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11.02.2013, 10:58 Uhr

Warum Pferdefleisch gefährlich sein kann

in Kooperation mitDIE WELT

Ob in Lasagne oder Hamburgern: Der Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch weitet sich immer mehr aus. Tausende Menschen haben das Fleisch ahnungslos gegessen – das birgt eine gewisse Gefahr.

VonPia Heinemann

Pferdefleisch in Tiefkühlgerichten hat in der vergangenen Woche für Aufregung gesorgt. In Lasagne, Hamburgern und anderen Fertigprodukten war statt Rindfleisch Pferdefleisch gefunden worden. Zum Teil war sogar nur Pferdefleisch im Burger. Bislang sind solche "Pferdeburger" zwar noch nicht in Deutschland aufgetaucht, dafür aber in Großbritannien, Spanien und Schweden. Doch warum die Aufregung? Nur, weil das Pferd – nach dem Hund – des Menschen zweitbester Freund ist?

Vielleicht. Doch die Gesundheitsbehörden sind erfahrungsgemäß weniger sentimental. Sie sorgen sich, weil von Pferdefleisch, zumal, wenn es nicht als solches etikettiert in den Handel gelangt, eine gewisse Gefahr ausgeht.

Denn viele Tiere dürfen mit Medikamenten behandelt werden, mit denen Menschen nicht behandelt werden. Im Fall der Pferde ist das zum Beispiel der Wirkstoff Phenylbutazon. Er sollte, nach den Richtlinien der internationalen Dachorganisation für den Pferdesport (International Federation of Equestrian Sports, FEI), bei Pferden nur auf Rezept verschrieben werden.

Es hilft gegen Schmerzen und Fieber – und wird entsprechend häufig bei Hochleistungspferden im Rennsport häufig eingesetzt. Zudem hat es allerdings auch den Ruf eines Dopingmittels. Sein Einsatz im Pferdesport sollte bereits verboten werden – doch die Entscheidung über ein solches Verbot wurde vertagt.

Wirkstoff kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen

Bei Menschen ist der Wirkstoff nur in Ausnahmefällen in der EU zugelassen, um schwere Schmerzen zu behandeln, etwa bei Morbus Bechterew oder Chronische Arthritis. Doch es kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen: Magenentzündungen oder sogar –blutungen. In sehr seltenen Fällen kann es sogar eine Aplastische Anämie auslösen, die tödlich verlaufen kann.

Phenylbutazon aber hat die unangenehme Eigenschaft, dass es sich im Körper anreichern kann. Und, dass es zwar in der EU bei Pferden, die für die Fleischproduktion vorgesehen sind, verboten ist – dass dies aber nicht für andere Länder gilt. Aus den USA, aus Kanada und Mexiko werden jährlich tausende Tonnen Pferdefleisch in die EU importiert.

Normalerweise müssen alle Fleischlieferungen genaue Nachweise darüber führen, dass die geschlachteten Pferde niemals mit Phenylbutazon behandelt wurden. Jedes Pferd – und damit auch sein Fleisch - bekommt einen "Medikamentenpass".

Rennpferde werden oft mit Medikamenten behandelt

Aber in anderen Ländern landen auch Pferde, die ursprünglich im Reitsport aktiv waren, also nicht von vorneherein als Fleischlieferanten gehalten wurden, beim Metzger. Und nun sieht so aus, dass manche Pferde zu "Rindfleisch" verarbeitet wurden. Ob es Pferde aus dem Spitzensport waren oder nicht, ist bislang völlig unklar.

Klar ist aber, dass nicht jedes Kilogramm Fleisch, das über die Grenzen in die EU kommt, ohne einen besonderen Verdacht getestet werden kann. Vergangenes Jahr hatte sich die EU darüber besorgt gezeigt, dass die Medikamentenpässe bei Pferdefleisch aus Mexiko nicht immer einwandfrei seien.

Wer Pferdefleisch isst, sollte sich der möglichen Belastung des Fleisches mit Phenylbutazon also bewusst sein. Wenn nun aber auch Pferdefleisch als "Rindfleisch" auf dem Markt kommt (und in den Proben in Großbritannien bestanden manche "Rindfleischprodukte" zu bis zu 100 Prozent aus Pferd), so kann sich der Verbraucher nicht schützen.

Das Gute im Schlechten des aktuellen Pferdefleischskandals ist, das in Deutschland kaum jemand Pferdefleisch isst. Im Schnitt sind es 50 Gramm pro Jahr und Person – und die meisten Menschen werden nicht einmal auf diese 50 Gramm kommen. In anderen Ländern aber ist dies anders.

