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05.06.2012, 14:23 Uhr

US-Fast-Food gilt in Vietnam als cool

Hanoi (dpa) - Hip-Hop und Facebook sind in Vietnam bei jungen Leuten so populär wie in aller Welt. Cool ist es dazu, im amerikanischen Burger-Restaurant gesehen zu werden.

"Die Schwester meiner Freundin spart extra, um in einem Fast Food-Restaurant zu essen. Dann macht sie Fotos und lädt sie im Internet hoch", sagt Thuy Nguyen, eine Reporterin der Zeitung Tuoi Tre in Ho-Chi-Minh-City, dem früheren Saigon. "So ist die Mentalität: Was aus dem Ausland kommt, ist besser als das Vertraute."

Die ersten echten amerikanischen Burger im weichen Brötchen bietet Burger King seit ein paar Monaten am Flughafen von Saigon an. Der Laden ist an einem Nachmittag mitten in der Woche voll, obwohl die Whopper mit 84 000 Dong - etwa 3,25 Euro - teuer sind. Die typische Nudelsuppe, wie sie an jeder Straßenecke angeboten wird, kostet oft weniger als die Hälfte. Friseur Son (29) hat sich gerade einen Riesenburger mit Pommes genehmigt. Mit Freunden kommt er regelmäßig. "Aber mehr als zweimal Fast Food in der Woche ist nicht drin", sagt er. "Alles ganz schön fett", findet seine Freundin Huyen.

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Buletten mit Tomate, Gurke und Senf im Brötchen sind zwar in, der vietnamesischen Esskultur aber eigentlich so fremd wie roher Fisch in Deutschland. Kochbuchschreiberin Lady Borton hat Zweifel, dass US-Fastfoodketten in Vietnam so erfolgreich werden wie anderswo in Asien. "Für Vietnamesen ist das Essen nicht komplett, wenn kein Reis dabei ist", sagt sie. Ausgehen und Fritten essen ist zwar schick, aber zu einer richtigen Mahlzeit gehört für sie Reis."

Die Lust auf westlich anmutende Burger und das Bedürfnis nach Reis hat ein pfiffiger Vietnamese nun kombiniert. Ngo Trong Thanh (43) serviert in seinen Schnellrestaurants "VietMac" verschiedene Fleischsorten und Salat zwischen zwei Fladen aus zusammengeknetetem Reis. "Die Leute mögen Fast Food, und Burger sind weltweit das Fast Food-Symbol schlechthin", sagt Thanh. "Aber ich biete meinen Kunden etwas Vertrautes: Wir sind ein Land mit Reiskultur."

Eine Stewardess sitzt im VietMac in Hanoi, balanciert den Reisfladen-Burger geschickt zwischen ihren manikürten Händen und beißt lustvoll zu. "Sooo lecker", sagt sie zufrieden. "Und gesund." Thanh lässt seine Burger mit einer Tasse Suppe servieren, ebenfalls ein Zugeständnis an die vietnamesische Esskultur. "Alles in der Welt braucht Balance, Tag und Nacht, Ying und Yang, auch das Essen", erläutert Thanh. Deshalb gehöre zum Burger eine Suppe.

Der "VietMac" hat die Herzen der Fast Food-Fans im Sturm erobert. Thanh hat innerhalb eines Jahres zwölf Schnellrestaurants aufgemacht. Ihn hätten Erinnerungen an seine Kindheit inspiriert, sagt er. "Meine Familie war vor 40 Jahren sehr arm. Wir hatten jeden Tag nur Reis und ein bisschen Gemüse, das meine Mutter im Garten hatte. Sie hat für mich jeden Tag Reis zusammengeknetet, das habe ich dann mitgenommen in die Schule."

Aus dem Knetreis entstand die Reisfladen-Idee. "Viele Leute in meinem Alter haben solche Erinnerungen an die Kindheit", sagt Thanh. Weil seine Burger so gut ankommen, blickt er bereits über den Tellerrand: In Berlin soll im August der erste VietMac mit Platz für 50 Gäste aufmachen, die Lizenz sei schon erteilt. London stehe auch auf der Liste. "Wenn man etwas Traditionelles kreieren kann, dass das moderne Zeug überflügeln kann - dann hat man einen echten Renner", sagt Thanh.

