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04.12.2011, 17:23 Uhr

Weihnachtsmarkt – Biotop ungesunder Ernährung in Kooperation mit WELT Online

Zuckerwatte, Bratwurst und Paradiesapfel: Der Weihnachtsmarkt lockt mit ungesunden Lebensmitteln. Doch es gibt auch einige gesunde Leckereien.

Von Jörg Zittlau

Keine Adventszeit ohne Weihnachtsmarkt. Ohne Bratwurst, Champignonpfanne und gebrannte Mandeln. Essen – das ist die Idee eines jeden Weihnachtsmarktes, schon von seinen ersten Anfängen an. Denn ursprünglich war er dazu gedacht, dass die Menschen sich auf ihm mit jenen Lebensmitteln und Gegenständen eindecken, die für den Winter benötigt werden.

Heute freilich nutzt man ihn eher zu Einkäufen für den weihnachtlichen Gabentisch. Und zum Schlemmen. Allein die Düfte des Weihnachtsmarkts stimulieren das Appetitzentrum in unserem Gehirn. Allerdings ahnt man bei Zuckerwatte, Bratwurst und Paradiesapfel schon, dass dies nicht unbedingt gesund ist.

Doch zu viele Sorgen sollte man sich auch nicht machen: Denn erstens ist nicht das ganze Jahr Weihnachtsmarkt – und zweitens gibt es auf ihm auch durchaus gesunde Speisen und Getränke.

Wie etwa die Champignonpfanne, die sich in den letzten Jahren zu einem echten Weihnachtsmarktrenner gemausert hat. Pilze enthalten zwar weniger Vitamine als Brokkoli, Salat und anderes Gemüse, doch bei Mineralien wie Kalium, Jod und Fluor erreichen sie dafür bessere Werte. Entscheidender ist aber das, was sie nur sehr wenig enthalten: nämlich Kalorien. Unter den vielen Hochenergielieferanten des Weihnachtsmarktes besitzen Champignons mit weniger als 50 Kilokalorien auf 100 Gramm einen echten Ausnahmestatus.

Demgegenüber liefern Walnüsse und Mandeln mit durchschnittlich 600 Kilokalorien ungefähr jene Energiemenge, die Ernährungswissenschaftler für eine komplette Hauptmahlzeit empfehlen. Trotzdem tragen Nüsse und Mandeln laut jüngeren Studien nicht zum Übergewicht bei, denn ihre ungesättigten Fette werden im Körper weniger als Kalorien- denn als Funktionsträger genutzt. Beispielsweise verbessern sie den Blut- und Gallefluss und senken die Konzentration des schlechten LDL-Cholesterins.

Die Walnuss enthält zudem reichlich Melatonin, das eine Schlüsselrolle im menschlichen Schlafrhythmus spielt, und Mandeln konnten kürzlich in einer iranischen Studie zeigen, dass sie sogar noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, wenn sich bereits eine Fettstoffwechselstörung ausgebildet hat. Wenn sie allerdings, wie auf dem Weihnachtsmarkt üblich, in Zucker kandiert werden, geht ihr Kalorienwert steil nach oben – und mit ihrer Klebrigkeit können sie auch so manche Plombe aus dem Zahn ziehen

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Ähnliches gilt für den Paradiesapfel. Denn auch wenn Äpfel aufgrund ihrer Pektine eigentlich gesund sind– jüngst konnten amerikanische Forscher ihnen sogar einen cholesterinsenkenden Effekt bescheinigen –, werden sie durch die Zuckerglasur vor allem zu Kalorienbomben. Einen Paradiesapfel mit seinen 400 bis 500 Kilokalorien kann man eigentlich nur dadurch ausgleichen, wenn man auf das komplette Abendessen verzichtet.

Die Krapfen des Weihnachtsmarktes taugen ebenfalls nicht zum Abspecken. Aber was will man von einer Speise erwarten, die früher von Klosterbrüdern eingesetzt wurde, um sich ein Polster für kommende Fastenzeiten zu schaffen? Krapfen werden eben in Fett gebacken, und das treibt ihre Kalorienwerte in Richtung Paradiesapfel. In Franken werden sie wenigstens mit extrem Vitamin-C-haltigem Hagebuttenmark gefüllt, am Kalorienwert ändert das aber nicht viel.

Ein "schräger Vogel" unter den Leckereien des Weihnachtsmarktes sind die Maronen. Denn eigentlich gehören sie zu den Nüssen, die bekanntermaßen durch Proteine und ungesättigte Fette beeindrucken. Doch in den Esskastanien dominiert mit über 40 Prozent der Zucker. Das ist kein ernährungsmedizinischer Nachteil, weil das meiste davon auf das Konto komplexer Kohlehydrate geht. Dadurch lassen Maronen den Blutzuckerspiegel weniger steil ansteigen als etwa Zuckerwatte, die ja auch auf Weihnachtsmärkten angeboten wird. Sie sorgen vielmehr für eine stabile Energiebasis, und leicht bekömmlich sind sie außerdem. Eigentlich schade, dass Maronen hierzulande fast nur zur Weihnachtszeit auf den Tisch kommen. Dabei kann man sogar Brot, Kuchen und Nudeln aus ihnen herstellen.

