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10.01.2013, 12:30 Uhr

Das Schmelzen der Korpulenz

Auch Fettgewebe braucht Nahrung, um zu gedeihen. Ein neuer Wirkstoff zielt auf die Blutgefäße des dicken Energiedepots, kappt langsam die Versorgung  und lässt das gebunkerte Fett schmelzen

Fett loswerden, indem sich Dicke ein Medikament einwerfen? Die Wunderpille gegen Übergewicht ist noch immer ein Traum. Vielleicht sind Wissenschaftler jetzt aber der Fettschmelze per Pille einen Schritt näher gekommen: Ein winziges künstliches Eiweißmolekül rafft die ungeliebten Polster nach und nach dahin - zumindest in Versuchen mit korpulenten Affen. Getauft haben die Entdecker die Substanz "Adipotide". Das erinnert an das Wort Adipositas - Fettleibigkeit.

Kollektiver Gefäßuntergang

Hoffnungsvoll stimmende Nachrichten aus der Anti-Fett-Forschung gab es schon oft - und fast ebenso oft enttäuschten sie. Die meisten dieser Wirkstoffe setzten im Gehirn an, wo sie Hungergefühle zähmen und den Energieumsatz anzukurbeln sollten. Doch leider ging das meist mit erheblichen Nebenwirkungen einher: Die Abspeckpillen schadeten dem Herzen, der Lungenfunktion oder förderten gar Suizidgedanken.

Adipotide hingegen zielt auf das weiße Fettgewebe. Der Wirkstoff dockt an einen Rezeptor an, der in den Innenwänden der Blutgefäße sitzt. Sie versorgen das Fettgewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff. Durch diesen Reiz erhalten die Blutgefäßzellen den Befehl zur kollektiven Selbstzerstörung - der sogenannten Apoptose.

Schrumpfende Fettdepots

Wie sich das auswirkt, zeigte das Abspeck-Experiment, das Kirstin F. Barnhart und ihr Team von der University of Texas mit drei verschiedenen Affenarten durchführten - Rhesusaffen, Pavianen und Makaken. Fettleibige Tiere, die zwei Monate lang täglich eine Injektion Adipotide erhalten hatten, verloren 9 bis 15 Prozent ihres Körpergewichts und bauten 38,7 Prozent ihres Fettgewebes ab. Das belegten Bilder aus dem Magnetresonanztomografen sowie Röntgenbilder. Bei den zehn korpulenten Kontrolltieren, die nur ein Placebo erhalten hatten, schrumpfte die Fettmasse nur um 14,8 Prozent.

Auch die Insulinempfindlichkeit stieg bei den Tieren aus der Wirkstoffgruppe wieder an, was die Blutzuckerwerte verbesserte. Damit sank die Gefahr, einen Diabetes zu entwickeln. Bei den Kontrolltieren blieben diese Werte unverändert.

Weniger Fett, weniger Hunger

Die Tests mit Adipotide waren zunächst nur an Nagern durchgeführt worden - wenn auch erfolgreich. Doch diese Studien sind in punkto Übergewicht für den Menschen nur bedingt aussagekräftig: Stoffe, die bei Mäusen und Ratten für eine schlanke Linie sorgten, versagten in der Vergangenheit bei Menschen. Adipotide wirkt aber auch bei Affen, den nächsten Verwandten des Menschen, gut. Das schürt die Hoffnung, dass die Forscher tatsächlich ein wirksames Medikament entdeckt haben, das dem krankmachenden Speck zuleibe rückt.

Wie genau der künstliche Eiweißstoff wirkt, ist aber noch unklar. Offenbar geht die Attacke aufs Fett auch mit einem weniger ausgeprägten Hungerbedürfnis einher. Affen, die den Wirkstoff erhielten, fraßen weniger. Das ließe sich womöglich damit erklären, dass das Fettgewebe selbst Hormone ausschüttet, die Hunger erzeugen. Weniger Fett bedeutet somit auch geringere Esslust - ein sich positiv verstärkender Kreislauf.

Interessant war, dass dieser Effekt bei schlanken Kontrolltieren nicht auftrat: Sie aßen trotz der täglichen Dosis Adipoide wie gewohnt - und sie verloren auch kein Gewicht. "Der zugrundeliegende Mechanismus könnte daher für übergewichtige Primaten spezifisch sein", folgerten die Forscher. Was den Appetit hemmt und ob zusätzliche Faktoren wie ein erhöhter Energiebedarf zum Schwinden der Fettdepots führen, muss noch in weiteren Studien untersucht werden.

Nebenwirkungen ungeklärt

Ob Adipotide auch Menschen das Abnehmen erleichtert, ist ebenfalls noch offen - genau wie die möglichen Nebenwirkungen. Bislang hatte sich nur gezeigt, dass die die tierischen Testteilnehmer größere Mengen an Urin ausschieden als gewöhnlich, was zu einer leichte Dehydration führte - ein Hinweis auf eine gestörte Nierenfunktion. Allerdings war dieser Effekt mild und die Organe erholten sich schnell nach Ende des Experiments.

