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25.06.2012, 16:12 Uhr

Sagt Kindern nicht, "Das muss gegessen werden"

in Kooperation mitDIE WELT

Er weiß, wie Obst und Gemüse Spaß machen: Der Arzt und Ernährungsratgeber Dietrich Grönemeyer hat ein Buch über gesunde Ernährung für Kinder geschrieben. Ein Gespräch bei Gemüsestrudel.

VonIris Alanyali

Der berühmte Professor hat lauter Bestseller geschrieben, einen über das Herz und einen über den Rücken zum Beispiel, und jetzt ein neues Buch, über gesunde Ernährung für Kinder. Also nehmen wir uns vor, bei der Verabredung zum Mittagessen gerade zu sitzen und nur einen Salat zu bestellen. Und dazu ausreichend Wasser zu trinken.

Und dann kommt Dietrich Grönemeyer daherspaziert in Jeans, mit dick gepacktem Rucksack und bunt kariertem Hemd, und sofort entspannen sich die Schultern, und man möchte am liebsten ein Bier mit dem Professor trinken und eine Currywurst dazu essen.

"Erst Currywurst, dann Kino, dann Döner": ein gelegentliches Freizeitritual Grönemeyers. Weil die Bochumer Instanz Dönninghaus, übrigens auch Bruder Herberts liebste Wurst, direkt neben dem Union-Kino liegt und die Dönerbude gleich auf der anderen Seite.

"Lieber mit Ketchup als mit Mayo"

Wenn Dietrich Grönemeyer selber kocht, dann gerne ayurvedisch, also ohne Fleisch, aber mit viel Gemüse und Gewürzen. Thailändische Küche mag er auch. Aber wir sind in Berlin-Steglitz, kulinarisch eher bedenklich. Der nagelneue Berliner Ableger von Grönemeyers Institut für Mikrotherapie liegt nicht weit, deshalb hat er um einen Treffpunkt hier gebeten. 

Wir entscheiden uns für das "Landhaus im Botanischen Garten", weil es so nett klingt und eine Terrasse an einem kleinen See hat. Es entpuppt sich als eines jener Ausflugslokale, die sich ganz auf ihre Lage verlassen. Auf der Karte stehen zum Beispiel "Leberkäse mit Spiegeleier (sic!), Bratkartoffeln und Ketchup". Aber vielleicht wegen des strahlenden Sonnenscheins, vielleicht wegen des schlechten Gewissens wählen wir beide den ambitionierteren "Gemüsestrudel mit Tomatenkräutersoße und kleinem Salat". Und eine große Flasche Mineralwasser dazu.

Viel trinken ist wichtig, gerade im Sommer. Steht auch im Buch. Und dass in einem Liter Orangenlimonade eine halbe Orange und 39 Würfel Zucker stecken. Und man nach Limos viel Wasser trinken sollte. "Das verdünnt die Schadstoffe und aktiviert die Ausscheidung." Es ist typisch für "Wir Besser-Esser", dass da eben nicht "Trinkt ja keine Limos!" steht. Es steht darin auch nicht "Keine Pommes!", sondern "Lieber mit Ketchup als mit Mayo". Und das Wundermittel gegen alles Übel: "Bewegen, bewegen, bewegen."

Nicht auf den Salat verzichten

Es ist das Markenzeichen Dietrich Grönemeyers und macht seine Glaubwürdigkeit und seinen Erfolg aus, dass er seine Ratschläge auf die Lebenswelten seines Publikums bezieht. "Essen soll schmecken und ausgewogen sein. Aber wer gern auch mal eine Currywurst oder einen Döner isst, sollte auf den Salat nicht verzichten."

Seit seinem Medizinstudium in Kiel setzt der Erfinder einer minimal invasiven Operationstechnik sich für eine "menschliche Medizin" ein, eine, die Hightech und alte Weisheit mithilfe des gesunden Menschenverstandes verbindet. Currywurst und Ayurveda eben.

Und weil es dem Aufklärer Grönemeyer immer auch um die Hintergründe seiner Verbesserungsvorschläge geht, beginnt sein Ernährungsratgeber für Kinder mit einer Forschungsreise vom Mund durch Speiseröhre, Magen und Darm, die sechs "Mini-Reporter" mithilfe des Kleinen Medicus unternehmen. Er ist der körperreisende Titelheld aus Grönemeyers Bestseller von 2005, einem medizinischen Gesundheitsbuch.

© DIE WELT

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