© DIE WELT

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343 Meinungen zu "Pferdefleisch birgt Gefahren"

  • Guenter5403
    Montag, 18.02.2013, 14:28 Uhr
    Schade, dass durch Gier nach immer mehr Reichtum, von einigen Konzernen und üblen Geschäftemachern die befölkerung immer wieder zu leiden hat. Pferdefleisch ist mager und eigentlich ein hochwertiges Fleisch, sofern es nicht mit chemischen Keulen behandelt wurde. leider wird dies wohl niemals ganz verhindert werden können, da auch die Strafen für solch üble vergehen in der lebensmittelindustrie viel zu gering ausfallen. Ich galoppiere dann mal los.
  • ichochnich
    Samstag, 16.02.2013, 16:17 Uhr
    Mit einem Aufdruck auf der Verpackung wäre das Problem gelöst:"...kann Spuren von Pferdefleisch enthalten."
  • niebel7777
    Samstag, 16.02.2013, 09:29 Uhr
    Bisher wurde hierzu noch keine Meinung abgegeben. Aber Sie haben doch bestimmt eine! weiter lesen: http://www.gmx.net/themen/gesundheit/ernaehrung/04a77ws-pferdefleisch-eu-entscheidet-europaweite-tests#.A1000146 Trotz Aufforderung kann man sich hierzu nicht äußern. Was soll das?
  • dreistein66
    Freitag, 15.02.2013, 12:39 Uhr
    Auch wenn es in Europa noch immer nicht sehr "in" ist, Lebensmittelskandale finden immer bei Fleisch (und Tierseuchen) statt. Eine Phantasievolle Vegetarische, besser noch vegane Ernährung, erübrigt jegliche diesbezügliche Zores. Gleichzeitig wird als Nebenprodukt der Welthunger beseitigt, weil an seiner Wurzel angepackt. Denn unser hypertropher Fleischkonsum mit gleichzeitiger ekeliger Profitgier läßt uns das Tierfutter größtenteils noch aus den ärmsten Ländern zu Preisen importieren, deren Höhe wir ihnen noch via Börsenspekulationen wahnwitzig diktieren. Das ganze ist derart widerwärtig, daß einem der Apetit auf Fleisch schon deshalb vergeht (auch wenn einem Fleisch und Fisch immer noch gut schmeckt). Doch wir führen lieber ein absurdes Leben mit derlei Auswüchsen und leben immer lustloser (Stichwort Sexualität), fressen und konsumieren bewußtlos kompensatorisch wie in drogenabhängiger Weise und haben deshalb jegliches Selbstregulationsgefühl dafür verloren, was ethisch akzeptabel ist. Deshalb müssen Medien verdummen und verneblen, damit wir all das ertragen bzw. verdrängen können.
  • Domowoi
    Freitag, 15.02.2013, 09:58 Uhr
    Also grundsätzlich ist gegen Pferdefleisch eigentlich gar nichts zu sagen - und schlechter als anderes Fleisch ist es sicherlich auch nicht. Nachweisbare Antibiotikarückstände etc. sind ja nun bereits seit Jahren ein Problem - und da war bisher noch gar nicht von Pferdefleisch die Rede.... Aber: Es sollte in einer Ware drin sein, was deklariert ist. Mir stellt sich gerade die Frage, WESHALB eigentlich Pferdefleisch statt Rindfleisch verwendet wurde. Wo ist da der Gewinn, wo der Profit versteckt? Pferdefleisch ist regulär ja sonst auch nicht gerade niedrigpreisig. Und sowohl beim Rind- als auch beim Pferdefleisch gibt es immer sowohl mindere als auch hohe Qualität. Hochgezüchtige Hochleistungskühe, wenn sie die Milchleistung nicht mehr bringen, landen genauso in der Wurst. Wenn man also billiges Fleisch im Handel hochpreisig verkaufen wollte - rein um des Profits willen - hätte man auch genauso billiges Rindfleisch nehmen können - oder mal wieder Fleischabfälle verwerten können. Das sollte doch eigentlich bei mafiösem Profitstreben mehr Gewinn abwerfen als Pferdefleisch in Lasagne, Frikadellen, Burger & Co. zu verstecken. Wie rechnet sich das also?
  • freizeitcowboy
    Freitag, 15.02.2013, 08:24 Uhr
    Dieser nun reflexartige Rundumschlag in Fleisch sind immer Medikamente drin hilft nicht weiter, ausser man versucht seine Mitmenschen aus ideologischen Gründen den Fleischkonsum madig zu machen . Wir haben einen Schweinezuchtbetrieb und natürlich wird eine Sau wenn sie nach der Geburt zb krank wird behandelt , würdet ihr auch machen oder soll ich Sie elendig krepieren lassen ? Jetzt kommt aber das große aber , wir müßen über jeden Medikamenteneinsatz in ein Kontrollbuch eintragen und erst wenn die vorgeschriebene Wartezeit vorbei ist das betreffende Tier zum Metzger . Bei der Schlachtung werden Proben gezogen und im Falle das Medikamente nachgewiesen werden hat der betreffende Landwirt den Staatsanwalt auf den Betrieb. In GB ist also definitiv bei den Pferdehaltern und bei den Kontrollen geschlampt worden.
  • SeppsLady
    Freitag, 15.02.2013, 07:59 Uhr
    Das einzig Wahre negative daran ist das Medikament! Bzw. das das keine gezüchteten Schlachttiere in der Lasagne waren! Denn wären diese darin, dann gäbe es die Gesundheitsgefärdung nicht, da diese wie schweine, kühe und Hühner gehalten bzw gefüttert werden müsssen (keine Medikamente etc.) Doch das Fleisch stammt von allen möglichen geschlachteten Pferden (egal ob Spring- Western, oder Rennpferd) Ansonsten könnte man diese Gefahrlos essen! Denn auch wenn es ein beliebtes "Haustier" (gilt auch für mich, also ich würde es nicht essen wenn ich es weiß!) ist, so ist es dennoch sehr gesund und hochwertiges Fleisch!
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