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18.05.2012, 10:22 Uhr

Haustier als Luxus-Liebesobjekt macht arm

in Kooperation mitDIE WELT

Ein großer Hund verbraucht die Hälfte dessen, was ein Mensch in Bangladesch zum Überleben benötigt. In der deutschen Ausgabe des Berichtes "Zur Lage der Welt 2012" wird eine "industrielle Moderne" vorgestellt.

VonClaudia Ehrenstein

Große Probleme beginnen oft im Kleinen, noch in den eigenen vier Wänden: Bei den Haustieren zum Beispiel. Weltweit steigt die Zahl der Hunde und Katzen rapide an. Und das hat "gravierende Auswirkungen auf die Umwelt", wie das US-Umweltinstitut in seinem aktuellen Bericht "Zur Lage der Welt 2012" warnt.

Allein in den USA gibt es derzeit 61 Millionen Hunde und 76,5 Katzen, die ernährt werden wollen. Umgerechnet auf die Fläche verbraucht eine Katze 0,13 Hektar Ressourcen pro Jahr, ein großer Hund sogar 0,36 Hektar. Das entspricht der Hälfte dessen, was ein Mensch in Bangladesch für ein Überleben beansprucht.

"Das Halten von Haustieren ist ein Luxus", konstatiert der Bericht und mahnt, die Zahl der Haustiere Tiere dringend zu reduzieren, etwa durch höhere Hundesteuer oder eine zusätzliche Steuer auf Tiernahrung. Jedes Jahr werden weltweit 42 Milliarden Dollar für Tiernahrung ausgeben.

Kein Phänomen der westlichen Welt

Viele Menschen kompensieren im Zusammenleben mit Hunden oder Katzen aber auch den Mangel an zwischenmenschlichen Kontakten. Sie überschütten ihre tierischen Lieblinge mit Zuwendung, kaufen Spielzeug, Kleidung und lassen sie in Tierpflegesalons versorgen. Die Ausgaben können sich während der Lebenszeit eines Hundes in den USA auf bis zu 100.000 Dollar summieren.

Der Haustier-Boom ist dabei keineswegs ein Phänomen der westlichen Welt. Nach den USA die zweitgrößte Haustiernation ist Brasilien mit 30 Millionen Hunden und zwölf Millionen Katzen. China folgt an dritter Stelle mit 23 Millionen Hunden. In Shanghai haben Hundeangriffe und Tollwutfälle so stark zugenommen, dass die Stadt inzwischen eine "Ein-Haustier-Politik" verabschiedet hat, heißt es in dem Bericht.

Natürlich ist der Haustier-Boom eher ein Randproblem, das sich noch mit vergleichsweise einfachen Mitteln in den Griff bekommen ließe. Und natürlich konzentriert sich der Bericht auf die Lage der Menschheit. Michael Renner vom Worldwatch Institute betonte bei der Vorstellung der deutschen Ausgabe in Berlin vor allem die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich.

Kein "Weiter so!"

Der Bericht "Zur Lage der Welt" wird vom Worldwatch Institute jährlich herausgegeben. An der jetzt vorgestellten deutschen Ausgabe haben 35 Autoren mitgearbeitet. Ziel sei es, durch eine nachhaltige Wirtschaft das Leben von so vielen Menschen wie nur möglich zu verbessern, heißt es im Vorwort. Ein "Weiter so!" sei nicht akzeptabel.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, das Leitbild der Nachhaltigkeit sei entscheidend "für das Überleben der Menschheit" und sei nicht einfach gleichzusetzen mit Verzicht. Rund zwei Drittel der weltweit sieben Milliarden Menschen würden in "existenziell schwierigen Verhältnissen" leben. Und diesen Menschen könne man nicht einfach vorschreiben, sie sollen den Gürtel enger schnallen.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nutzte die Gelegenheit zu erklären, was sich zumindest ihre Partei unter Nachhaltigkeit vorstellt: anders wohnen, anders produzieren, anders transportieren. Sie forderte die Bundesregierung auf, eine Rohstoffstrategie vorzulegen und mit knappen Ressourcen klug umzugehen. "Einer muss zeigen und probieren, wie das geht", sagte Künast.

