese psychische Störung mittlerweile fast schon eine Volkskrankheit ist, wird sie in vielen Fällen gar nicht oder erst sehr spät erkannt. Ein Grund dafür sind die körperlichen Begleiterscheinungen einer Depression: Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen, Herz- und Atembeschwerden, Magen-Darm-Probleme sowie Unterleibsschmerzen werden oftmals erst spät mit der Diagnose Depression in Verbindung gebracht.
Reaktive und endogene Depression
Bei der Depression unterscheidet man oftmals zwei Kategorien der Erkrankung: Eine Depression, die durch eine schlimme Erfahrung ausgelöst wird, wie zum Beispiel durch den Tod eines Angehörigen oder Freundes, oder aber auch durch den Verlust der Arbeit, wird als reaktive Depression bezeichnet. Eine Depression ohne erkennbaren Auslöser hingegen wird endogene Depression genannt.
Wie äußert sich eine Depression?
Einfach nicht aufstehen wollen, nicht aufstehen können ... Viele negative Gefühle und Gedanken gehen mit einer Depression einher. Nach der ICD, der internationalen Klassifikation von Krankheiten durch die WHO, leiden depressive Menschen unter einer gedrückten Stimmung, ihre Antriebskraft und ihre Aktivität sind im Ganzen vermindert. Sie sind unfähig, sich zu freuen, verlieren das Interesse, sogar an Dingen, die ihnen einmal viel bedeutet haben, und auch die Konzentration ist beeinträchtigt. Betroffene sind oft sehr müde - dabei können bereits kleine, alltägliche Handlungen sie über die Maßen anstrengen und erschöpfen.
Auch Schlafstörungen können ein Zeichen für eine Depression sein. Typisch ist hier das so genannte "Morgenerwachen" und das "Morgentief". Die Person wacht sehr früh auf und kann nicht wieder einschlafen. Dementsprechend geht es ihr morgens besonders schlecht, während sich im Laufe des Tages das Befinden etwas bessern kann.
In vielen Fällen ist auch der Appetit gestört - Betroffene nehmen in der Folge ab, manche aber auch zu. Außerdem sind das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigt. Die Betroffenen fühlen sich wertlos oder auch schuldig. Weitere Symptome sind Libidoverlust und eine psychomotorische Verlangsamung, das heißt man bewegt sich nur noch sehr langsam und schwerfällig, da bereits das Gehen als große Anstrengung empfunden wird. Im schlimmsten Fall kommt es zu Suizidgedanken.
Leichte, mittelschwere und schwere Depression
Abhängig von der Anzahl und der Schwere der auftretenden Symptome wird eine Depression (man spricht auch von depressiver Episode) als leicht, mittelgradig oder als schwer bezeichnet.
Bei einer leichten Depression treten mindestens zwei bis drei der beschriebenen Symptome auf. Der betroffene Mensch fühlt sich beeinträchtigt, kann aber in der Regel den meisten seiner Aktivitäten nachgehen, also zum Beispiel weiterhin seine Arbeit verrichten.
Bei einer mittelschweren/mittelgradigen Depression treten meist vier oder mehr der beschriebenen Symptome auf und der Betroffene hat bereits große Schwierigkeiten, seinem normalen Alltag und den damit verbundenen Aktivitäten nachzugehen.
Eine schwere Depression ist gekennzeichnet durch mehrere der beschriebenen Symptome, die als sehr quälend empfunden werden und damit einen schweren Leidensdruck auslösen. Typisch sind dabei der Verlust des Selbstwertgefühls sowie das Auftreten von Gefühlen von Wertlosigkeit und Schuld. Auch Suizidgedanken und -handlungen kommen häufiger vor.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Anzahl und Ausprägung der Symptome und damit der Schweregrad der Depression ist von wesentlicher Bedeutung für die zu wählende Behandlung.
Um eine genaue Diagnose stellen zu können, stehen den behandelnden Medizinern verschiedene anerkannte psychologische Testverfahren zur Verfügung. Diese erfassen wichtige Symptome und bewerten sie mit Punkten. Anhand der Ergebnisse lässt sich dann die Schwere der Depression feststellen. Mithilfe der Hamilton-Depressionsskala beispielsweise beurteilt ein Arzt die Symptome seines Patienten, bei der Depressions-Selbstbeurteilungsskala nach von Zerssen hingegen bewertet der Patient selbst seine Symptome.
Im Anschluss daran verordnet der Arzt eine Therapie. Bei leichteren Fällen kann bereits Johanniskraut (Hypericum perforatum) helfen, das in Deutschland und Europa häufig verwendet wird. Auch mit Bewegung lassen sich schon gute Fortschritte in der Behandlung von Depressionen erzielen, wie zahlreiche Studien gezeigt haben.
Weiterhin kann eine Psychotherapie wie etwa eine kognitive Verhaltenstherapie nachgewiesenermaßen helfen, Depressionen zu überwinden. Sie trägt dazu bei, negative Denkweisen und Verhaltensmuster, die mit einer Depression oft einhergehen, zu verändern.
Bei schweren Fällen muss eine Psychotherapie jedoch mit einer medikamentösen Behandlung kombiniert werden. Dazu werden sogenannte Antidepressiva verschrieben. Heute sind dies hauptsächlich die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer/SSRI), die trizkylischen Antidepressiva ("Trizyklika") und die Monoaminoxidase (MAO)-Hemmer. Antidepressiva machen nicht süchtig und werden auch ohne begleitende Psychotherapie eingesetzt.
Depressionen haben mit den heute zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten gute Heilungschancen. Allerdings gibt es auch Formen von Depressionen, die wiederholt auftreten können - die sogenannte rezidivierende depressive Störung - die dann einer erneuten Behandlung bedarf.
