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10.01.2013, 12:40 Uhr

Die Organspende plus+

Menschen könnten nach einer Transplantation bald ohne Medikamente leben. Die Lösung heißt Stammzellen. Die Empfänger bekommen nicht nur ein neues Organ, sondern auch ein neues Immunsystem mittransplantiert

Medikamentöse Schachpartie

Normalerweise muss bei einer Transplantation das Erbgut von Empfänger und Spender möglichst ähnlich sein. Je unterschiedlicher es ist, desto heftiger fällt die Abwehrreaktion aus. "Um die Abstoßung zu verhindern müssen die Patienten jeden Tag unzählige Medikamente einnehmen - für den Rest ihres Lebens", sagt Suzanne Ildstad von der University of Louisville. 15 bis 25 Tabletten seien es pro Tag. Bei längerer Einnahme verursachten sie ernsthafte Nebenwirkungen, beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes, Infektionen, Herzerkrankungen oder sogar Krebs. "Außerdem können sie auch das transplantierte Organ schädigen", weiß Ildstad.

In der aktuellen Studie mussten Empfänger und Spender nicht miteinander verwandt sein und auch nicht bezüglich ihrer immunologischen Merkmale zusammenpassen – das sei die erste Untersuchung dieser Art, betont Ildstad. Frühere Arbeiten, die eine Stammzelltransplantation für den Organempfänger testeten, schlossen nur Spender und Empfänger ein, die gleichzeitig Geschwister und immunologisch identisch waren. Das trifft aber nur auf 25 Prozent der Geschwister zu.

Eine Person, zwei Immunsysteme

Mithilfe eines speziellen Verfahrens - einer Art Blutwäsche (Apherese) – fischten die Wissenschaftler rund einen Monat vor der Transplantation Knochenmarksstammzellen aus dem Blut des Nierenspenders. Im Labor statteten sie die Stammzellen mit speziellen Eigenschaften aus, die dem Transplantat später beim Überleben helfen sollen. Die Idee dahinter: Die Stammzellen des Spenders so zu verändern, dass sie das Immunsystem des Empfängers austricksen konnten. Die Immunabwehr sollte „denken“, das Spenderorgan sei ein ganz natürlicher Teil des Patienten.

In der gleichen Zeit unterzog sich der Empfänger einer Bestrahlung und Chemotherapie, um die Bildung der körpereigenen Immunzellen zu unterdrücken. So haben die Stammzellen des Spenders später größere Chancen, sich im Körper des Empfängers anzusiedeln und auszubreiten. Zuerst wurde die Niere transplantiert, einen Tag später wurden die Stammzellen übertragen. Sie sollten sich im Körper festsetzen und Immunzellen bilden, die zum neuen Organ passen. Ziel dabei war es, eine Umgebung zu kreieren, in der zwei Immunsysteme existieren und funktionieren können – in einer einzigen Person.

Ein Leben ohne Pillen

Tatsächlich konnten ein Jahr später fünf der acht Patienten auf die Einnahme der Immunsuppressiva verzichten. Es gab keine Abstoßungsreaktion, auch die Nierenfunktion verschlechterte sich nicht. "Die Ergebnisse sind spannend und werden die Organtransplantation in Zukunft verändern", glaubt Joseph Leventhal vom Northwestern Memorial Hospital. "Wenn wir die Methode verbessern, könnte die Therapie vielen Patienten helfen, die ein neues Organ brauchen", so Leventhal weiter.

Ob die Immunreaktion auch langfristig ausbleibt, müssen die Forscher abwarten. Aber die Schauspielerin Lindsay Porter lebt seit zwei Jahren mit einer neuen Niere plus einem neuen Immunsystem - Medikamente braucht sie nicht. "Ich fühle mich gesund, und manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich eine Nierentransplantation hinter mir habe", freut sie sich.

Derzeit laufen weitere Untersuchungen, ob die Stammzelltherapie auch im Nachhinein etwas bringt - bei Patienten, die schon vor längerer Zeit ein neues Organ bekommen haben. Dann müsste der damalige Nierenspender nur noch seine Stammzellen spenden.