Alle News vom: 5. Juni 2012 Zur Übersicht: Essen & Genießen

2 Meinungen zu "Wer cool sein will, isst Burger"

  • Wenyou
    Mittwoch, 06.06.2012, 13:34 Uhr
    Es gab Zeiten, da waren Kartoffeln -- egal, ob als Pommes Frites, Bratkartoffeln, Kartoffelbrei oder was auch immer zubereitet -- der Esskultur in ganz Europa vollkommen fremd, denn es gab Kartoffeln nur in Amerika. Aber irgendwie haben sich die meisten Europäer dann eben doch daran gewöhnt. Dass einer Kultur ein bestimmtes Gericht zunächst fremd ist, heißt also sicher nicht, dass es nicht von ihr übernommen werden könnte. Die Vietnamesen haben z.B. auch nach Ansicht vieler Menschen das beste Brot im ganzen östlichen Asien: von den französischen Kolonialherren übernommenes Baguette (übrigens ganz und gar ohne Reis und trotzdem auch als vollwertige Mahlzeit empfunden). Das kann man noch im kleinsten vietnamesischen Dorf bekommen. Wegen der französischen Einflüsse ist die ansonsten eher nicht gerade für Südostasien typische Butter in Vietnam genauso geläufig wie Sojasoße, und Weizenmehlnudeln sind in Vietnam genauso zu finden wie Reisnudeln. Ein Gericht mit Weizenmehlnudeln erfordert ebenfalls keinen Reis, um von Vietnamesen als vollständig erkannt zu werden. Die im Artikel zitierte Kochbuchschreiberin Lady Borton hat daher offenbar allenfalls äußerst oberflächlich recherchiert, wenn sie behauptet, für alle Vietnamesen gehöre zu einer richtigen Mahlzeit immer auch Reis. Reis ist nur ein -- zugegebenermaßen sehr wichtiger -- Bestandteil sehr vieler vietnamesischer Gerichte, jedoch ganz entschieden nicht ausnahmslos aller vietnamesischen Mahlzeiten. Auch aus Südchina stammende Dim-Sum oder ursprünglich wohl ungarisches, von den Franzosen eingeführtes Gulasch gibt es in Vietnam. Und einige meiner vietnamesischen Freunde waren lange Jahre fest davon überzeugt, dass Ratatouille eine urvietnamesische Spezialität sei, die die Franzosen von den Vietnamesen kopiert hätten... Was als typisch oder traditionell gilt, kann sich innerhalb von ein bis zwei Generationen grundlegend ändern, ohne dass es den Betreffenden wirklich auffällt. Auch bei uns in Europa ist ein Essen bei McDonald's & Co. für die meisten jüngeren Leute ganz alltäglich, und doch stemmen sich viele Vertreter der älteren Generationen selbst heute noch verzweifelt gegen den Einbruch der "typisch amerikanischen" Esskultur (ohne sich dabei zu fragen, wann Fast Food überhaupt "typisch amerikanisch" geworden ist: Dort gibt es keinesfalls schon seit 1492 nur noch Hamburger mit Pommes.). Fast Food ist in erster Linie eine Esskultur, die den Lebens- und Arbeitsverhältnissen der neueren Zeit geschuldet ist, nicht NUR eine reine Modeerscheinung. Die allgemeine kulturelle Angleichung durch die Globalisierung und die zunehmende Akzeptanz der USA in der VR China und Vietnam wird der "typisch amerikanischen" Fast Food-Esskultur sicher auch dort eine entsprechende Verbreitung verschaffen: zunächst noch über die Möglichkeit, so seine moderne, weltgewandte Lebensart zu dokumentieren, und später dann aufgrund der Gewohnheit und der Eile bis zum nächsten Termin. So war es in Europa schließlich auch. Der größte Unterschied dürfte eher sein, dass in Vietnam auch bislang schon gar nicht so oft wie in Europa zu Hause gekocht, sondern unterwegs an einem Marktstand oder in einer Garkücke gesnackt wird -- "typisch vietnamesisches" Fast Food eben... Vietnamesisches Essen ist sicherlich deutlich gesünder und überwiegend auch weit leckerer als Fast Food à la McDonald's, aber es ist meist auch um Einiges zeitaufwändiger zuzubereiten. Und Zeit ist etwas, das auch in Vietnam zunehmend knapper wird. Leider! Aber vielleicht schaffen es ja doch ein paar vietnamesische Gerichte in die internationale Fast Food-Riege -- lohnen würde es sich jedenfalls. Und es muss dann ja vielleicht nicht unbedingt nur die "urvietnamesische" Ratatouille sein... ;-)
  • Marcus1973
    Mittwoch, 06.06.2012, 11:49 Uhr
    Na, jetzt versauen die Amis auch die Vietnamesen mit ihrem Fast Food. Hat man ja schon bei uns, den Russen und den Chinesen gesehen. Die werden auch noch dahinter kommen, dass das Essen nur Mist ist !
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