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Zauberwort Unisex: Was bringt das Versicherungsjahr 2013?

Es wird ernst: Ab 21. Dezember 2012 gelten die neuen Richtlinien für Versicherungen. Neue Verträge dürfen dann nur noch mit für Männer und Frauen identischen, den sogenannten Unisex-Beiträgen kalkuliert werden. Gemäß einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes widerspricht jede Sonderbehandlung wegen des Geschlechts dem Gleichheitsgrundsatz der Europäischen Union und ist damit gesetzwidrig.

Von Lisa Gatow für GMX

Mit dieser Änderung kommt Bewegung in die deutsche Versicherungslandschaft. Generell sind allerdings nur Neuverträge betroffen und auch nur bei Versicherungen, in denen das Geschlecht als Merkmal zur Risikodifferenzierung herangezogen wird. Sachversicherungen wie die Hausratversicherung oder Rechtsschutzversicherungen werden nicht tangiert.

Wen betreffen die Neuregelungen?

Bei der Risiko-Lebensversicherung zahlen Männer momentan wegen ihrer durchschnittlich geringeren Lebenserwartung höhere Beiträge. Hier werden Frauen künftig mehr ausgeben müssen. Schätzungen von Finanztest gehen von einem Zuschlag von bis zu 55 Prozent aus.

Umgekehrt ist es bei der Altersvorsorge/ Rentenversicherung. Wegen ihrer höheren Lebenserwartung zahlen Frauen derzeit für die gleiche lebenslange Rente höhere Prämien als Männer, werden also zukünftig vermutlich entlastet. Für Männer wird es dagegen teurer. Eine Ausnahme bilden die sogenannten Riester-Renten, bei denen schon seit 2006 ein Unisex-Tarif besteht.

Auch bei der Privaten Krankenversicherung zahlen Frauen wegen des längeren Lebens aktuell mehr. Sie können sich im Unterschied zu den Männern auf leicht sinkende Kosten einstellen. Gleiches gilt für die Pflegeversicherung.

Weil Frauen statistisch gesehen eher als Männer berufsunfähig werden und eine Berufsunfähigkeitsrente beziehen, zahlen sie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung momentan noch mehr als männliche Kollegen. Ab 2013 werden die Beiträge voraussichtlich auch hier billiger, für die Männer werden sie erhöht. Die Stiftung Warentest geht von bis zu 35 Prozent aus.

Statistisch gesehen verursachen Männer deutlich mehr Autounfälle als Frauen. Deshalb sind bei der Kfz-Versicherung Frauen derzeit mit der Beitragshöhe im Vorteil, müssen sich also auf Steigerungen einstellen, während Männer 2013 von leichten Senkungen profitieren könnten.

Ebenso ist davon auszugehen, dass bei der Unfallversicherung handwerklich tätige Frauen nach dem Stichtag stärker zur Kasse gebeten werden. Momentan sind Frauen hier generell in die niedrigste Gefahrengruppe eingeordnet.

Einschätzung der Versicherer

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV steht dem Unisex-Entscheid allerdings kritisch gegenüber, der Verbraucher wird als Verlierer gesehen. Nach Meinung des GDV ist bei der erzwungenen Gleichbehandlung immer ein Geschlecht benachteiligt, solange es messbare Unterschiede zwischen Männern und Frauen wie etwa in der Lebenserwartung gibt. Den Versicherungsunternehmen wird demnach die Möglichkeit genommen, unterschiedliche Risiken auch mit unterschiedlichen Prämien zu berücksichtigen. Laut GDV bedeuten Unisex-Tarife nicht Gleichberechtigung sondern Gleichmacherei. Der Verband sieht die risikogerechte Kalkulation als zentrales Prinzip der privaten Versicherungen gefährdet.

Durch die Gleichstellung der Geschlechter bei der Beitragszahlung ergeben sich für die Gesellschaften anhand des jeweiligen Kundenstammes, mit dem gearbeitet wird und werden muss, ganz neue Tarifgefüge. Daher sind Vergleiche zwischen den Versicherern ratsam - auch weil die Anpassungen sehr unterschiedlich gehandhabt werden.

Einschätzung der Verbraucherschützer

Verbraucherschützer haben einen etwas anderen Blick und stehen dem einheitlichen Tarif grundsätzlich positiv gegenüber. Sie versprechen sich davon mehr Gerechtigkeit. In ihren Augen sind die - teils veralteten - Statistiken beispielsweise im Kfz-Bereich kein ausreichender Grund für die bisher praktizierte Ungleichbehandlung der Geschlechter.

Allerdings gehen sie realistischer Weise auch davon aus, dass durch die Umstrukturierungen die Beiträge im Schnitt steigen werden und warnen vor einem möglichen Missbrauch durch die Versicherer. Empfohlen wird, keinen Versicherungs-Neuabschluss nur wegen der vermeintlichen Ersparnis noch vor dem Termin übers Knie zu brechen, denn hierbei dürfe nur der persönliche Bedarf eine Rolle spielen. Nur wer ohnehin plane, eine weitere Versicherung abzuschließen, solle sich eingehend informieren, ob es vor oder nach dem 21. Dezember günstiger ist.

Versicherungskunden haben in der momentanen Übergangszeit die ungewöhnliche Möglichkeit, sich entweder für die geschlechtsspezifische oder für die Unisex-Variante zu entscheiden.

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