Ebenfalls saisontypisch ist der Lebkuchen, der schon von den alten Germanen im Winter als Gottesopfer dargebracht wurde. "Man ersehnte mit ihm die Wiederkehr der wärmenden Sonne und des Lichts", erklärt Medizinhistoriker Wolfgang Eckart von der Universität Heidelberg. Im Mittelalter verkauften Nonnen und Mönche die Honigbrote in klösterlichen Apotheken, sie sollten gegen Fieber helfen. Wissenschaftliche Beweise dafür fehlen, doch Lebkuchen brilliert durch extrem viel Zimt – und der wirkt tatsächlich antibiotisch. Zudem konnte das traditionsreiche Ayurveda-Gewürz in diversen Studien zeigen, dass es den Blutzuckerspiegel senkt, was natürlich für die an Süßigkeiten ohnehin überfrachtete Weihnachtszeit genau das Richtige ist.

Zimt findet man auch in fast allen typischen Getränken des Weihnachtsmarktes. Wie etwa in Glühwein und Feuerzangenbowle, die zudem noch mit anderen gesunden Gewürzen wie Sternanis und Nelke brillieren. Was aber nichts daran ändert, dass die beliebten Bauchwärmer reichlich Kalorien und Alkohol enthalten, und Letzterer geht durch den Zucker und die Hitze des Getränks auch relativ zügig ins Blut. Das Autofahren sollte man also nach dem Verzehr von Bowle oder Glühwein tunlichst unterlassen. Außerdem sollte man sie dort trinken, wo man beim Weinzusatz auf hochwertige Produkte setzt. Deren Geschmack wird zwar durch den Zucker möglicherweise zugedeckt, doch dafür entwickeln sie weniger Fuselalkohol – und das bewahrt vor dicken Köpfen.

Auch der Christstollen hat eine lange Tradition. "Volkskundliche Deutungen sehen in dem mit Zucker überpuderten Laib", sagt der Medizinhistoriker Eckart, "ein Symbol für das gewickelte Christkind." Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sieht hingegen im Stollen in erster Linie eine Süßigkeit, "die nicht geeignet ist, um sich daran satt zu essen". Doch immerhin, auch in ihm findet sich Gesundes: Seine Rosinen und Korinthen enthalten reichlich Ballaststoffe und Kalium. Und dass seine Mandeln uns nicht dick werden lassen, wissen wir ja schon. Süßigkeiten können eben durchaus gesund sein, sofern man sie nur in Maßen verzehrt.

© WELT Online

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4 Meinungen zu "Adventszeit: Die Sünde lockt"

  • Pooka
    Montag, 05.12.2011, 08:55 Uhr
    Wo sind denn da jetzt die gesunden Leckereien? Bei allen wird gesagt: Ist aber durch Kandis schon wieder ungesund. Ausser die Pilzpfanne, die aber die meisten mit einer schweren Sauce essen und die dazu in reichlich Fett gebraten werden. Die Unterheadline ist also eher irreführend.
  • JonnDoe
    Montag, 05.12.2011, 08:36 Uhr
    Ich habe das hier wohl sehr selten geschrieben, aber DAS ist mal ein Artikel, der mir sehr gefällt. Gut recherchiert und enthält einige Hintergründe, die mir noch nicht bekannt waren. Sorry an die beiden bisher Kommentierenden, aber es muss nicht jeder Champignons mögen und wenn die alle ungeputzt wären, würde man das sehr schnell an Sand- und Erdkörnern im Mund merken. Außerdem wird das ganze durcherhitzt, trotzdem gibt's natürlich immer schwarze Schafe. Ich glaube auch kaum, dass sich jetzt jemand an den negativen Fakten der Weihnachtsmarktangebote davon abgehalten sieht, die eine oder andere geliebte Leckerei zu schnabulieren. :-)
  • munichman1982
    Montag, 05.12.2011, 07:31 Uhr
    Haben wir noch nicht genug magersüchtige Teenager? Jedenfalls spricht aus dem Artikel eine Genussfeindlichkeit, die schon geradezu neurotische Züge trägt. Muss denn immer alles, was man isst, "wertvolle" Vitamine, Spurenelemente und Mineralien etc. enthalten? Kann man denn nicht einfach mal etwas essen, um sich am Geschmack zu erfreuen? Ganz offensichtlich nicht, sondern man soll (zumindest geht das aus dem Artikel hervor) jeden Genuß, jede Schlemmerei, jeden positiven kulinarischen Sinneseindruck vor sich selbst rechtfertigen und rationalisieren. Und wehe, man hat nicht zumindest in Ansätzen ein schlechtes Gewissen! Leider ist diese Lustfeindlichkeit in unserer Gesellschaft mittlerweile Konsens. Das schlechte Gewissen des "Sünders" (allein dieser Ausdruck ist pervers) beim Geschlechtsverkehr ist dem schlechten Gewissen beim Verzehr einer Schokotrüffeltorte, einer Feuerwurst, eines glasierten Apfels oder einer Kokosmakrone gewichen. Und niemand kann mir weismachen, dass sich diese Leidenschaftslosigkeit nicht auch auf andere Lebensbereiche auswirkt.
  • Harry1972
    Sonntag, 04.12.2011, 17:59 Uhr
    "Allein die Düfte des Weihnachtsmarkts stimulieren das Appetitzentrum in unserem Gehirn." Und dann kommt die Champignonpfanne? Nicht nur, daß die ekelig riecht, nein, die betreiber kippen die Pilze direkt aus dem Karton in die Pfanne...ungeputzt! Sehr appetitanregend!
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