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18.01.2013, 10:30 Uhr

Krebs: Leber lässt Muskeln und Fettreserven schwinden

Krebskranke leiden oft auch unter einem dramatischen Verlust der Fett- und Muskelmasse, egal wie viel sie essen. Bislang war die Ursache der krebsbedingten Auszehrung (Kachexie) unbekannt. Heidelberger Tumorforscher konnten jetzt bei Versuchen an Mäusen zeigen, dass die Leber dabei eine entscheidende Rolle spielt. Demnach aktiviert der Tumor einen zentralen Genschalter in dem Stoffwechselorgan, der den Blutfettspiegel senkt und so zu der starken Abmagerung führt.

Wichtigste Energiequelle fehlt

"Kachexiepatienten haben oft eine entzündliche Fettleber - das war für uns ein starkes Indiz für eine Beteiligung des Organs", so Studienleiter Stephan Herzig. Wie die Wissenschaftler in ihren Untersuchungen feststellten, haben krebskranke Mäuse neben einer Fettleber auch einen extrem niedrigen Blutfettspiegel. Ihnen fehlt also die wichtigste Energiequelle im Körper. Die Leber krebskranker Mäuse schüttet nur sehr wenig VLDL (very low density lipoprotein) aus, das als Fetttransporter funktioniert. Auch sind in dem Organ die Gene für alle wichtigen Schritte der Fettsynthese blockiert.

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Genschalter als Triebfeder

"Das ist ein deutlicher Hinweis, dass ein zentraler Genschalter in der Leber die Kachexie antreibt", so Herzig. Er und sein Team legten daher den Fokus ihrer Untersuchung auf Unterschiede bei den Schalterproteinen, welche die Genaktivität und damit auch den Energiestoffwechsel der Leber steuern. Tatsächlich kommt der Genschalter TSC22D4 in der Leber krebskranker Nager in größerer Menge vor als bei gesunden Artgenossen.

Um die Funktion von TSC22D4 zu überprüfen, legten die Forscher den Schalter still. Das Organ bildete daraufhin wieder ausreichend VLDL und der Blutfettspiegel der Tiere stieg an. Auch die zuvor blockierten Gene, die an der Fettsynthese beteiligt sind, waren wieder aktiv.

Neuer Ansatz, um Auszehrung zu bremsen?

"Unsere Ergebnisse belegen zum ersten Mal, dass der dramatische Verlust an Körpermasse zentral von der Leber reguliert sein könnte", so Stephan Herzig. "Inzwischen wissen wir außerdem, dass TSC22D4 in den Leberzellen des Menschen genau die gleiche Wirkung hat." Zudem gebe es Hinweise darauf, dass sich der Genschalter über Abbauprodukte des Stoffwechsels steuern lässt und so die fatale Auszehrung möglicherweise gebremst werden könnte. "Dieser Ansatz ist allerdings experimentell noch nicht belegt, das wollen wir im nächsten Schritt untersuchen", erklärt Herzig.

20 Prozent sterben an Kachexie

Je nach Tumorart leiden bis zu 70 Prozent der Krebspatienten an Kachexie. Besonders stark betroffen sind Patienten mit einer Tumorerkrankung im Verdauungstrakt und in der Lunge. Dabei kommt es mitunter zu einem Verlust von bis zu 80 Prozent des Körperfetts und der Skelettmuskelmasse. Der Muskelschwund macht die Kranken nicht nur schwach, sondern verschlechtert auch den Behandlungserfolg. Experten schätzen, dass 20 Prozent der Krebstodesfälle auf eine extreme Auszehrung zurückzuführen sind. (kr)

Quelle: Herzig S et al. Transforming growth factor-beta1 Stimulated Clone-22 D4 is a molecular output of hepatic wasting metabolism. EMBO Molecular Medicine 2013, (DOI: 10.1002/emmm.201201869)

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