Eineiige Zwillinge: Gen-Merkmale ändern sich im Mutterleib
Die Gene eines Menschen bestimmen vieles – vom Geschlecht über die Augenfarbe bis hin zu Charakterzügen. Doch ein mit der Zeugung angelegtes genetisches Muster kann auf verschiedene Arten gelesen werde. Abhängig davon, welche Gene aktiv sind, wächst und altert ein Mensch schneller oder langsamer. Auch sein Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs hängt teilweise an dieses epigenetischen Markern.
Verschiedene Genschalter angeknipst
In einer Studie analysierten Forscher das Erbgut von 22 eineiigen und 12 zweieiigen Zwillingen. Epigenetische Merkmale sind kleine strukturelle Veränderung des DNA-Strangs. Die Anheftung sogenannter Methylgruppen kann ganze Abschnitte der Erbsubstanz ausschalten. Das bedeutet, die Gene sind zwar da, werden aber nicht abgelesen. DNA-Methylierungen sind im Laufe des Lebens veränderbar. Epigenetische Merkmale werden bei der Zellteilung an Tochterzellen weitergegeben, sind aber nicht in der DNA-Sequenz festgelegt. Bislang ging man davon aus, dass eineiige Zwillinge bei der Geburt nicht nur die Gene, sondern auch das Methylierungsmuster teilen.
Doch überraschenderweise fanden die Wissenschaftler auch bei den eineiigen Zwillingspaaren ganz unterschiedliche Methylierungsmuster. Die gleichen Umwelteinflüsse im Mutterleib prägen sich offenbar unterschiedlich in das ursprünglich gleiche Erbgut ein.
Schwangerschaft legt den Grundstein der Gesundheit
Bei Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht fanden die Forscher außerdem auffällig häufig ein bestimmtes Merkmal, das sie schon kannten: Ein Metylierungsmuster für ein höhere Diabetes- und Herz-Kreislauf-Risiko. Die Neigung zu solchen Erkrankungen ist also offenbar schon im Mutterleib angelegt. Oder positiv formuliert: Der Grundstein für eine stabile Gesundheit wird schon in der Schwangerschaft gelegt. Wie genau, wissen die Forscher leider noch nicht. (nb)
Quelle: Gordon, L. et al.: Neonatal DNA methylation profile in human twins is specified by a complex interplay between intrauterine environmental and genetic factors, subject to tissue-specific influence. Genome Res 2012; doi: 10.1101/gr.136598.111.
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