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27.06.2012, 12:18 Uhr

Das Wesen des Wanderers

Die Deutschen wandern. Nicht mehr so gerne in Gruppen wie früher. Aber sie wandern. Laut Studien sind es 35 bis 40 Millionen, die Hälfte der Bevölkerung, wobei da womöglich die Absicht oder der Sonntagsspaziergang mitzählt.

Unbedingt dazu zählen Politiker, parteiübergreifend machen sowohl Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Oppositionsführer Frank-​Walter Steinmeier (SPD) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in den Dolomiten Ferien. Der Exmoderator Manuel Andrack hat gerade sein drittes Buch über das Wandern geschrieben. Er schätzt, dass ein bis zwei Millionen regelmäßig wandern, der Rest seien Gelegenheitswanderer. "Ich bin ja froh, dass es diese 40 Millionen Wanderer nicht gibt, sonst würden die ja alle schönen Wanderwege verstopfen."

Trend geht zum Individualwandern

Der Trend geht hin zum Individualwandern. Das starke Geselligkeitsgefühl in Vereinen schrecke viele ebenso ab wie Gruppenwandern. Beim Deutschen Wanderinstitut in Marburg werden alle zwei Jahre Profilstudien erstellt. Die Ergebnisse verändern sich nur unwesentlich. Womöglich liegt in der Unveränderlichkeit gerade die Attraktivität. Man muss eben zu Fuß gehen, Punkt. Auch wenn heute kaum noch ein vernünftiger Mensch ohne Funktionskleidung, High-​Stöcke und GPS-​Gerät vor die Tür tritt. Entsprechend steigen die Umsätze der Branche. Tagestouristen geben auf ihren Wanderungen 5,7 Milliarden Euro pro Jahr aus, bei Touren mit Übernachtung liegen die Ausgaben bei 1,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch einmal etwa 3,4 Milliarden Euro für Ausrüstung.

Im Durchschnitt 50 Jahre alt

Die Wissenschaftler haben außerdem herausgefunden, dass sich die Motive der Wanderer seit 20 Jahren nicht verändert haben. Sie wollen Natur erleben und genießen. Den reinen "Kilometerfresser" gibt es kaum noch. Besonders Berge laden offenbar zum Wandern ein, denn es gibt auch beim Anteil der Wanderer in der Bevölkerung ein Süd-​Nord-​Gefälle. In Bergregionen gingen die Menschen lange gezwungenermaßen zu Fuß. So etwas hält sich. Der durchschnittliche Wanderer ist etwa 50 Jahre alt. In den Vereinen liegt das Alter noch etwas höher: Die Fähigkeit, schöne Landschaften zu genießen, steigt mit dem Alter. Der Forscher beobachtet seit zehn Jahren eine deutliche Abkehr vom Wandern bei Kindern und Jugendlichen. Nur noch ein Bruchteil der Zwölf-​ bis 15-​Jährigen wandere gerne. Manuel Andrack ist da anderer Meinung. Er beobachtet zunehmend Studenten, die "plötzlich sagen: Wandern find ich cool." Die sogenannte "Wanderpause" zwischen Kindheit (mit den Eltern wandern) und Familiendasein (mit fester Beziehung oder Kindern wandern) werde kürzer.

Wandervereine suchen Mitglieder

Die Wandervereine verlieren kontinuierlich Mitglieder. Das ist ebenfalls kein wanderspezifisches Phänomen. Allerdings wirkt sich das auf die Infrastruktur aus. Ohne Wandervereine kein Wandertourismus. Die deutschlandweit 200.000 Kilometer Wanderwege werden nämlich von den Vereinen instand gehalten.

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