"Horror-Jobs" im Selbsttest
In "Horrorjobs - wie ich mich probehalber ausbeuten ließ" (Fischer) beschreibt der Wahlberliner die Arbeit in Berufen, von denen als Kind wohl niemand geträumt hat. Warum man sich so was antut? "Ich fand das einfach spannend", sagt Kurfer. "Wie eine Parallelwelt."
Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung arbeiten mehr als zehn Millionen Deutsche in Teilzeitjobs. Für jeden fünften ist das eine Notlösung, weil er keine Vollzeitstelle findet.
Die Klofrau, mit der Kurfer sich eine Schicht teilte, hingegen hat einen Vollzeitjob, wie er erzählt. Weil das Geld als Erzieherin aber nicht reicht, geht sie nach getaner Arbeit noch Toiletten schrubben. Früher habe Kufer einer Klofrau ab und an keine 50 Cent hingelegt - "wahrscheinlich passiert mir das so schnell nicht wieder."
Also ein Plädoyer für Mindestlohn? "Selbstverständlich", sagt er. "Ich finde, dass Mindestlohn als Zeichen wichtig und richtig wäre."
Auch er selbst hat im Niedriglohnsektor Erfahrung. Privat arbeitete der gebürtige Bayer schon in gut zwanzig verschiedenen Nebenjobs. Mittlerweile ist er Journalist. Als Tellerwäscher & Co verdingt er sich nur noch, um darüber zu schreiben.
Fußballmaskottchen, Kinderanimateur, Erschrecker in der Geisterbahn oder Museumswärter. Die Liste von Kurfers "Horrorjobs" ist lang. Die Definition liege aber im Auge des Betrachters, betont er.
"Wenn Sie fanatischer Fußballfan sind, kann auch der Fußballmaskottchen-Job die Erfüllung sein." Er selbst fand es eher anstrengend: "Sie sehen nichts, Sie hören nichts, Sie stolpern ständig über Ihre eigenen Füße."
Besonders kurios wurde es für den 36-Jährigen im Sexshop. "Um zehn Uhr morgens war da die Hütte voll - und damit meine ich nicht den Shop, sondern das Kino." Ein Gast laufe manchmal den ganzen Tag nackt durch den Laden. "Es gibt Männer, die ziehen vormittags an einem Wochentag eine Tageskarte, verbringen dort Stunden, gehen kurz essen, und kommen dann wieder zurück."
Welche Arbeit die Schlimmste ist, da will sich Kurfer nicht festlegen. An der Redensart "Vom Tellerwäscher zum Millionär" sei zumindest nichts dran. "Das hat nichts mit der Realität zutun." Aber: "Jeder Job kann ein Horrorjob sein, wenn Sie einen Vorgesetzten haben, der Sie gängelt. Oder wenn Sie Kollegen haben, die Sie mobben."
Während sich eine vermeintlich harmlose Stelle als Museumswärter als Knochenjob herausstelle ("Es ist so hart, weil es so langweilig ist."), beeindruckten Kurfer die Sargträger ("ziemlich schweigsame Leute") hingegen sehr. "Gerade wegen dieser Würde, die sie auch bei Beerdigungen zeigen, bei denen kein Publikum ist."
Ob er jemals ein Übernahmeangebot bekommen hat? "Nee, nee. Und wahrscheinlich hätte ich es auch ausgeschlagen." Eines steht für ihn fest: Keine "Horrorjobs" mehr, auch nicht auf Probe.
