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16.05.2012, 08:40 Uhr

Autofahrer sind mitschuldig am hohen Spritpreis

in Kooperation mitDIE WELT

Einer Studie zufolge vergleichen nur wenige Autofahrer vor dem Tanken die Preise. Der ADAC fordert nun Echtzeitdaten für Smartphones und Navis, um mehr Markttransparenz zu schaffen.

VonDaniel Wetzel

41 Prozent der Autofahrer schauen nie auf die Preise oder steuern ohnehin immer dieselbe Tankstelle an. Frühlingsgefühle wollten bei den Autofahrern in den letzten Wochen nicht aufkommen, da hatte ADAC-Präsident Peter Meyer schon recht: Die Preise für Benzin und Diesel erreichten allerorten neue Rekordwerte.

Zwar ließ Meyer keinen Zweifel daran, dass die Hauptschuld daran das "Oligopol der fünf großen Mineralölfirmen" trifft. Doch ausgesprochen "enttäuschend" findet der ADAC-Chef auch neue Erkenntnisse zum Verbraucherverhalten.

Diese legen nahe, dass die Autofahrer es den Preistreibern auch besonders leicht machen: "41 Prozent der Autofahrer vergleichen nie oder nur selten die Kraftstoffpreise vor dem Tanken. Rund 43 Prozent tanken erst dann, wenn der Tank leer ist und 40 Prozent steuern immer dieselbe Tankstelle an", sagte Meyer bei der Präsentation der Studie in Berlin und folgerte selbstkritisch: "Wir Verbraucher machen etwas falsch, wir müssen besser werden und dafür brauchen wir mehr Informationen."

Autofahrer sollen Konsumentenverhalten ändern

Der ADAC hatte beim Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) untersuchen lassen, mit welchen Maßnahmen man am besten gegen die steigenden Spritpreise vorgehen könne.

DICE-Leiter Justus Haucap, der auch Vorsitzender der deutschen Monopolkommission ist, empfiehlt in der Untersuchung eine Reihe von Maßnahmen, die sich erstmals nicht nur auf die Regulierung und Überwachung der Mineralölkonzerne beschränken, sondern besonders stark auf die Änderung des Konsumentenverhaltens zielen.

So kommt die Untersuchung der Wettbewerbsökonomen zu dem Schluss, dass es wenig bringt, die Preissetzung an deutschen Tankstellen nach dem Vorbild Österreichs zu regulieren. Dort dürfen Stationsbetreiber die Preise nur einmal täglich erhöhen, aber beliebig oft senken.

Die in Deutschland diskutierte Übernahme eines solchen Systems dürfte allerdings sogar zu Nachteilen für die Verbraucher führen, so das Ergebnis der Untersuchung. Auch eine Regulierung nach australischem Vorbild – wo Tankstellenbetreibern nur eine Preisänderung pro Tag erlaubt ist, bringe den Verbrauchern kaum signifikante Vorteile.

Autofahrer sollten mehr Informationen erhalten

Einen größeren Hebel sehen die Wissenschaftler in der Verbraucherinformation. Ziel müsse es sein, die "träge Masse" der Autofahrer, die nie auf Preisunterschiede reagieren, zu mehr "Preissensibilität" zu bewegen. ADAC-Präsident Meyer forderte als Konsequenz daraus "den gezielten Ausbau der Online-Preisinformationssysteme".

Ob dies ausreicht, wird vom Bundeskartellamt allerdings skeptisch beurteilt. "Die Forderung, Mittel und Wege zu suchen, für den Autofahrer mehr Transparenz herzustellen, ist nachvollziehbar", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt auf Nachfrage der "Welt Online".

Man müsse sich allerdings bewusst sein, dass diese Transparenz bei der hohen Volatilität der Preise nicht besonders belastbar sei: "Kaum hat man die preiswerteste Tankstelle recherchiert, schon hat sich der Preis wieder geändert."

