"Deutschland ist Entwicklungsland"
Traurige Bilanz: Die Deutschen sind schon wieder dicker geworden. Eine Trendwende ist weit und breit nirgends in Sicht. "Die Normalgewichtigen sind inzwischen in der Unterzahl", bringt Hans Hauner von der Technischen Universität München es anlässlich des Kongresses "Update Ernährungsmedizin 2012" auf den Punkt. Das belegen einmal mehr die jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts: 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Besonders bedrohlich: Auch von den Kindern und Jugendlichen sind immer mehr zu dick.
Insbesondere der Anteil der Fettleibigen mit einem BMI von über 35 nimmt zu. Fünf Millionen von ihnen gibt es inzwischen schon in Deutschland. Sie sind besonders gefährdet, Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch bestimmte Krebsformen zu entwickeln.
Kaum Hilfe für Dicke
"Trotzdem gilt Adipositas in Deutschland noch immer nicht als Krankheit", sagt Hauner. Der Direktor der Klinik für Ernährungsmedizin klingt resigniert. Denn die Konsequenz ist, dass die Kassen Therapieprogramme nicht bezahlen müssen - wer abspecken will, muss das meist auf eigene Kosten und Initiative hin tun. Therapieangebote der Kassen sind reine Kulanz. "Hier muss sich dringend etwas ändern", fordert der Ernährungsmediziner.
Das gilt sogar für die Superdicken mit einem BMI von über 40. Und die haben an ihrem Gewicht buchstäblich schwer zu tragen. "Ab einem BMI von 50 ist mit konventionellen Methoden nur noch in den seltensten Fällen etwas zu erreichen," berichtet Thomas Hüttl von der chirurgischen Klinik München Bogenhausen. Mit operativen Methoden hingegen lassen sich beachtliche Erfolge erzielen. Insbesondere ein Magenbypass kann nicht nur drastische Gewichtsabnahmen bewirken, sondern auch einen mit dem Übergewicht einhergehenden Diabetes heilen. Das funktioniert mitunter sogar schon kurz nach dem Eingriff, wenn noch gar nicht viel Gewicht verloren wurde.
"Die sollen halt weniger essen"
Obwohl zahlreiche Studien die Wirksamkeit der Adipositaschirurgie bestätigen, wird sie in Deutschland nur sehr selten eingesetzt: Etwa 7000 Operationen dieser Art werden jährlich durchgeführt - ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Hüttl. Entsprechende Anträge zur Kostenübernahme lehnen die Kassen meist ab. "Da heißt es dann, ‚Mei die sollen halt weniger essen'", berichtet der Adipositaschirurg. Magenbypass und Co. gelten als Schönheitschirurgie und somit als nicht erstattungsfähig. Dabei werden sie ab einem BMI von 40, bei Begleiterkrankungen wie Diabetes, bereits ab einem BMI von 35 empfohlen.
"Deutschland ist Entwicklungsland"
Ebenso wenig wie für die bereits Dicken wird zur Prävention des Übergewichtes getan: "Deutschland ist in dieser Hinsicht ein Entwicklungsland", sagt Hanauer. Den Leuten immer wieder zu predigen, sie sollten sich gesünder ernähren und mehr bewegen allein reicht nicht. Adipositas ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, mit vielen Ursachen. Immer an die Selbstverantwortung des Einzelnen zu appellieren bringt daher in der Masse wenig. Vielmehr gelte es, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass eine Gewichtskontrolle leichter wird.
Besonders beklagenswert ist, dass selbst Maßnahmen unterbleiben, deren Wirksamkeit bereits erwiesen sind. So ist der Versuch, klar verständliche Lebensmittelkennzeichnungen wie die Lebensmittelampel durchzusetzen, gescheitert. "Mitunter verstehe nicht einmal ich die Angaben auf den Packungen", bekennt Erfahrungsmedizinen Hanauer. Und ohne Brille sei das Kleingedruckte für viele ohnehin nicht zu entziffern.