11 Meinungen zu ""Horror-Jobs" im Selbsttest"
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togog80
Donnerstag, 02.02.2012, 16:27 Uhr Die Arbeit als Hotline-Callagent ist der Horror. Kann ich nur von abraten. Den ganzen angestauten Ärger in der Warteschleife, nehmen die Kunden mit ins Gespräch und bevor man etwas sagt, bekommt man Beleidigungen und doofe Kommentare ab. Dann für diesen miesen Verdient. Never!!! -
schieber1
Freitag, 27.01.2012, 13:33 Uhr Erkläre mir doch bitte mal jemand warum Sargträger oder Tellerwäscher Horror-Jobs sind. Das sind ganz normale Berufe welche gebraucht werden. Ich empfinde diese Berufe genauso ehrbar wie Straßenwärter, Kellner, Koch usw. -
Azze
Freitag, 27.01.2012, 12:50 Uhr Naja, wenn der Präsi von TSC Klein-kennste-nich der Meinung ist, sein Club brauche unbedingt ein Maskottchen, aber nix zahlen will/kann, dann muss er sich eben selbst in die Plüschpelle zwängen. So einfach ist das. -
BBQ
Freitag, 27.01.2012, 11:48 Uhr ich weiß nicht, ob die Mindestlohndebatte hier an der Stelle richtig ist. Jeder Job kann Horror oder Erfüllung sein. Was soll man denn einem Maskottchen zahlen? Ein Verein wie FC Bayern München kann sich leisten hier einen Mindestlohn zu zahlen. Aber ein Verein wie TSC Klein-kennste-nich ist auf Ehrenämtler angewiesen. Niemand ist gezwungen etwas zu machen, dass er nicht will. Man kann sich weiterbilden oder dorthin gehen wo es den Traumberuf gibt. Wer das nicht will, ist doch eigentlich selbst an seiner Lebensgestaltung schuld. Wieso gibt man immer anderen die Schuld an seinem schlechten Job. Wenn ihr denkt, dass die Herren in der FDP derzeit einen tollen Job haben, den diese nicht verdienen, dann tretet in die FDP ein und ändert etwas. -
Azze
Freitag, 27.01.2012, 11:03 Uhr Ich kann manches aus dem Artikel voll bestätigen. Als Student macht man ja so manchen Job, nur um sich über Wasser halten zu können. LKW - Nachttouren, Sargträger, Bestatter und Küchenhilfe hatte ich damals auch schon durch. Solange das Umfeld passt, ist das alles kein Thema. Der schlimmste Job war an dem Punkt interessanterweise die Küche, weil die meisten Köche Choleriker sind und der Umgangston meist ziemlich rau. Da flog auch schon mal eine Pfanne knapp an meinem Kopf vorbei, weil ein Salat nicht fertig war... Die Sache mit der Klofrau ist inzwischen allerdings ein etwas zweischneidiges Schwert, seit bekannt wurde, dass in den meisten Fällen das vermeintliche Trinkgeld in Wirklichkeit ins Säckel des Arbeitgebers fließt. Da bin ich inzwischen der Meinung, dass sowas nicht noch unterstützt werden muss. Ist zwar im Moment bedauerlich für die, die das Geld behalten dürfen, dient aber evtl. der Regulierung der angemessenen Vergütung: Wenn nämlich wegen ausbleibender Trinkgelder den Job irgendwann keiner mehr macht, werden sich eben die Gehälter anpassen müssen -
eiwafru
Freitag, 27.01.2012, 10:41 Uhr Ja, jeder Politiker und jeder, der in einer Unternehmensleitung sitzt, sollte mal solche Erfahrungen machen. Ich hab auch so eine Aktion gestartet um vom Elfenbeinturm des Studiums runterzukommen, 6 Monate Nordsee... und 6 Monate auf dem Bauernmarkt. Körperlich und an der frischen Luft arbeiten kann ich übrigens (zumindest als Ergänzung) sehr sehr empfehlen, sollten auch viel mehr Leute machen: gut für die Gesundheit, für die Nerven, für die Atmung, die Wahrnehmung. JEDER sollte von seinem Job gut leben können. Das scheint uns normal, aber die Fülle selbstsüchtiger Politiker bringt das nicht übers Herz... Zeit für eine Erneuerung der Politik(er) zum Positiven. -
Angar
Freitag, 27.01.2012, 10:21 Uhr Kapitalismus funktioniert nur, wenn 1/3 der Leute hier für Kost und Logis arbeitet.
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Der Countdown zur EURO 2012 läuft...
