ADAC fordert Preisänderung in Echtzeit auf Smartphones

Ein Einwand, den der ADAC allerdings nicht gelten lassen will. Warum nicht alle Tankstellen mit Transpondern ausstatten und jede Preisänderung an den Tankstellen in Echtzeit auf den Smartphones und Navigationsgeräten der Verbraucher anzeigen lassen?

Es gibt Apps, die Kurse von mehr als 14.000 Aktien an den Börsen in Echtzeit anzeigen. Warum sollten solche Handy-Programme nicht auch aktuell die günstigste Tankstelle in der Umgebung anzeigen?

"Der ADAC wird seine bestehenden Internet-Informationssysteme zu den Kraftstoffmärkten ausbauen und den Zugang von mobilen Endgeräten, also Smartphones, verbessern", kündigte Meyer an.

Die geplante "Markttransparenzstelle" beim Bundeskartellamt, die Preisänderungen für Kraftstoff, Strom und Gas erfassen soll, hält Meyer demgegenüber für einen potenziellen "Datenfriedhof", solange Verbraucher nicht direkt Nutzen aus den Erhebungen ziehen können. "Wofür Markttransparenz? Doch nicht für das Kartellamt, sondern für den Verbraucher", forderte Meyer.

Die Freigabe einer Echtzeit ist fraglich

Dass die Bundesregierung die Preisdaten in Echtzeit freigibt, ist allerdings nicht sicher. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Bernhard Heitzer, erklärte, er sehe da "nichts Sinnvolles".

Heitzer, früher selbst Kartellamtspräsident, argumentierte, es gebe im Internet bereits Spritpreis-Portale. Die Bundesregierung wolle diesen Markt "nicht zerstören".

Dass eine Änderung des Verbraucherverhaltens allein die Preise stark ins Rutschen bringen kann, sei ohnehin nicht sicher, schränkt Studienautor Haucap ein: "Kraftstoffpreise basieren nicht unerheblich auf den Weltmarktpreisen für Rohöl – und die dürften mit zunehmender Knappheit steigen."

© DIE WELT

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109 Meinungen zu "Autofahrer tragen Mitschuld"