Kinder im Visier der Werbung
Selbst Präventionsmaßnahmen die die wichtigste, weil jüngste Zielgruppe betreffen, fallen oft unter den Tisch. Ein Beispiel dafür ist die Rahmenbedingungen für die Werbung die auf süße, fette "Kinderlebensmittel" zielt gesetzlich drastisch zu beschneiden. Dass Appelle an das Verantwortungsbewusstsein der Hersteller wenig bringen, verwundert nicht.
"Es besteht erheblicher Handlungsbedarf", betont Hauner. Er sagt so was nicht zum ersten Mal. Bleibt zu hoffen, dass der Apell nicht ein weiteres Mal ungehört verhallt.
Zum Originalartikel bei Netdoktor.de
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Quelle: Update Ernährungsmedizin 2012
45 Meinungen zu "Mit "fettem" Problem alleine"
-
Wahlviech
Samstag, 22.12.2012, 14:24 Uhr Welchen soll man denn da nehmen. Oder dürfen es auch mehrere sein? Frage ich die Maya, die Azteken, die Juden oder die Hindus? -
strathmann
Samstag, 22.12.2012, 13:55 Uhr Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott oder wie der heißt. -
strathmann
Donnerstag, 20.12.2012, 10:47 Uhr Statt Hypnose kann man es mit der Stärkung des naturgegebenen Charakters durch Willensstärke versuchen. Ist auf jeden Fall billiger und braucht keine Schleichwerbung. -
strathmann
Donnerstag, 20.12.2012, 10:45 Uhr Wer abspecken will, sollte auch hierin autonom sein und bleiben. Wer im Chor abspecken will, füttert nur andere damit (weightwatchers) -
laufschuh1
Freitag, 14.12.2012, 09:24 Uhr bewegung und weniger essen. dann die krankenkassenbeiträge für uneinsichtige Dicke erhöhen . denn erst wenn sich das problem am portmonaie bemerkbar macht wird gehandelt. aber solange die solidargemeinschaft,krankenkassen für die erkrankungen der dicken zahlt wird sich nichts ändern. tabletten einnehmen ist ja auch viel einfacher als sich bewegen oder vernünftig zu essen. -
Fine
Donnerstag, 18.10.2012, 10:12 Uhr "Was heisst hier keine Hilfe, FdH und Sport, kann sich doch jeder selber helfen." wenn das so einfach wäre, dann wären diese menschen gar nicht erst so dick geworden bzw hätten schon längst wieder abgenommen. -
morgana666
Mittwoch, 17.10.2012, 17:38 Uhr Ich finde das fachkundige Unwissen der selbst ernannten Fachleute echt zum kotzen! Das problem ist der Kopf, ja. Nur so eine OP ist kein spaziergang und wird deswegen auch nicht an jeden x beliebigen Patienten gemacht. Jedenfalls nicht von jemand der sein Handwerk versteht. Adipositas per magna ist ein ernst zunehmendes Gesellschafts problem und es wird weiter voranschreiten wenn man nichts dagegen tut. Nur mit so dummen aussagen wie:sollen sie weniger essen oder sollen sie mehr sport machen. Hat das schon lange nichts mehr zu tun. Solche dummen unwissenden aussagen bringen ander dazu sich zu isolieren und das ganze zu verschlimmern. Adipöse Menschen erfahren hilfe wenn sie wissen wo. Nur das problem ist ja mal das hier wieder das Wort Dick benutzt wird und nicht die richtige Bezeichnung Adipös! Und falls jemand wirklich intresse hat sich hilfe zu holen, den dasmuß man als Betroffener , sich hilfe holen. Dann googelt man unter Adipostas Selbsthilfe oder Vereine. Oder bemüht sich am 21. November nach Frankfurt und siehts sich mal einen Adipositastag an. Google hilft!
- Pilates
- PKV
- Heuschnupfen
- Arthrose
- Cholesterin
- Versandapotheke
zu Gesundheit
































