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19.02.2013, 16:56 Uhr

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Amazon hat ein riesiges Handelsreich errichtet. Inzwischen können Kunden beim einstigen Buchversand sogar Honig bestellen. Der US-Konzern wächst schnell. Nach den USA ist Deutschland der zweitwichtigste Markt für den Versandriesen.

München(dpa) - Amazon rühmt sich selbst, das "kundenfreundlichste Unternehmen der Welt" zu sein. Gegenüber den eigenen Mitarbeitern scheint der Ton nicht immer so nett zu sein. Ein Blick hinter die Kulissen eines rasant wachsenden Handelsriesen.

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte Amazon zu einer solchen Macht im Handel aufsteigen?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. So konnte Amazon im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 27 Prozent auf 61,1 Milliarden Dollar steigern (45,7 Mrd Euro). Amazon stampft regelmäßig neue Versandzentren aus dem Boden, um dem Ansturm Herr zu werden. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. Im vergangenen Jahr machte Amazon sogar ein Verlust von 39 Millionen Dollar.

Wie wichtig ist der deutsche Markt für Amazon?

Es ist der größte Auslandsmarkt. Im vergangenen Jahr setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Welche Rolle spielt Amazon für den deutschen Handel?

Amazon-Logistikzentrum

Kritik um Leiharbeiter: Versandhändler zieht weitere Konsequenzen. >

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist Amazon in Deutschland aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 7.700 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten zum Jahreswechsel 88.400 Festangestellte im Unternehmen.

Wird die Empörungswelle gegen Amazon dem Unternehmen schaden?

So wollen Amazon und Co. ihre Logistikprobleme lösen. >

Amazon selbst äußerte sich auf Nachfrage bisher nicht dazu, ob seit der Ausstrahlung der ARD-Doku weniger bestellt wurde. Doch ein Vergleich legt nahe: Zu große Sorgen muss sich Amazon wohl nicht machen. Auch über den deutschen Rivalen Zalando tobte bereits ein - wenn auch kleinerer - Sturm der Aufregung nach Berichten über schlechte Arbeitsbedingungen. Am rasanten Umsatzwachstum änderte das nichts. Von 2011 auf 2012 verdoppelte Zalando seine Erlöse von 510 Millionen auf 1,15 Milliarden Euro.

Welche Folgen könnte es für Amazon noch geben?

Das ist schwer abzuschätzen. Die Empörung hat auch die Politik erreicht und es ist Wahlkampf. Die Vorwürfe wegen der schlechten Behandlung von Leih- und Zeitarbeitern richten sich aber primär gegen die Leiharbeitsfirmen. Denen droht das Bundesarbeitsministerium inzwischen mit einer Sonderprüfung, die Firmen selbst äußern sich nicht. Die Bezahlung bei Amazon entspricht aber wohl den gültigen Standards. Mit einem Bruttostundenlohn von mindestens 9,30 Euro zahlt Amazon mehr als den gesetzlichen Mindestlohn für Zeitarbeiter, der derzeit im Westen bei 8,19 Euro und im Osten bei 7,50 Euro liegt.

Hat Amazon auch in anderen Ländern schon Ärger gehabt?

Ebay

Immer mehr Internethändler bieten ihre Ware auch im Laden feil. >

Ja, in Großbritannien gab es im vergangenen Jahr eine Debatte darüber, wie sich Amazon und andere US-Konzerne mit legalen Tricks vor dem Steuerzahlen drückten. Ein Amazon-Vertreter musste vor einem Ausschuss des Parlaments erscheinen und wurde dort von den Parlamentariern vor laufenden Kameras in die Mangel genommen. In den USA hatten sich Mitarbeiter darüber beschwert, dass sie im heißen Sommer in unklimatisierten Lagerhallen schuften mussten. Nach US-Medienberichten erlitten mehrere Beschäftigte Schwächeanfälle. Amazon reagierte und rüstete Klimaanlagen nach.

Alle News vom: 19. Februar 2013 Zur Übersicht: Finanzen

4 Meinungen zu "Amazon: hinter den Kulissen"

  • Poutsy
    Dienstag, 23.04.2013, 08:20 Uhr
    Die Bezahlung bei Amazon entspricht aber wohl den gültigen Standards. Mit einem Bruttostundenlohn von mindestens 9,30 Euro zahlt Amazon mehr als den gesetzlichen Mindestlohn für Zeitarbeiter, der derzeit im Westen bei 8,19 Euro und im Osten bei 7,50 Euro liegt. Die Arbeitsbedingungen scheinen also nicht so schlecht zu sein. Im Bundestag arbeiten die Reinigungskräfte für 4,50 Euro die Stunde und teilweise noch schwarz. Was soll das Ganze also? Wollen sich hier einige Journalisten profilieren? Gibt es keine andere Themen? Haben die Medien in anderen Bereichen von der Politik einen Maulkorb bekommen? Amazon wird nicht mit Steuerngelder subventioniert wie die Windparks und anderer Schwachsinn durch unsere Regierung. Klar das die Gewerkschaft dort Fuß fassen möchte, es geht schließlich um Mitgliedsbeiträge, was anderes Interessiert die sowieso nicht. Man hat gesehen was die Gewerkschaft, die Medien und die Regierung bei Schlecker gemacht hat. Was war das Ende vom Lied? Insolvenz. Die Mitarbeiter wurden anschließend von den Gewerkschaften, den Medien und der Regierung im Regen stehen gelassen. Wenn Amazon schon übertariflich bezahlt was wollen die noch? Überübertariflich? Die Regierung ist gegen einen Mindestlohn. Warum? Weil sie Marionetten der Industrie und Wirtschaft sind.
  • Stern01
    Freitag, 05.04.2013, 12:35 Uhr
    Wenn Amazon einen Tarifvertrag nach Logistik bezahlen würde, dann würden die Mitarbeiter zwar Weihnachstgeld bekommen aber weniger am Monatsende auf der Lohnabrechnung haben, so bekommt jeder Mitarbeiter seine Aktien die er selber verwalten kann , also wenn man Geld braucht, verkauft man einige Aktien und hat auch sein Oster- oder Weihnachtsgeld, ich finde es wird zu viel Theater um die ganze Sache gemacht, wo sollen die Leiharbeiter denn untergebracht werden im 5 Sterne Hotel , ich glaube da verwechseln einige Arbeit mit Urlaub ! Und dann ist das eh keine Arbeit für diese Leute da wir Deutschen viel zu schnell und hart arbeiten . Das sind Südländer und Andere nicht gewohnt , das Gejammer kann man sich in den Pausen anhören :) Also Leute laßt uns unsere Arbeit machen , denn keiner will sie verlieren und das gute Hartz 4 bekommen !!!
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