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Quelle: Kirstin F. Barnhart: A Peptidomimetic Targeting White Fat Causes Weight Loss and Improved Insulin Resistance in Obese Monkeys, www.ScienceTranslationalMedicine.org 9 November 2011 Vol 3 Issue 108 108ra112

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Alle News vom: 10. Januar 2013 Zur Übersicht: Gesundheit

143 Meinungen zu "Schlankheitspille wird real"

  • Opossum666
    Mittwoch, 15.02.2012, 11:39 Uhr
    @Hamburguesa, s.2: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. >>>Kollektiver Gefäßuntergang<<< Das ist auch eine Nebenwirkung von Thalidomid, die man sich heute in der Lepra- und Krebstherapie zunutze macht. Früher hat es zu den "Contergan"-Schädigungen geführt. Da behalte ich lieber meine überflüssigen Pfunde oder mache doch mehr Sport." Unter den Nebenwirkungen von Contergan hatten vorallem die Kinder der Frauen zu leiden, denen das mittel als "harmloses" Schlafmittel verabreicht wurde. Wenn frau nicht gerade schwanger ist, sind die Nebenwirkungen im Rahmen des Einsatzes mehr als vertretbar. Bei der heutigen Anwendung von Thalidomid (zumindest in D, hab vor paar Jahren einen Bericht über Kinder mit den gleichen Missbildungen in Brasilien gesehen) wird peinlich genau darauf geachtet, wer das Mittel bekommt. In der Tumortherapie werden auch noch andere Mittel mit der gleichen gefässtötenden Wirkong eingesetzt, die aber dem Namen nach nicht so negativ vorbelastet sind. Da meine Fanilienplanung unwiderruflich abgeschlossen ist, hätte ich weder ein Problem mit einer Thalidomid-Krebsbehandlung noch mit einer wirksamen Abnehmhilfe auf dieser Basis.
  • Opossum666
    Mittwoch, 15.02.2012, 11:25 Uhr
    Für viele durch Krankheiten und Stoffwechselstörungen Fettleibige ist das eine gute Nachricht - vorallem im Hinblick auf die erhöhte Insulinempfindlichkeit. Bisher war es gerade für Diabetiker oft ein Teufelskreis. Insulin fördert Fettpolster, die verringern die Insulinwirksamkeit, also mehr Insulin, dadurch mehr Fett usw. Wenn dieses Mittel für eine Testreihe am Menschen reif ist: Ich melde mich freiwillig!!
  • Jaguarweibchen
    Donnerstag, 05.01.2012, 10:50 Uhr
    Sollte man nicht die Leute fragen, die am meisten unter den schlanken und z.T. auch arroganten Mitmenschen leiden, die tlw. ungefragt ihre unqualifizierten Kommentare abgeben, die derart unter die Haut gehen... Ich wäre als erste für diese Art von Pille, da ich als E-Rollstuhlfahrerin mich nicht wie andere bewegen kann. Und mit 2 Mahlzeiten am Tag bin ich nicht "verfressen", aber Cortison und Morphiumderivate, sowie Novaminsulfon und Topamac,u.s.w. hinterlassen ihre Spuren. Da hat man innerhalb kürzester Zeit sein Gewicht verdreifacht. Und selbst Ärzte geben dann unqualifizierte Kommentare ab. Bleibt nur zu hoffen, daß diese Ärzte irgendwann so ein Schicksal am eigenen Leib erfahren.
  • Harry1972
    Mittwoch, 16.11.2011, 14:54 Uhr
    Hmm...also ich fresse gerne disziplinlos! Meistens ist das auch kein Problem, denn ich verbrauche auch Unmengen an Energie. Mein Körper ist fast 2 Meter lang und wiegt im schlanken Zustand schon über 100 Kilo. Das ist, als würde man mit einem SUV durch die Gegend fahren...ich bin also nicht gerade ein Energiesparmodell. Zum Problem wird das erst, wenn ich mich nict genug bewege und trotzdem immer die gleiche Menge an Kalorien einfahre. Und ich kenne auch keinen Dicken in meiner Umgebung, dem die Extrakalorien heimlich ins Essen gewandert sind. Die einen sind wie ich und ernähren sich zwar grundsätzlich abwechslungsreich und gesund, aber einfach viel zu viel. Die anderen fressen sich die Extrapfunde mit Süßigkeiten und Knabberkram an. Dazwischen gibt es sicher noch zig Varianten von Fressern. Das Problem ist doch vielmehr, daß wir Menschen uns nur zu gerne selbst belügen und damit auch andere. Ich belüge mich nicht und weiß sehr genau, woher mein Fett kommt.
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    Mittwoch, 16.11.2011, 10:05 Uhr
    AmoLaMiaVita "Mit 800 kcal pro Tag zunehmen? Wer hat Dir den Bären denn aufgebunden?" Wie kommen sie darauf das es ein Bär wäre; bekannt ist doch das interessanter Effekt auftaucht, wenn man die Nährstoffzufuhr deutlich herunter fährt. Wer z.B. einen Grundumsatz von 2000 kcal hat und sagen wir mal einen Gesamtumsatz von 3000 kcal, wird ein Problem bekommen wenn der Gesamtumsatz auf 1000 kcal reduziert wird, denn dann sinkt der Grundumsatz auf Grund des dann eintretenden verlangsamten Stoffwechsels; der Jojoeffekt tritt auf. Die Antwort auf die 800 kcal Frage lautet also: Ja, man kann bei 800 kcal tatsächlich auch zunehmen. Es ist auch nichts wirklich neues, das man die Kalorienzufuhr nur minimal senken soll um dauerhaften Erfolg haben zu können; angemessen sind 500 kcal pro Tag, so halten sich Nebenwirkungen deutlich in Grenzen.
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