Depressionen können auch im Rahmen des Burnout-Syndroms auftreten, so dass bei einer Depression auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden sollte. Eine Abgrenzung ist jedoch schwierig und sollte durch einen erfahrenen Experten getroffen werden.
Quellen:
Pinel, Pauli (Hrsg.), "Biopsychologie", 2007, Pearson
© Leadsatz
43 Meinungen zu "Wann bin ich depressiv?"
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Stier52
Samstag, 07.04.2012, 16:30 Uhr Leider geben sie immer noch nicht die wahren Ursachen bekannt. Es wird zu viel um dieses Thema herumgeredet. Und immer bleiben die richtigen Ursachen im Dunklen. Hier finden sie Aufklärung: http://www.hirndefekte.de/Menue/Mnu_10.htm Solange man weiter diese Tatsachen verschweigt, nur um den Profit der Pharmaindustrie, solange werden weiter sich die Leute sich das Leben nehmen und die Kostenexplosion wird uns eines Tages erdrücken, wenn es zu spät ist. Leute wacht auf und geht die Ursachen dieser Probleme an. Viele Grüße an alle Betroffene. -
MollyMalone67
Dienstag, 27.03.2012, 11:24 Uhr @Karasu87: Nehmen Sie sich unwissende und egozentrische Beiträge mancher Foristen hier nicht zu Herzen. Die haben meist nur keine Ahnung, reißen aber dennoch den Mund meterweit auf, wobei sie gar nicht zu bemerken scheinen, dass sie sich damit zum Erschwernisfaktor für Betroffene machen, unter denen vice versa sie zu leiden glauben. Ich gebe zu, eine Depression ist für Außenstehende sicherlich schwer zu verstehen. Manche wollen das aber auch gar nicht. -
Karasu87
Montag, 26.03.2012, 13:11 Uhr Bin selbst in irgendeiner Weise depressiv. Mir fällt auch alles schwer, nichts macht mir Spaß usw. Es ist sehr belastend, wenn Leute wie Grummel77 z.B. einen so darstellen, als würden depressive absichtlich allen das Leben schwer machen. Im Gegenteil. Es war immer mein Bestreben, alle Menschen in meiner Umgebung so fern wie möglich von meinen Problemen zu halten, ich habe immer gelächelt und so getan als wäre alles super, damit ja keiner in die Situation kommt, sich mit meinen Wehwehchen auseinandersetzen zu müssen. Das Ergebnis dessen war Isolation und Einsamkeit, denn wenn ich es mal nicht verstecken konnte, hatte keiner Verständnis und ich hatte nur noch mich selbst. Das ist kein schönes Gefühl. :( -
heureka47
Dienstag, 13.03.2012, 13:37 Uhr Aus ganzheitlicher Sicht - hinausgehend über das unnatürlich begrenzte wissenschaftliche Weltbild - ist die tiefere Ursache von Depression (wie von fast allen anderen psychischen Störungen auch) ein Mangel an INFORMATION und LEBENS-ENERGIE (Chi, Qi, Ki, Od, Orgon, Prana, Kundalini, usw., die man auch höherdimensionale Liebe, spirituelle Liebe nennen kann). - und kann dementsprechend in jedem Falle voll geheilt werden. Medikamente heilen nicht wirklich, nicht grundlegend, nicht nachhaltig. Medikamente manipulieren nur die Symptome auf der GROBstofflichen Ebene; Lebens-Energie / Liebe aber ist FEINstofflich. Der Mangel an INFORMATION ist, dass die Menschen der westlichen zivilisierten Gesellschaft vom Bewußtsein für diese Lebens-Energie / Liebe ENTFREMDET sind. Sie wissen seit vielen Generationen nicht mehr, dass jeder wahrhaft erwachsene Mensch eine Quelle dieser Energie ist und sich damit selbst ganzheitlich, grundlegend und nachhaltig heilen kann. Die Entfremdung ist einer der vielen Aspekte der "Kollektiven Zivilisations-Neurose", wie ich seit 20 Jahren die "Krankheit der Gesellschaft" nenne, die von kompetenten Fachleuten / Autoren verschiedentlich beschrieben wurde. Nur leider nehmen die "Verantwortlichen" in Politik und Gesellschaft diese wichtigen Informationen nicht wahr - aus Gründen der eigenen Betroffenheit von dieser Störung und der Beeinträchtigung, die sich damit verbindet. -
MollyMalone67
Dienstag, 21.02.2012, 11:30 Uhr @Grummel77: Nicht selten ist es auch umgekehrt, und die liebe Umwelt macht den Betroffenen die Hölle noch mehr zur Hölle... Vielleicht auch diese Perspektive miteinbeziehen... -
Grummel77
Dienstag, 14.02.2012, 14:00 Uhr Depression ist das letzte. Nicht nur, daß diese Menschen in der Hölle leben, sie machen auch ihrem näheren Umfeld das Leben zu Hölle. -
bob324
Dienstag, 14.02.2012, 13:56 Uhr Ganz einverstanden mit Takva's beitrag. in den 70er und 80er Jahren wo alles noch normal einigermassen war, die menschen hatten wenig aber waren glücklich. Es reichte in dieser Zeit völlig aus wenn man einfach nur arbeiten ging. Heutzutage befinden wir uns in einer Zeit, wo man von uns Arbeitnehmern erwartet jedentag das 200% zu leisten, blut zu schwitzen, überstunden zu leisten, sich nie krank zu melden und nebenbei sich auch noch weiterzubilden und am ende des monates dem Vorgesetztem den hintern zu küssen. Willkommen in der Tschungel, wo der stärkste überlebt und der schwächere... naja , dem erwischt's halt.
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