Dick über Nacht
Wie und was man isst, zeigt sich schnell auf der Waage. Doch auch die Uhrzeit spielt eine entscheidende Rolle für die Figur: Wer nachts ständig futtert, legt mehr zu, als wenn er dasselbe tagsüber verzehrt
Ab auf die Couch, Fernseher an und die Chipstüte griffbereit - für viele Menschen sieht so der perfekte Feierabend aus. Solche Angewohnheiten sind nicht unbedingt gut für die Figur - das schwant wohl den meisten. Doch es kommt noch schlimmer: Knabbern zu später Stunde macht gleich doppelt dick. "Wer denselben Snack am Tag verzehrt, nimmt weniger stark zu", erklärt Satchidananda Panda vom Salk Institute for Biological Studies im Gespräch mit NetDoktor. Das gilt zumindest für Menschen, die regelmäßig nachts schnabulieren.
Bislang habe sich die Aufmerksamkeit der Wissenschaft vor allem darauf gerichtet, was und wie viel jemand isst. "Welchen Einfluss es hat, wann wir essen, ist vernachlässigt worden", erläutert der Forscher. Dabei scheint dies einen enormen Einfluss auf das Risiko für Übergewicht zu haben.
Mastkur für Mäuse
Um herauszufinden, wie der Essrhythmus sich auf den Stoffwechsel auswirkt, setzte Pandas Team zwei Gruppen von Mäusen für 18 Wochen auf eine sehr fettreiche Diät. Während die eine Gruppe der Nager stets Zugang zum Futter hatte, musste die zweite Gruppe über Nacht acht Stunden fasten.
Das Ergebnis: Obwohl beide Gruppen insgesamt die gleiche Menge Futter verzehrt hatten, legten die nächtlichen Asketen deutlich weniger an Gewicht zu. Ihre Leber litt weniger unter dem fetten Futter und ihre Insulinempfindlichkeit blieb erhalten. Auch die Entzündungswerte im Blut lagen niedriger. Tatsächlich beeinflusste das nächtliche Fasten verschiedene Signalwege, die den Stoffwechsel regulieren, fanden die Forscher. Das galt nicht nur für fettreiche Mastkuren: In einer Vergleichsstudie mit gesund ernährten Mäusen setzten die nächtlichen Esser ebenfalls stärker an.
Getakteter Stoffwechsel
"Jedes Organ hat seine eigene innere Uhr", so Studienleiter Panda. Das bedeute, dass Leber, Darm oder auch Muskeln normalerweise zu bestimmten Zeiten besonders effizient arbeiten - und zu anderen Zeiten mehr oder weniger schlummern.
Wann die Organe besonders aktiv sind, regulieren verschiedene Gene. Optimalerweise sind sie so getaktet, dass der Stoffwechsel zu Zeiten der Nahrungsaufnahme auf Hochtouren läuft. Sie arbeiten jedoch nicht stur nach ihren vorprogrammierten Rhythmus, sondern springen an, wenn wir essen.
Erschöpfte Gene
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Dauerndes Futtern kann diese normalen Stoffwechselzyklen aus der Bahn bringen. "Wenn wir unentwegt essen, sind die regulierenden Gene niemals vollkommen an- oder abgeschaltet", erklärt der Wissenschaftler. Das sei ganz ähnlich, wie nach einer schlaflosen Nacht: "Am folgenden Tag ist man nicht richtig wach und arbeitet weniger effizient", erklärt der Forscher.
Davon betroffen sind unter anderem Gene, die den Blutzucker beeinflussen, die den Abbau eingelagerten Fetts steuern oder die Cholesterinwerte im Blut justieren.Millionen Jahre hat der Mensch ausschließlich am Tag gegessen. "Unser Körper ist darum darauf geeicht, nachts rund zwölf Stunden zu fasten."
Der Mensch des Industriezeitalters hingegen bleibt oft noch spätabends wach, surft im Internet oder schaut fern. "Und wer nachts auf ist, knabbert gern noch etwas", so Panda. Solche Gewohnheiten könnten erheblich zur grassierenden Fettleibigkeitsepidemie beigetragen haben, argwöhnt der Forscher. Trotzdem macht die Studie Hoffnung: Schließlich kann jeder für sich entscheiden, ob er spätabends noch futtert - oder eben nicht.
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
42 Meinungen zu "Die Tücken des späten Hungers"
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MAK2
Mittwoch, 11.07.2012, 14:32 Uhr ~ -
hofbauer
Donnerstag, 07.06.2012, 13:22 Uhr Die Diätindustrie möchte ja auch ein Stück vom "Fetten" Kuchen bekommen und immmer mehr kaufen "Schlankmacher" ein Jahr später das selbe Spiel. Ich kann Fett nicht ertragen, finanziert nicht die Krankenkasse teilweise, oder auch mehr der Gesundheitskosten? -
bibbi2000
Freitag, 01.06.2012, 17:04 Uhr na toll,selbst wegen der menschlichen figur machen sie jetzt schon tierversuche,nur um herauszufinden,wie wir wieder abnehmen können!!!! -
Nachtkerze
Dienstag, 29.05.2012, 15:38 Uhr Es kommt immer darauf an, WAS man ist und nicht WANN! Wenn man sich regelmäßig ein Stück Torte (wie die Ische auf dem Foto) reinschiebt (sei es nachts um 12 oder nachmittags um vier), dann ist es kein Wunder, wenn man ansetzt. Außerdem kann man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Manche nehmen schneller zu und andere eben weniger schnell oder gar nicht, egal ob man nachts isst oder nur am Tage. Hauptsache man hat was zu meckern.
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