Ausprobiert: Macht das Energiearmband wirklich fitter?
Die Postsendung mit einem brandneuen Energiearmband der Firma Ampli5 kommt gerade richtig: Der Winter macht schlapp und müde - das will ich jetzt ändern. Eine große Herausforderung für so ein kleines Armband? Offenbar nicht, denn der Hersteller scheut sich nicht vor schwierigen Aufgaben und verspricht für den stolzen Kaufpreis von 39,90 Euro mehr Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Energie und Ausgeglichenheit.
Wie das Ganze funktioniert? Das Geheimnis liegt angeblich in der besonderen Legierung des Armbandes: Im Metall seien eine Vielzahl von elektromagnetischen Frequenzen gespeichert, so der Hersteller. Durch die Berührung mit der Haut sollen sie die körpereigenen Schwingungen beeinflussen, die durch Stress, Elektrosmog und andere Umwelteinflüsse aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Natürlich bin ich nicht die Erste, die das Armband ausprobiert. Bill Waylen, ein Sprecher der Firma Ampli5, stellte die vermeintliche Wirksamkeit 2011 im US-Fernsehsender Fox4 unter Beweis, indem er den TV-Praktikanten einem Gleichgewichtstest unterzog. Prompt funktionierte das Armband beim Versuchskaninchen tadellos: Der junge Mann stand felsenfest und war durch nichts aus der Balance zu bringen. So ganz traue ich dem Fernseh-Auftritt jedoch nicht und bin gespannt, wie das Armband bei mir wirkt.
Ich trage es jeden Tag, nur unter der Dusche und beim Schlafen lege ich es ab. Der Hersteller verspricht eine sofortige Wirkung, doch davon merke ich leider nichts. Weder bin ich sonderlich ausgeglichen, noch rundum gesund. Im Gegenteil: Der Winter schlägt auf die Stimmung und mein Immunsystem. Mehr Energie, bessere Fitness: Handelt es sich dabei also um nichts als leere Versprechungen?
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Was glauben Sie: Funktionieren Energiearmbänder oder nicht?
Um das herauszufinden, vereinbare ich einen Termin mit Andreas Moré, einem Diplom-Sportlehrer. Mit ihm möchte ich die von Ampli5 vorgeschlagenen Selbsttests durchführen. Sie bestehen aus Gleichgewichts-, Dehn- und Kraftübungen. Es wird geraten, die Übungen zuerst ohne, dann mit Armband durchzuführen. Andreas Moré und ich sind skeptisch, was diesen Ablauf betrifft. Häufig kommt es nämlich allein durch die Wiederholung einer Übung zur Verbesserung der Leistung: Erstens ist die Testperson beim zweiten Versuch besser vorbereitet und kann die Körperspannung auf die Übung einstellen. Zweitens ist der Körper bereits etwas stärker gedehnt. Um einen solchen Trainingseffekt zu vermeiden, absolvieren der Sportlehrer und ich bei jeder Übung einen dritten Durchlauf ohne Armband, sozusagen als Gegentest.
Wir haben uns vier verschiedene Übungen vorgenommen. Ich bin überrascht: Im ersten Durchlauf (ohne Energiearmband) schwächelt mein Körper. Im zweiten (mit Armband) schlage ich mich deutlich besser. Doch dann die Enttäuschung: Unser Gegentest - diesmal wieder ohne Armband - zeigt keinerlei Unterschiede zum zweiten Durchlauf.
Ich frage Andreas Moré, was er von der Sache hält. "Es ist schwierig. Bei unseren Tests hat das Armband versagt. Aber grundsätzlich bin ich offen. Ich denke, es kann durchaus funktionieren", so der Sportlehrer. Dass es in meinem speziellen Fall keinerlei Wirkung gezeigt hat, könne auch auf die Erwartungshaltung zurückzuführen sein. Skepsis auf Seiten des Probanden, aber auch des Testers könne die Ergebnisse beeinflussen.
