Schule schwänzen: Gemobbte Schüler tun es häufiger
Riskante Fehlzeiten
Befragt wurden 2.700 Schüler der 8. Und 9. Klassen an Schulen der Stadt Heidelberg und des Rhein-Neckar-Kreises, wie häufig und aus welchen Gründen sie nicht zur Schule gehen. Daneben beantworteten die Schüler auch Fragen zu Themen wie Angst, Depressivität, Sozialverhalten und Mobbing. 53 Prozent der Jugendlichen blieben dem Unterricht zwei bis zehn Tage pro Monat mit einer Entschuldigung fern, sechs Prozent blieben mehr als zehn Tage zu Hause. Unentschuldigt fehlten rund 17 Prozent der Schüler pro Monat ein bis vier Tage, vier Prozent schwänzten mehr als fünf Tage. "Uns hat vor allem überrascht, wie häufig Schüler mit Entschuldigung dem Unterricht fern bleiben", sagt Prof. Romuald Brunner von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Reizbare Schüler
Ob entschuldigt oder nicht - häufiges Fehlen war mit einem gestörten Sozialverhalten und zum Teil auch mit Depression verknüpft. So gaben betroffene Schüler an, sich wertlos zu fühlen, das Interesse an Mitmenschen verloren zu haben oder leicht reizbar zu sein. Ein weiteres auffälliges Ergebnis: Während acht Prozent der Mädchen, die nie unentschuldigt fehlen, von Mobbingerfahrungen berichten, sind es bei den häufig unentschuldigt fehlenden Schülerinnen mit 16 Prozent doppelt so viele. Bei häufigem Fehlen mit Entschuldigung ist der Zusammenhang bei Jungen besonders ausgeprägt: Rund 17 Prozent sind von Mobbing betroffen, von den unauffälligen Schülern nur 6,5 Prozent.In fünf europäischen Ländern und Israel werden derzeit rund 10.000 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren untersucht. Auch Eltern und Lehrer werden einbezogen. Ziel ist es, das gesellschaftliche Problem Schulfehlzeiten zu erfassen und zu ermitteln, welche Präventionsprogramme hilfreich sind. "Schulfehlzeiten sind eine gesellschaftliche, bildungspolitische und medizinische Herausforderung", betont Lenzen. (im)
Quelle: Die Studie ist der deutsche Beitrag zu der von der EU geförderten Studie „Working in Europe to Stop Truancy Amoung Youth (WE-STAY)“.
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15 Meinungen zu "Mobbingopfer schwänzen öfter"
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Flut
Dienstag, 11.09.2012, 13:13 Uhr Mobbingopfer schwänzen öfter... wow. Eine bahnbrechende Erkenntnis. Ungefähr so wie "wer draußen arbeitet wird häufiger durch Regen nass" oder "Reiseleiter arbeiten häufig im Ausland". ... was nix daran ändert, dass es ein trauriges Thema bleibt. -
GoldenRose1
Donnerstag, 06.09.2012, 12:57 Uhr Helfen kann sich das Mobbing-Opfer nur selbst?!?! Das lese ich hier sehr viel, und das mag stimmen, wenn es um erwachsene Opfer geht, aber bei Kindern ist die Dynamik doch ganz eine andere! Ich bin auch schlimm gemobbt worden, da ich als Stadtkind in eine bestehende Land-Klasse musste und einfach "anders" war. Ich (Mädel, damals eher klein und dünn geraten) wurde sowohl von den Mädchen als auch von den Jungen grün und blau geprügelt, aufs Übelste geschimpft und drangsaliert. Meine Mutter versuchte, mit den Lehrern zu reden, aber die sahen einfach weg. Ich solle mich halt whren. Wie soll sich ein schwächliches Mädchen gegen drei kräftige Bruschen oder zwei groß gewachsene Mädels wehren?? Das hat mich gezeichnet und mein Leben für fast ein Jahrzent verpfuscht. Erst jetzt fange ich langsam an, darüber hingwegzukommen. Habe nun auch mit Kampfsport angefangen, das tut Wunder! Wurde an meinem letzten Arbeitsplatz auch von einer Tussi gemobbt. Nachdem der Vorgesetzte untätig blieb, habe ich mir einen anderen Job gesucht und bin hier nun seit 2 Jahren glücklich und sozial eingebunden! Man kann es sich ändern - aber als Kind nur sehr, sehr schwer. -
Lustich124