  • elsa22
    Dienstag, 28.08.2012, 08:44 Uhr
    Aber sicher ist wieder mal der Verbraucher selber schuld, ist bei dem ADAC noch alles tacko?!?!? Das kann doch wohl nicht wahr sein!!! Schuld ist unsere Politik sowie auch die nicht vorhandene Preisabsprache, welche ja nicht nachgewiesen werden kann von unserem achso billigen Kartellamt. Der Staat greift doch am meisten ab. Und warum der ADAC noch Mitglieder hat wundert mich ehrlich gesagt. Bislang machen sie doch nichts außer uns Verbrauchern zu sagen, fahren sie mal einige Kilometer weiter dann ist es vielleicht billiger, es könnte aber auch noch etwas teurer sein. Schämen sich die Damen und Herren vom ADAC nicht?!
  • forious
    Sonntag, 26.08.2012, 15:59 Uhr
    Das selbst der ADAC sich so äußert wundert mich. Ich soll also jetzt Benzin vergleichen und zum Arsch der Welt fahren, nur weil es evtl. oder defenitiv dort 1-2 cent billiger ist? da verschwende ich mehr benzin für die fahrt, als in der näche zu tanken.....
  • le123113
    Sonntag, 26.08.2012, 15:51 Uhr
    "Der Staat ist der Preistreiber" - Klar; die Treibstoffpreise steigen, weil der Staat dauernd an der Steuerschraube dreht???? Anders: wenn der Staat die Steuern senkt, was glauben Sie denn, was dann nach kurzer Zeit passiert? Richtig, die Mineralölwirtschaft springt in die "Lücke", wir haben kurz über lang wieder die "alten" Preise, nur mit dem Unterschied, dass dann der Profit der Konzerne steigt. Und was das "Vergleichen" angeht: wenn ich tanken muß, fahre ich selbstverständlich zuerst einmal die Tankstellen der verschiedenen Mineralölgesellschaften im Umkreis von sagen wir mal 20 KM ab, damit sich das auch so richtig rentiert...wiederum für die Gesellschaften! Und an unterschiedlichen Wochentagen vergleichen und tanken - auch klar, solange vergleichen, bis der Tank leer ist und ich dann tanken MUSS, zum dann anstehenden Preis. Zudem haben das ja die Mineralölges. auch schon längst spitz gekriegt...usw, usw.; so wie die es schon längst raus haben, dass in Ferien,-Urlaubs,-Feiertags-Zeiten gutes Geld zu machen ist; auch wenn die das natürlich regelmäßig weit von sich weissen, weil ja der Staat mit seinen Steuern der EINZIG Schuldige ist - nein, sein MUSS! Und SO beisst sich die Katze (und auch der ADAC) immer wieder in den Schwanz.
  • kto
    Sonntag, 26.08.2012, 15:32 Uhr
    Die hohen Spritpreise, die wir heute haben, sind doch nicht rein zufällig. Sie sind auch nicht allein eine Erfindung der Ölmultis oder der jetzigen Regierung. Diese machen sich nur zu Nutze,was schon vor Jahren eine Erfindung der" Grünen "war. Erinnert euch mal daran, daß schon vor mindestens 15 -20 Jahren ein Herr Tritin gesagt hat, daß die Benzinpreise bis auf "5,00 D-Mark/ Liter" steigen sollten. Denn er ist es , der zur Zeit gerade in dieser Hinsicht am ruhigsten ist. Ganz mäuschenstill sitzt er da und grinzt sich eins ins Fäustchen. Er wollte ja damals mit den hohen Spritpreisen die Welt retten vor Überbelastung mit CO 2- Ausstoß. Er hat damals nur noch nicht gewußt, wie er es machen soll und hat sich gefreut, daß die anderen so dumm waren, ihm den Gefallen zu tun. Heute sind wir soweit, daß ein Herr Scheuble froh ist auf diese Art und Weise eine sichere Einnahmequelle zu haben. Jeder Versuch, die Spritpreise zu reduzieren,scheidert zu erst an Herrn Scheuble und Herr Tritin sitzt weiter in seinem " Volksvertreterstuhl " und grinzt sich eins. " Diejenigen, die mich gewählt haben, sollen auch wissen, wen und was sie gewählt haben". Und er rechnet nun sogar damit, daß er wieder gewählt wird.
  • rubin
    Sonntag, 26.08.2012, 15:31 Uhr
    Die Autofahrer selbst Schuld ? Das so etwas vom ADAC kommt, zeigt wie die Strippen gezogen sind. Die Spritpreise schwanken doch mittlerweile um 0,15 Cent am Tag. Woher soll man mittags wissen, ob man nicht besser abends getankt hätte. Und wenn mein Tank leer ist, dann fahre ich bestimmt keine 3 Kilometer zu nächsten vielleicht günstigeren Zapfsäule oder stehe 15 Minuten an, denn für das Geld oder den Zeitverlust kann man gleich teurer Tanken.
  • paulpeter
    Sonntag, 26.08.2012, 15:24 Uhr
    man muß die nächstmögliche tankstelle nehmen,auch wenn der preis dort höher ist als bei der konkurenz,es sei denn die konkurirenden tankstellen sind auf beiden strassenseiten,denn wenn ich zur nächstbilligeren tankstelle mehrere kilometer fahren muß,habe ich ja den niedrigen preis durch die fahrt dorthin zunichte gemacht,man kann sich auch einen 20 liter kanister kaufen und diesen bei günstigen spritpreis mit vollmachen,außerdem sollte man sicherheitsabstand einhalten,sowie mal den leerlauf zum rollen an die ampel nutzen,bzw.auf der autobahn,wenns bergab geht,man kann auch bei 1800 umdrehungen den nächsten gang einlegen und auch mit dem 5ten gang im stadtverkehr fahren,spart auch-der staat muß außerdem mal die schulden abbauen,sozialhilfe kostet auch ein haufen geld,wer die mal benötigt,ist froh darüber !!
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