Hooligan-Gewalt in Warschau: fast 200 Festnahmen
Nach Angaben des Warschauer Polizeisprechers Maciej Karczynski wurden 184 Hooligans festgenommen, darunter rund 150 aus Polen und mehr als 20 Russen.
Bei den Zusammenstößen vor und nach der EM-Vorrundenbegegnung zwischen Polen und Russland (1:1) wurden 20 Personen verletzt, darunter zehn Polizisten. Mehr als 6.000 Beamte waren im Einsatz. Regierungssprecher Pawel Gras erklärte im polnischen Rundfunksender RFM, weitere Festnahmen seien wahrscheinlich. "Die Gewalttäter sollen nicht glauben, dass sie ruhig schlafen können."
In den polnischen Medien wurden die Krawalle nur am Rande thematisiert. Lediglich die Boulevardzeitung "Fakt" platzierte eine zweiseitige Bildreportage prominent im Blatt unter der Überschrift: "So wurde in der Hauptstadt das Sportfest zusammengeschlagen."
Schon während des Spiels im Warschauer Nationalstadion hatten in der Innenstadt Hooligans versucht, durch einen Technik-Eingang in die Fanzone einzudringen. Dort hatten sich nach Angaben der Organisatoren rund 100.000 Fans vor allem in den polnischen Farben versammelt. Die Hooligans bewarfen Polizisten mit Steinen und Flaschen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.
Zuvor waren mehr als 1.000 russische Fans in einem Block zum Spiel ins Warschauer Stadion marschiert. Sie wollten mit dem gemeinsamen Marsch ihren Unabhängigkeitstag feiern. Die Organisatoren hatten sich vorher verpflichtet, keine sowjetischen Symbole zu tragen, die die aufgeheizte Stimmung noch weiter anfachen könnten. Die Polizei verstärkte den Schutz der russischen Botschaft.
Trotz eines massiven Polizeiaufgebotes versuchten polnische Hooligans wiederholt, die Russen zu provozieren und anzugreifen. Steine flogen, Feuerwerkskörper wurden gezündet. Auch aus dem russischen Block suchten Hooligans die Auseinandersetzung mit den Polen.
Auch eine Gruppe älterer Polen demonstrierte gegen Russland. "Russland hat den polnischen Präsidenten ermordet" hieß es auf einem Plakat in Anspielung auf den Flugzeugabsturz des damaligen Präsidenten Lech Kaczynski beim Anflug auf das russische Smolensk. "Stoppt Putin und den KGB", hieß es auf einem anderen Plakat, das ein Mann dem russischen Fanblock entgegenstreckte. Als russische Fans während der Nationalhymnen vor dem Anpfiff eine riesige Flagge mit einer martialischen Figur mit einem Schwert und der Aufschrift "This is Russia" enthüllten, gellten Pfiffe durch das Stadion.
Der polnische Innenminister Jacek Cichocki hatte den Polizeieinsatz vor dem politisch wie sportlich brisanten Spiel als bisher größte Herausforderung für die Sicherheitskräfte bei der EM bezeichnet.
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