Freitag, 06.07.2012, 17:49 Uhr Naja, wenn man den Mund nicht aufmacht, oder sich da mit dem Arsch draufsetzt, dann ist es für die Mobbingopfer schwer. Das Problem finde ich ist aber auch das wie schon gesagt die Lehrer da drüber wegschauen, weil sie vielleicht selbst Angst haben, Heutzutage muss man doch auch als Lehrer sich schon schlimme Dinge gefallen lassen. Die Hemmschwelle für die Jugendlichen die die Alphatiere sein wollen sinkt doch zusehend. Da diese Schüler zuhause immer die Musterknaben sind hilft auch der Weg über die Eltern nix, weil die teilweise genauso sind. Es sind auch nicht nur Deutsche, wenn man teilweise sieht wie junge Türken über Schulhöfe marschieren in ihrer Clique, dann wird mir schlecht. Ich will jetzt nicht Nazi oder Buhmann sein, aber ich finde auch gerade hier sollte der Staat viel mehr durchgreifen und im zweifelsfall, sollte er das Geld mal sinnvoll ausgeben und an Schulen Sicherheitsbeamte stationieren, falls die Lehrer Angst haben, aber nein überall muss gespart weren, damit Merkel und Co Audi und BMW fahren können. Mit D gehts doch zusehends Bergab. -
shamona
Freitag, 06.07.2012, 17:40 Uhr Geht das nicht Hand in Hand? Unlust und Angst? Mal abgesehen davon ist den Lehrern das auch meist furzegal. So oder so wird es als Faulheit dargestellt. Und wenn sie einmal diesen Stempel aufgedrückt bekommen haben, werden sie ihn auch nicht mehr los. Ich kann bei sowas nur zu Schulwechsel raten. Hätte ich auch tun sollen damals. -
flipperfee
Freitag, 06.07.2012, 17:38 Uhr Der Mensch ist als soziales Wesen in Gruppen agierend. In den Gruppen bestehen Dynamiken in denen es in der Regel um Machtverhältnisse geht. Mobbingopfer übernehmen die Position des schwächsten Gliedes in der Gruppe, weil sie nicht die Kraft haben sich durchzusetzen gegen die "Alphatiere" und die Ihnen nahestehenden Betatiere. Sie werden isoliert, haben in der Gruppe trotzdem eine entscheidende Funktion, denn über Ihre Misshandlung gewinnen die anderen "Täter" ihre Energie zur Positionssicherung. Gerade Kinder müssen den Umgang mit sozialer Kompetenz lernen, damit im Extremfall Mobbing die für alle Beteiligten richtigen Handlungsmechanismen zum tragen kommen können, um eine positive Gruppendynamik entstehen lassen zu können und Eskalation zu verhindern. Entscheidend ist immer die genaue Ausprägung und der Fortschritt des Mobbingstatus. Schuldzuweisungen finde ich persönlich ziemlich dumm, denn der Mensch trägt Verantwortung für sich selbst. Allen betroffenen Kindern kann ich nur raten sich einem Menschen, dem sie vertrauen, zu öffnen. Lässt sich in der aktuellen Gruppe über einen bestimmten Zeitraum keine Verbesserung der Situation erreichen, würde ich in jedem Fall mein Kind an eine andere Schule schicken, denn bleibt es an der bisherigen, werden die Drangsalierungen nicht wirklich aufhören. Die gemobbten Kinder müssen aber auch Eigenverantwortung übernehmen und ihr eigenes Verhalten beobachten lernen. Da jeder Mensch gerne Aufmerksamkeit hat, kann es auch sein, dass Kinder frühzeitig darauf gepolt wurden negative zu provozieren. Oft liegen die Ursachen für eine psychische Verfestigung solcher Verhaltensweisen im übrigen in frühkindlichen Prägungen. -
halman2
Freitag, 06.07.2012, 17:29 Uhr @Zaa11 "Wenn man sich nicht wehrt, dann verliert man seine menschliche Souveränität." Toller Satz!!! Hier gab es an einer Schule mal einen größeren Mobbing-Vorfall, der länger in der Zeitung behandelt wurde. Der Rektor war auf beiden Augen blind, verharmloste nur. Die Täter durften an der Schule bleiben die Opfer mußten von der Schule runter. (Irgendwie hat das Nazi-Tradition. - Ekelhaft sowas!) -
halman2
Freitag, 06.07.2012, 17:24 Uhr Wer weiß schon wieviel Selbstmorde bei Kindern und Jugendlichen auf das Konto von Mobbing-Tätern gehen? Diese kommen aber meistens fein aus der Sache weil die ihre ebenso agressiv gestrickten Eltern auf ihrer Seite haben und ebenso die nicht-hinschauenden Lehrer, die keine Courage haben. Feiglinge und Schleimscheißer überall.
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