Krise: EU gibt erste Entwarnung
"Das Schlimmste liegt nun hinter uns, aber natürlich muss noch viel getan werden." Der Ratspräsident verwies auf den Kompromiss zu einer gemeinsamen Bankenaufsicht in Europa, den die EU-Finanzminister unmittelbar vor Beginn des Gipfels in Brüssel erzielt hatten. Außerdem einigten sich die Euro-Kassenhüter auf die Auszahlung der milliardenschweren Finanzhilfen für das pleitebedrohte Griechenland.
Die Staatenlenker berieten vor allem über den Umbau der Eurozone, um diese krisensicher zu machen. Dabei geht es zusätzlich zu Bankenaufsicht um Langfristvorhaben wie individuelle "Reformverträge" zwischen Eurostaaten und den EU-Institutionen oder den eigenen Haushalt für die Eurozone. Von deutscher Seite wurde am Abend deutlich gemacht, dass ein zusätzliches Budget des Währungsgebietes zur Krisenbekämpfung und zur Abfederung von Finanzschocks abgelehnt werde. Sinnvoll könnte es hingegen sein, reformbereiten Staaten bei konkreten Zielen finanziell zu helfen.
Auf Druck mehrerer Hauptstädte entschärfte Van Rompuy die vorbereitete Abschlusserklärung und strich einen konkreten Mehrstufenplan zur Vertiefung der Währungsunion. Der scheidende Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sagte dazu: "Das scheint manchen zu ambitiös (ehrgeizig) gewesen zu sein. Ich bedauere das."
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartete von dem Spitzentreffen zumindest die Vereinbarung über einen Fahrplan für die Arbeit der nächsten Monate. Die Einigung der Finanzminister über die Bankenaufsicht sei ein gutes Signal, sagte Merkel : "Das ist ein großer Schritt zu mehr Verlässlichkeit und Vertrauen in der Eurozone."
Auch Van Rompuy forderte die Regierungschefs auf, in ihrem Reformstreben nicht nachzulassen. "Unser heutiges Ziel ist es, den nächsten Schritt zu einer wirklichen Wirtschafts- und Währungsunion zu vereinbaren", sagte er zu Beginn des Gipfeltreffens. "Wir müssen unseren Plan für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum umsetzen."
Die Kanzlerin begrüßte auch die Freigabe der Hilfsgelder für Griechenland, die von den Euro-Finanzministern beschlossen worden war. "Griechenland hat dafür große Anstrengungen unternommen", sagte sie. Im zu Ende gehenden Jahr sei viel für Europa erreicht worden. Nun müsse die Bankenaufsicht auch bis 2014 umgesetzt und eine bessere wirtschaftliche Koordinierung zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden.
Die Finanzminister hatten auf Grundlage eines Kompromisspapiers von Deutschland und Frankreich nach 14-stündigen Marathonverhandlungen die Grundsatzeinigung bei der lange umstrittenen Bankenaufsicht erzielt. Merkel und Frankreichs Staatspräsident François Hollande zeigten sich nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen zufrieden über die gute Zusammenarbeit und die erzielte Lösung. Auch Eurogruppenchef Juncker begrüßte die Einigung: "Ich bin zufrieden, weil wir haben wider Erwarten liefern können", bilanzierte der luxemburgische Premier. "Und eigentlich wird der Europäische Rat (Gipfel) fast gerettet durch die 27 Finanzminister."
Ein weiteres positives Zeichen für das Mammuttreffen war die Freigabe von Milliarden-Hilfen an das krisengeschüttelte Griechenland. Die Euro-Finanzminister beschlossen, die dringend benötigten Notkredite von insgesamt 49,1 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm EFSF an Athen zu geben.
EU-Veteran Juncker resümierte, die Krise sei noch nicht ausgestanden. "Sie hat sich abgeschwächt, aber niemand sollte so tun, als ob wir am Ende Ende all unserer Mühen wären." Auch EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte an die 27 Staatenlenker appelliert, nicht den Sinn für die Dringlichkeit der Krisenbekämpfung zu verlieren. Große Sorge macht die Rekordarbeitslosigkeit in der Union mit 25 Millionen Menschen ohne festen Job.
Auf die Frage, wann seine Nachfolge an der Spitze der Eurogruppe geregelt werden solle, meinte Juncker: "Je schneller umso besser." Der 58 Jahre alte Christdemokrat will Ende Januar das Brüsseler Amt vorzeitig aufgeben, ein Nachfolger für den Prestigeposten steht bisher nicht bereit.
