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28.02.2013, 16:32 Uhr

Übergewicht: Schuld sind auch die Darmbakterien

München (netdoktor.de) – Darmbakterien sind manipulativ: Einige von ihnen stacheln ihren Wirt womöglich dazu an, besonders viel zu essen. Ließe sich die Darmflora verändern, könnte man das Risiko für Übergewicht vielleicht drastisch senken. Zu diesem Schluss kamen französische Forscher, als sie den Zusammenhang von Mikroben und Fettleibigkeit untersuchten.

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Niemand bestreitet, dass wenig Bewegung und üppige Kost die Fettspeicher des Körpers schwellen lassen. Die Kombination aus beidem ist der Hauptgrund für die zunehmende Verfettung der Bevölkerung. Doch selbst Wissenschaftler finden bislang keine überzeugende Erklärung dafür, dass manche Menschen derart anfällig dafür sind, zuzunehmen. Die Frage ist, ob es abgesehen von strengem Kalorienzählen und viel Bewegung weitere Möglichkeiten gibt, extreme Gewichtzunahmen solcher Hochrisikokandidaten zu verhindern oder rückgängig zu machen.

Experiment Darmflora

Das Team um Frank Duca vom Institut Scientifique de Recherche Agronomique hat anhand von Mäusen untersucht, ob die Art und Mischung der Darmbakterien eine Rolle für das Gewicht spielt. Dazu impften sie bis dahin mikrobenfreie Labornager entweder mit den Darmbakterien von Artgenossen, die zu Fettleibigkeit neigten, oder mit der Darmflora von Tieren, die tendenziell schlank belieben. Ein Teil der Tiere aus jeder Gruppe erhielt normale Futterportionen. Die übrigen hatten unbegrenzt Zugang zu fettreichem Futter. Über einen Zeitraum von acht Wochen dokumentieren die Wissenschaftler Nahrungsaufnahme und Gewichtszunahme der Tiere.

Übertragene Fettleibigkeit

Das Ergebnis: Mäuse, die Darmbakterien von zur Fettleibigkeit neigenden Nagern erhalten hatten, fraßen tatsächlich mehr und nahmen stärker zu als Tiere, deren Darmbakterien von schlanken Artgenossen stammten. Außerdem hatten sich die Nährstoffsensoren im Darm der mit Dickmachmikroben ausgestatteten Tiere so verändert, dass sie eher zum Vielfressen animiert wurden.

Die Forscher vermuten nun, dass bei Individuen, die sich überfressen, möglicherweise eine spezielle Darmflora die Gewichtszunahme fördert. Zudem könnten manche Bakterienpopulationen das Verhalten ihres Wirts dahingehend verändern, dass er mehr Nahrung zu sich nimmt. Eine weitere Hypothese der Forscher ist, dass der Bakteriencocktail im Darm das Sättigungsgefühl beeinflusst. Ihre Ergebnisse und Thesen stellten die Forscher auf der Fachtagung "Experimental Biology 2012" in San Diego vor.

Vielseitige Mikroben

Schon lange weiß man, dass die Darmflora für den Körper unentbehrlich ist. Beispielsweise für die körpereigene Abwehr oder die Versorgung mit wichtigen Substanzen wie dem Vitamin B 12. In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise, dass die Darmflora noch eine weit größere Rolle für die menschliche Gesundheit spielen könnte. Eine der interessantesten Hypothesen ist, dass die Darmbakterienkolonie direkt das Risiko für Übergewicht beeinflusst – und zwar auch beim Menschen.

Erste Studien haben gezeigt, dass fettleibige Personen eine andere Darmflora haben, als schlanke. Bei ihnen fanden Forscher beispielsweise besonders viele Bakterien, die die Nährstoffe so verstoffwechseln, dass sie vom menschlichen Wirt besonders gut aufgenommen und schließlich als Fett gespeichert werden können.

Quelle: The American Society for Nutrition

US-Amerikanerin klagt wegen hohen Fettgehalts - Hersteller stimmt zu. >

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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13 Meinungen zu "Darmflora kann dick machen"

  • strathmann
    Mittwoch, 27.03.2013, 15:15 Uhr
    Eine entartete Darmflora hat immer einen Grund. Da sollte man besser ansetzen als an leeren Sprüchen. Ein Darm ohne Flora endet garantiert tödlich.
  • Physikus
    Montag, 25.03.2013, 13:43 Uhr
    @Olum: Klar ist es der Spieltrieb der Forscher herauszufinden, wie der Stoffwechsel von Normal- und Übergewichtigen genau funktioniert. Und möglicherweise sind ein paar der Forschungsgelder sogar gut angelegt: Auch wenn nur jeder vierte Übergewichtige von den Forschungsergebnissen profitiert, werden viiel mehr Folgekosten durch Arbeitsausfälle etc. eingespart, als die Forschung gekostet hat. Das ist doch eine höhere Ausbeute, als wenn man das gleiche Geld auf ein Sparbuch einzahlen würde..:-) Und hörst Du keine CDs? Der Laser ist in den 1060ern ebenfalls durch den Spieltrieb der Forscher erfunden worden; die Anwendungen kamen erst hinterher...;-)
  • kopfkissen
    Donnerstag, 03.05.2012, 13:58 Uhr
    Wer schon mal zu viele Hefepilze im Darm hatte, kann die Thesen der Wissenschaftler durchaus nachvollziehen. Ich jedenfalls habe während des Befalls unter kaum zu kontrollierendem Heißhunger auf Weißbrot und Süßes gelitten. Gleichzeitig war ich total schlapp und antriebslos. Also beides Dinge die man bei vielen Übergewichtigen feststellen kann. Es macht also durchaus Sinn hier mehr zu forschen. Bis jetzt sind Hefepilze im Darm schwer festzustellen und das ganze wird von vielen Hausärzten als Modekrankheit belächelt. Da hilft oft nur sich selbst behandeln. Bei mir hat es super funktioniert. Essverhalten und die Verdauung sind wieder völlig normal.
  • Calijnar
    Dienstag, 01.05.2012, 15:49 Uhr
    Es geht sehr wohl darum, dass Dicke zu viel essen. Gut es gibt einen Einfluss durch die Darmflora, aber es gibt bestimmt sehr viele Menschen, die weniger Essen als sie eigentlich Hunger hätten und es gibt noch mehr, die sich nicht der Lust auf Süßigkeiten hingeben. Eben um nicht dick zu werden. Ich finde man schafft dicken Menschen mit solchen Studien nur eine Ausrede, um sich nicht selber gegen ihr Übergewicht ins Zeug zu legen. Letztendlich muss man eben weniger oder gesünder essen und da führt kein Weg dran vorbei. Wahrscheinlich verändert sich die Darmflora sogar negativ je nachdem wie deine Essgewohnheiten sind.
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