Wie lässt Jogi spielen?
Tor
Im deutschen Tor sind die Rollen klar verteilt. Manuel Neuer (Bayern München) ist die unangefochtene Nummer Eins. Trotz mancher Patzer in Liga und Champions League ist dem gebürtigen Gelsenkirchener der Stammplatz sicher. Tim Wiese (Werder Bremen, bald 1899 Hoffenheim) muss sich mit der Stellvertreter-Position begnügen. Für Ron-Robert Zieler, Schlussmann von Hannover 96, bietet das Turnier die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Ein tatsächlicher Einsatz ist für den 23-Jährigen aber praktisch ausgeschlossen.
Abwehr
In der Außenverteidigung hängt vieles davon ab, ob Löw seinen Kapitän Philipp Lahm lieber auf der rechten oder der linken Seite spielen lassen will. Läuft Lahm auf der rechten Flanke auf, rückt auf links der Dortmunder Marcel Schmelzer ins Team. Der Linksfuß vom amtierenden Deutschen Meister gilt allerdings nicht als sattelfest, wie die Testspielniederlage gegen die Schweiz am vergangenen Samstag gezeigt hat. Mehrmals wurde Schmelzer hier von seinen Gegenspielern überlaufen. Da Philipp Lahm lange Jahre auf der linken Seite Weltklasseleistungen ablieferte, hat Löw die Qual der Wahl. Mit Benedikt Höwedes (Schalke 04) und Jerome Boateng (Bayern München) stünden auf rechts zwei, wenn auch sehr defensiv orientierte Alternativen bereit.
Die Innenverteidigung wird der Bundestrainer aller Voraussicht nach um Holger Badstuber vom FC Bayern München herum basteln. Der Linksfuß hat sich sowohl im Club als auch im Nationalteam zum unverzichtbaren Abwehrchef entwickelt. Neben dem gebürtigen Memminger können auch Mats Hummels (Borussia Dortmund), Per Mertesacker (Arsenal London), Jerome Boateng und Benedikt Höwedes in der Zentrale spielen. Während für Hummels seine Kopfballstärke spricht, besitzt Mertesacker die größte Erfahrung. Mit Boateng bildet Badstuber die etatmäßige Innenverteidigung bei Bayern München, hier wäre also Eingespieltheit Trumpf.
Voting
Wie weit kommt das deutsche Team bei der EM?
Mittelfeld
Die personelle und taktische Besetzung des Mittelfelds wird sich je nach Gegner unterschiedlich gestalten. Im Normalfall dürfte Joachim Löw auf ein System mit zwei "Sechsern" zurückgreifen. Hier wären Bastian Schweinsteiger (Bayern München) und Sami Khedira (Real Madrid) wohl erste Wahl. Als spielerisch hochwertiger Ersatz könnten Toni Kroos (Bayern München) oder Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) fungieren. Zum Sichern einer knappen Führung hätte der Bundestrainer Lars Bender von Bayer Leverkusen in der Hinterhand, der mit Laufstärke und Zweikampfstärke gegnerische Offensivbemühungen erschweren könnte. In der offensiven Dreierreihe kommt Löw um den Real-Madrid-Star Mesut Özil nicht herum. Zur rechten Hand des Ex-Bremers wird sich wohl Thomas Müller (Bayern München) wiederfinden, während vieles für die Erfahrung von Lukas Podolski (1. FC Köln, bald Arsenal London) auf Linksaußen spricht.
Verzichtet die deutsche Mannschaft gegen schwächere Gegner auf einen zentralen Mittelfeldspieler, könnte einer der drei Offensivwirbler André Schürrle (Bayer Leverkusen), Mario Götze (Borussia Dortmund) oder Marco Reus (Borussia Mönchengladbach, bald Borussia Dortmund) ins Team rücken. Während bei Götze der Fokus auf Technik und Kreativität liegt, bestechen Schürrle und Reus mit Tempo und Torgefahr.
Sturm
Im Sturm hat Löw nach der Absage an Cacau nur zwei gelernte Torjäger an Bord. Doch die Entscheidung zwischen Mario Gomez (Bayern München) und Miroslav Klose (Lazio Rom) wird dem Cheftrainer der deutschen Mannschaft äußerst schwer fallen. Gomez hat eine bärenstarke Saison hinter sich und insgesamt in 55 Spielen 41 Tore erzielt. Im Nationalteam konnte der Münchner seine Abschlussqualitäten bislang aber nur selten unter Beweis stellen. Klose hingegen schoss in der abgelaufenen Spielzeit in 40 Spielen lediglich 17 Tore und hatte zuletzt mit einer unangenehmen Knöchelverletzung zu kämpfen. Löw konnte sich aber in der Vergangenheit immer auf den Wahl-Römer verlassen. Bei Turnieren lief Klose regelmäßig zur Höchstform auf. Auch profitiert das Team von der mannschaftsdienlichen Spielweise des Routiniers stärker als vom statischen Mittelstürmerspiel seines Konkurrenten Gomez.
Das große Plus der Löw-Elf bei der anstehenden EM könnte der ausgeglichene Kader sein. Mit wenigen Ausnahmen ist jede Position mit mindestens zwei gleichwertigen Kickern besetzt. Die Zeiten der hoffnungslosen Bankdrücker, die keine wirkliche Einsatzchance haben, sind also endlich vorbei.
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