Beweglich in der Stadt – ohne Auto

Statt neuer Autobahnkilometer mahnte Künast einen umfassenden "Mobilitätsplan" an. Gerade die jüngere Generation in den Städten lege nicht mehr so viel Wert auf ein eigenes Auto, wolle aber mit Nahverkehr und Carsharing beweglich sein. Smartphones würden bei der Organisation und Abrechnung solcher Dienstleistungen eine zentrale Rolle spielen, sagte Künast.

Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos: Ralf Fücks vom Vorstand der grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung sprach von einem "Schuss von Zuversicht". Nie zuvor hätten so viele Forscher so intensiv an Lösungen und Innovationen gearbeitet, etwa zur Nutzung der regenerativen Energien und der künstlichen Photosynthese.

"Das Neue entsteht im Alten", sage Fücks. So sei die Gebäudetechnik inzwischen so weit fortgeschritten, dass Häuser mehr Energie produzieren als sie selbst für Strom und Heizung verbrauchen. Es gehe um eine neue Vorstellung von "industrieller Moderne", sagte Fücks. Und das sei keine kleine Veränderung, sondern "ein revolutionäres Programm".

Worldwatch Institute (Hrsg.): "Zur Lage der Welt 2012 – Nachhaltig zu einem Wohlstand für alle". In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Germanwatch. Oekom Verlag, München 2012. 19,95 Euro.

© DIE WELT

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388 Meinungen zu "Luxusobjekt Haustier macht arm"

  • Salzkorn
    Freitag, 08.06.2012, 13:05 Uhr
    Seite 55 Dotterarsch an Salzkorn- Ich werde hier als Tierhasserin beschimpft und beleidigt , dazu werden mir Unterstellungen gemacht von Dotterarsch, die weder meine Meinung sind noch meine Gedanken. Das ist Diskriminierung . Ich habe auf Seite 54 meine Meinung geschrieben. Nach den Regeln von GMX sind Beleidigungen zu unterlassen oder nicht ? Bin nicht bereit dies einfach hinzunehmen. Wer hat auch solche Erfahrungen gemacht und kann mir Tipps geben ?
  • Dotterarsch
    Montag, 21.05.2012, 16:02 Uhr
    Salzkorn Seite 54 Schön das Sie wenigstens Familien mit Kindern oder älteren Menschen EIN Tier zubilligen. Haustiersammler ist nicht in Ordnung denn es ist Tierquälerei. Da ist aber auch wieder die Nachbarschaft gefragt. Woher soll der Tierschutz wissen, wo solche Fälle auftreten. Aber nichts zu machen, die Tiere unter schlimmsten Bedingungen auf der Straße vegetieren und todkrank sterben zu lassen, sie nicht zu kastrieren das sie sich unkontrolliert vermehren können, dass ist wohl Ihrer Meinung nach in Ordnung. Mit solchen Gedanken zähle ich Sie zu den Tierhassern. Mit dem Hundekot auf den Straßen gebe ich Ihnen voll recht. Warum erhebt die Gemeinde keine Strafen? Sie könnten eine Menge einnehmen. Bis jetzt war es ja so das die Hundebesitzer mit kleinen Hunden angehalten und abkassiert wurden. Die mit den großen Hunden ließ man laufen vor lauter Angst. Hab ich selber ein paar mal beobachtet.
  • Dotterarsch
    Montag, 21.05.2012, 15:52 Uhr
    Charlotte104 Es ist schön, dass es noch solche Menschen wie Sie gibt. Mit vielen Leuten kann man sich ja nicht mal mehr über Tiere unterhalten. Gleich heißt es: Ihr müßt ja ein Haufen Geld haben. Seid ihr bekloppt. Gönnt euch was dafür Allerdings wissen diese Menschen nicht, wieviel Freude uns diese Tiere schenken. Unser Krümel war ca. eine Woche alt als er gefunden wurde. Ich habe ihn mit der Flasche aufgezogen. Heute bin ich seine Mama und überglücklich, dass ich ihn habe. Urlaub ist bei uns auch nicht mehr drin. 3 Tage Katzenpension und ich habe meine Tiere völlig gestresst und nervlich krank wieder gekriegt. Außerdem viel zu teuer. Es bewahrheitet sich immer wieder: WER DIE MENSCHEN KENNT LIEBT DIE TIERE.
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