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Quelle: Leventhal, J. et al.:“Chimerism and Tolerance Without GVHD or Engraftment Syndrome in HLA-Mismatched Combined Kidney and Hematopoietic Stem Cell Transplantation", Science Translational Medicine, DOI: 10.1126/scitranslmed.3003509, 7.2.2012;

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2 Meinungen zu "Nie mehr Organ-Abstoßung"

  • Spiegelneuron
    Samstag, 21.07.2012, 16:21 Uhr
    Linksrheiner, dankeschön für die sinnvolle und wichtige Ergänzung für medizinische Laien. Ich möchte noch andere, mindestens genauso wichtigen Aspekte hinzufügen. Dazu möchte ich für die, die sich vielleicht näher damit beschäftigen möchten folgende, auch für Laien verständliche und vor allem auch annehmbare Literatur empfehlen: ->>Joachim Bauer "Das Gedächtnis des Körpers" -es geht um die beidseitige Wechselwirkung zwischen den Organanen (Herz, Niere, Leber, ...) und dem Gehirn und damit geht es im erweiterten Sinn auch um Genetik und Epigenetik ->>Cordelia Fine "Wissen Sie, was Ihr Gehirn denkt" -es geht um den Freien Willen, inwieweit der Mensch einen freien Willen hat oder nicht, wann dieser eingeschränkt bzw. gar nicht vorhanden ist. ->> dazu kann man auch mal zur Einstimmung unter "Milgramexperiment" bei youtube nachschauen. Es gibt auch noch andere Artikel zum Thema Organe -Organe aus dem Drucker zB., die an sich sehr interessant sind und vor allem die meisten Religionen in Frage stellen, weil immer mehr erkennbar wird, dass Leben "nur" naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten folgt. Ich denke, dass die Menschheit zuerst darüber nachdenken sollte, welche Konsequenzen gerade der Aspekt des Freien Willens auf die gesellschaftliche Entwicklung der Menscheit hat, haben könnte,..., bevor man krampfhaft daran arbeitet, das Leben des Einzelnen (oder im Hintergrund eigentlich nur einiger weniger, die sich für auserwählt halten) ins Unendliche zu verlängern. So lange wir fast abgöttisch an dem derzeitigen, schon seit Beginn seiner Existenz nur durch regelmäßige, regulierende Krisen überhaupt bis heute existierende/"funktionierende" Finanzsystem (mathematische Erklärung für warum, siehe unten) und an sich angeblich selbst regulierende Märkte und... (beste Beispiele in jüngster Vergangenheit und Gegenwart sind die Finanz- und Wirtschaftskrisen) glauben, wird es auf diesem Gebiet aber keine vernünftige, der Menschheit das grundsätzliche Überleben sichernde Lösung geben und ein menschenwürdiges, schönes Leben schon gar nicht! Das Ausweichen auf andere Planeten ist auch nicht so unkompliziert, wie in Filmen dargestellt -die Fortpflanzung ist ein sehr komplizierter, natur(wissenschaftlich) geregelter Prozess, der unter anderem auf das Wirken einer bestimmten Gravitation -der der Erde- angewiesen ist. Es macht doch nur Sinn, das Leben zu verlängern, wenn das Leben an sich bzw. das Leben, das nach einer solchen Behandlung kommt, nicht nur erträglich ist/wird/bleibt?! sondern lebenswert, also schön und sinnvoll ist und wenn das für alle Mitglieder der Gesellschaft zutrifft! (Damit meine ich nicht die Kommunistische Ideologie, im Osten waren derartige Neurowissenschaften nämlich grundsätzlich tabu!) Man hat bei Versuchen an Bakterien übrigens festgestellt, dass soziales Verhalten eine Grunlage für das Überleben einer Individuen-Gesellschaft ist und dass auch nur Populationen von Bakterien mit sozialem Verhalten überleben, mehr noch, dass Bakterienpopulationen gegenüber giftigen Wirkstoffen (Arzneimitteln) resistenter sind, als das einzelne Bakterium! -gibt das zu denken hinsichtlich der Gestaltung unserer Gesellschaft? Aber davon sind wir als Menschheit doch noch Meilenweit entfernt, wie Geschehnisse wie staatlich erlaubte Versuchslabore am Menschen zur Optimierung von Folter, Unterwerfung und Kriegsführung wie z.B. Guantanamo, weltweit durch Antipersonenminen (teilweise sogar in Spielzeug versteckt!) verletzte oder auch millionenfach, verhungernder, missbrauchter Kinder beweisen. Da muss man gar nicht auf die Milliarden nur aus Profitgründen unermeßlich geschundenen Versuchs-, Mast- und Zuchttiere und vielleicht sogar auch Pflanzen verweisen! Darauf, dass man einerseits