Obwohl kein Thema auf dem Gipfel war die Regierungskrise in Italien Gesprächsthema in Brüssel: Bei einem Treffen der konservativen Europäischen Volkspartei bot der frühere Regierungschef Silvio Berlusconi seinem parteilosen Amtsnachfolger Mario Monti an, künftig eine Mitte-Rechts-Koalition in dem krisengeschüttelten Land zu führen. Im Februar soll es dort Neuwahlen geben. Kanzlerin Merkel sagte laut deutschen Regierungskreisen bei dem Treffen, dass die italienische Bevölkerung ihre Wahl treffen werde. Über einzelne Kandidaturen habe sie sich nicht geäußert. Die Bundesregierung mische sich nicht ein.
368 Meinungen zu "Banken kommen an die Leine"
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Skeptiker001
Dienstag, 18.12.2012, 11:52 Uhr Eine Entwarnung bei der Eurokrise ist ein Witz schlechthin - Demagogie und Populismus in Reinkultur. Was ist die eigentliche Ursache der Eurokrise? --> Die sinkende globale Wettbewerbsfähigkeit der Pleiteländer und der gleichzeitig überbordende Konsum. Die Eurokrise ist durch Sparen allein nicht bewältigbar. Die Wettbewerbsfähigkeit der Pleiteländer muss wieder hergestellt werden und da hat sich außer in Irland nirgends etwas getan. Wie kann man die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen? Es gibt zwei Wege: a) höherwertige Produkte herstellen, aber das können die Pleiteländer nicht, denn sie haben Jahrzehnte nicht viel in Forschung und Entwicklung investiert und besitzen kaum eine Hightech-Industrie. b) Senkung der Preise um etwa 30 bis 35 %. Dann sind die Produkte dieser Länder wieder global wettbewerbsfähig. Früher ging das über die Veränderung der Wechselkurse, aber mit dem Euro geht das nicht mehr. So kann man die Preise nur noch senken, indem die Kosten für Löhne und Sozialleistungen um diesen Betrag gekürzt werden. Das tut weh und bringt soziale Spannungen, aber das sind die ehernen Gesetze der globalen Marktwirtschaft und denen kann sich kein Land aus ideologischen oder sozialen Gründen entziehen. Da hilft kein Streik. Von einer Senkung der Durchschnittspreise ist bei keinem der Pleiteländer (außer Irland) auch nur das geringste zu sehen, also hat sich die mangelhafte Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder um keinen Deut verbessert. Also wirkt die Hauptursache unverändert weiter. Mittlerweile haben diese Pleiteländer ein Target in Höhe von weit über 700 Milliarden Euro bei Deutschland angesammelt. Für einfache Menschen übersetzt: Die Südstaaten haben ihren Handels-Dispo mit diesem Betrag gegenüber D im Minus. Das sind quasi auch Schulden, aber von denen spricht noch kein Politiker (weil die es ohnehin nicht verstehen) und Herr Sinn ist der einzige Wirtschaftsweise, der sich getraut, die Wahrheit zu sagen. Das bedeutet, die riesigen Staatsverschuldungen sind größenordnungsmäßig das kleinere Problem. -
polychaeta
Montag, 17.12.2012, 17:56 Uhr "Griechenland hat dafür große Anstrengungen unternommen", sagte sie. (Merkel) In dem es seine Jugend hat verraten müssen? 55 % Jugendarbeitslosigkeit, bitteschön, Frau Merkel. Wer laufend von "Alternativlosigkeit" redet, ist gefährlich. -
boncuk85
Montag, 17.12.2012, 17:32 Uhr ESM-Chef Regling glaubt bis 2015 ist die Eurokrise ausgestanden. Er vergaß aber, daß wir bis dahin pleite sind und Hilfe benötigen. -
strathmann
Montag, 17.12.2012, 12:59 Uhr Nun braucht die EZB also zwei Leinen. Eine für die Schuldnerstaaten wie Griechenland, Portugal und Spanien und eine für die Zahlemänner. Die für die faulen Zahler darf aber nicht zu kurz sein. Die könnten sich daran strangulieren. -
gynni63
Montag, 17.12.2012, 12:36 Uhr Endlich ... spätestens in 2015 ist die Krise vorbei... was noch niemand geschrieben hat: Was kostet uns der Euro bis dahin noch??? Die Betonung liegt bei "UNS". Denn alle die, die solche Verlautbarungen von sich geben, geben unser Geld so gern, als wenn es nicht von Ihnen wäre. -
Cocos74
Sonntag, 16.12.2012, 17:35 Uhr Die Krise ist eine Staatsschuldenkrise. Deutschland hat 1.2 Billionen Euro schulden. Europa hat 10 Billionen Euro Staatsschulden. Die Krise ist höchstens in der Fantasie der Frau Merkel überwunden (Wahlen 2013!) Die richtige Krise hat noch garnicht begonnen. Die Rechnug für die Bürger kommt erst nach der Wahl 2013!!!!!!!
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