Ich bin unschlüssig. Entweder das Energiearmband wirkt zwar grundsätzlich, kann aber offenbar schon durch subtile Faktoren so stark beeinflusst werden, dass es seinen Effekt verliert. Oder aber die positive Wirkung, auf die viele schwören, ist schlichtweg ein Placebo-Effekt.
Dass der Glaube tatsächlich Berge versetzen kann, zeigen Experimente der Sozialpsychologin Lysann Damisch und ihrer Kollegen von der Universität Köln. Sie stellten fest, dass Sportler, die Glücksbringer verwenden, tatsächlich bessere Leistungen bringen, wenn sie diese bei sich tragen. Glücksbringer gaben ihren Versuchsteilnehmern offenbar mehr Vertrauen in die eigene Leistung und trieben sie darüber hinaus dazu an, sich mehr anzustrengen.
Ich beschließe, einen weiteren Experten um Rat zu fragen und spreche mit Peter Müller, dem Vorstandsvorsitzenden der "Stiftung Gesundheit". Seine Meinung zu Energiearmbändern ist eindeutig: "Es ist unstrittig, dass der Placebo-Effekt zu den ganz kraftvollen 'Wirkstoffen' in der Medizin gehört. Glaube kann da richtig gut tun. Weitere Wirkungen, etwa direkt auf den Körper, sind nach dem Kenntnisstand von Physik und Biologie nicht erkennbar."
Mein Fazit: Vielleicht glaube ich nicht genug an den Effekt des Energiearmbandes, um positive Ergebnisse zu spüren. Doch wenn die Wirksamkeit des Bandes allein auf einer positiven Einstellung basiert, macht es meiner Meinung nach mehr Sinn, am Optimismus im Allgemeinen zu feilen, um sich gut zu fühlen – der kostet auch keine 39,90 Euro.
Lesen Sie auch den vorangegangenen Beitrag der "Ausprobiert"-Kolumne: Floating - Abschalten in der Schwerelosigkeit
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255 Meinungen zu "Energiearmband: Was bringt's?"
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benutzer
Mittwoch, 05.09.2012, 12:54 Uhr die menschen glauben ja auch daran, dass über den wolken ein greiser alter mann sitzt, dessen sohn übers wasser gelaufen ist... -
erbsuende
Dienstag, 28.08.2012, 11:06 Uhr *die menschen glauben zuviel!* ans christkind,an götter,an falsche ideale,....etc.all das formte unsere gesellschaft. wären die menschen dazu fähig weniger zu glauben,da ja dies allen schon in die wiege gelegt wird und selbst alles zu meistern,wäre die welt schöner!manche oder sehr viele wissen gar nicht was so alles in ihnen steckt-oder erwecken das biest nie!viele könnten bessere jobs haben,jobs die ihnen spass machen,...etc.die intelligenz wäre ja da,doch bei vielen verkümmert sie.der mensch ist zu vielem fähig,doch sich dem nicht bewusst!oder es mangelt am selbstvertrauen. -
nanudenn
Freitag, 08.06.2012, 09:37 Uhr glaube versetzt berge, aber der glaube ist hier etwas teuer........ -
FCB69
Sonntag, 03.06.2012, 15:17 Uhr Dem Hersteller bringt es Geld, ansonsten hat das keinen Zweck. -
Solifuga
Samstag, 02.06.2012, 15:10 Uhr Tja Weihwasser und Hostien sind out, der moderne Mensch glaubt lieber an "Energie" und "Schwingungen". Dass er keines von beidem auch nur anständig definieren kann, stört ihn genausowenig, wie die Menschen früherer Zeiten gestört hat, dass ihre Götter weder sichtbar noch hörbar noch sonstwie erfassbar waren. Und praktischerweise muss man sich noch nichtmal neue Sprüche gegen Kritiker einfallen lassen: "Ach, ihr wollt euch bloß nicht darauf einlassen...!" -
Moordruide
Samstag, 02.06.2012, 08:43 Uhr Und an sowas glauben die Menschen im 3. Jahrtausend?
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