sinnvolle Operationen durchführt, aber dann an der notwendigen Physiotherapie spart, so dass das erreichte Endergebnis nicht annähernd an das erreichbare/mögliche Ergebnis herankommt und damit auch der Sinn des Aufwandes der Operation letztendlich fraglich wird. Oder man verlängert das Leben durch zB. Organtransplantation erheblich, aber verkürzt es signifikant durch die "Zucht" von muliresistenten Keimen, die nur entstehen können, weil man in der Tiermast aus Profitgründen massenweise Antibiotika einsetzt. Trotzdem finde ich den wissenschaftlichen Fortschritt auf diesen Gebieten immer wieder sehr interessant und für mich entsteht die Frage, warum die Menschen mit vollem Bewustsein so gegensätzlich handeln und warum wir als Wähler, also Arbeitgeber immer noch bereit sind, den Politikern, also Arbeitnehmern, das von den Politikern (Arbeitnehmer) selbstbeschlossene, im Vergleich zu einer Putzfrau zB. völlig überhöhte Gehalt zu zahlen und uns(als Arbeitgeber) auch noch diesen unsinnigen Entscheidungen nahezu widerspruchslos unterordnen und warum wir auch noch bei jeder Wahl immer wieder .... . Beispiel, warum unser derzeitiges Finanzsystemu.a. aus mathematischen Gründen nicht funktioniert und auch nicht funktionieren kann: Wenn Joseph als Vater von Jesus (als Neugeborene) vor ca. 2012 Jahren 1€cent angelegt hätte, dann hätte er heute aufgrund der Zinseszinsrechnung mehr als 30 Milliarden (also 30 mal 10 hoch 9) Erden in Gold!!! (je nachdem, wie man die Zinsbedingungen und Goldpreise ansetzt kommt man auch über 100 mrd.Erden in Gold). Das ist eine Menge, die es nach Expertenmeinungen im gesamten Universum an Gold nicht gibt. Und es ist ein Beweis dafür, dass das Argument, wir haben kein Geld ... eine bewusste Lüge ist und Buchgeld ist ja ein imaginäres Konstrukt, welches eine Bedeutung/Einfluss erhält, die ihm gar nicht zusteht. Aber die Meisten lassen sich und ihre Meineung dadurch absolut beeinflussen. Beispiel Bildung: jeder weiss, je besser die Bildungbedingungen den Bedürfnissen der Kinder entspricht und damit die Bildung der Kinder ist, dasto besser wird die Wirtschaft mit Fachpersonal versorgt. Aber trottzdem gibt es immer wieder das eigentlich irrelevante Argument "wir haben kein Geld" -aber so lange es arbeitslose Lehrer oder überhaupt akademisch gebildete Arbeitslose oder überhaupt Arbeitslose gibt, haben wir grundsätzlich die notwendigen Menschen, die die Bildung durchführen könnten. Das Gleiche auch in der Pflege, im medizinischen Bereich, ... . Das Geld, was ja meist nur als imaginäres Geld =Buchgeld- "vorhanden" ist, wird niemals Bildung, Pflege,... durchführen und auch kein Getreide anbauen, kein Brot backen oder sogar die Rente erarbeiten. Die Wirkung des Geldes beruht nur darauf, dass die Menschen im Einzelnen und als Gesellschaft sich freiwillig dieser sinnlosen, ja schädlichen Doktrien unterordnen und es akzeptieren -entweder (meist) aus Unwissenheit oder auch aus Eigennutz (seltener -die sogenannten Reichen). Die Urmenschen lebten, aber auch die Menschenaffen leben ohne Geld und es gibt auch in Urwäldern heute noch Menschenpopulationen, die ganz ohne Geld ein für sie zufriedenes Leben führen, dass wahrscheinlich für sie wesentlich besser ist als das vom "Geld" regierte unsrige Leben für uns. -Beweise dafür, dass unser Wille nicht frei ist?! :)
  • Linksrheiner
    Freitag, 09.03.2012, 09:51 Uhr
    Was der Artikel zu erwähnen vergaß: Diese Nieren-TP setzt einen Lebensspender voraus, der zudem ziemlich robust sein muß, denn die vorausgehende Stimulation des Immunsystems ist ein erheblicher Aufwand, und dann einen Monat später eine Explantation. Respekt, wer so was auf sich nimmt. Natürlich klappt das mit einer Leichenspende nicht, und die macht immer noch die Mehrheit der transplantierten Organe aus. Die Methode ist ja die gleiche wie sie bei der Leukämie-Behandlung eingeetzt wird. Also prinzipiell nichts neues. Aber immer noch mit der Gefahr einer Graft-vs-host-Reaktion, also der Möglichkeit, daß das neue Immunsystem den alten Körper abstößt. Von lebenslänglicher Gesundheit sollte also erst bei der Beerdigung nach Tod durch Altersschwäche gesprochen werden.

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