Bildungsabschluss-Werteskala vorerst ohne Abitur
Berlin (dpa) - Der Streit um den Wert von Abitur und Lehre ist mit einem Kompromiss vorerst beigelegt. Bund, Länder, Handwerk und Gewerkschaften verständigten sich am Dienstag in Berlin darauf, auf die Einordnung von Abitur und Mittlerer Reife in den geplanten "Deutschen Qualifikationsrahmen" (DQR) in den nächsten fünf Jahren zu verzichten. Man wolle zunächst weitere Erfahrungen sammeln.
Die achtstufige DQR-Werteskala über die erreichten Bildungsabschlüsse soll Arbeitnehmern die Mobilität in der EU erleichtern und den Arbeitgebern Informationen über das jeweilige Qualifikationsniveau der Bewerber vermitteln.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte, Schulabschlüsse bereiteten "nur mittelbar auf einen Beruf vor". Deshalb sei der Kompromiss sinnvoll. Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, kündigte an, dass der Wert der verschiedenen Bildungsabschlüsse in fünf Jahren erneut überprüft werde.
Einigkeit besteht darüber, dass zweijährige Berufsausbildungen (etwa Verkäuferinnen) auf Stufe 3 der Werteskala eingeordnet werden, drei- oder dreieinhalbjährige Berufsausbildungen hingegen auf Stufe 4. Die Stufe 5 ist für erfolgreiche Fortbildungen vorgesehen. Auf Stufe 6 sollen gleichwertig der Hochschul-Abschluss Bachelor und der Meisterbrief stehen. Stufe 7 ist dem Master oder dem klassischen Hochschul-Diplom vorbehalten. Die Promotion steht auf Stufe 8.
Bundesregierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften wollten zunächst das Abitur wie den Lehrabschluss gleichwertig auf Stufe 4 einordnen. Die Kultusminister der Länder verlangten jedoch für das deutsche Abitur die Stufe 5. Handwerk und Gewerkschaften sahen darin einen Angriff auf das deutsche System der betrieblichen Lehre und sprachen gemeinsam von "Kulturkampf". Mit dem Kompromiss bleiben nun die schulischen Abschlüsse bei der Einordnung zunächst außen vor - wie auch in Frankreich.
Der DQR soll in einen "Europäischen Qualifikationsrahmen" (EQR) einfließen. Ursprünglich sollte bereits mit Beginn dieses Jahres auf jedem neuen Zeugnis die erreichte Qualifikationsstufe ausgewiesen werden.
Handwerkspräsident Otto Kentzler sieht mit dem Kompromiss die fortschreitende Akademisierung vieler Berufe zunächst gestoppt. "Deutschland braucht nicht nur Dichter und Denker. Und nicht jeder kann Meister", sagte Kentzler. DGB-Vize Ingrid Sehrbrock bezeichnete die Verständigung über die Gleichwertigkeit von Meisterbrief und Bachelor-Abschluss als Erfolg. "Es ist jetzt möglich, die Stufe 6 zu erreichen, ohne die Hochschule auch nur für einen Tag von innen gesehen zu haben."
15 Meinungen zu "Abitur mehr wert als Lehre?"
-
kalle789
Freitag, 06.04.2012, 13:15 Uhr Fangen wir mal ganz von vorne an: Abitur ist kein Beweis für Intelligenz,Ausbildung kein Beweis für besondere Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich. Optimales ''Ausnutzen'' von Intelligenz,Fähigkeiten,Talenten,Stärkern hat mit dem jetzigen Schulsystem aber auch gar nix gemeinsam. Kinder werden oft zum Abitur ''genötigt''...egal wie,und wenns nur mit Ach und Krach und viel Nachhilfe geht.Obwohl der Sprößling vielleicht lieber etwas anderes machen würde,vielleicht eben eine Lehre.Das andere Beispiel,Kind würde gerne Abitur machen wird aber nicht gefördert,oder wenn es sehr gut ist und aus ''einfachen'' Verhältnissen kommt muss es Glück haben,um eine bessere Empfehlung als z.B. das Akademikerkind zu bekommen,das vllt noch nicht mal so gut ist. Wir brauchen ein modernes,an die heutige Zeit,an die Veränderungen,an die Entwicklung der Gesellschaft angepasst ist. Einzelne Stärken mehr fördern,mehr beim Kind sein als bei den Eltern;-) Wir brauchen Lehrer wie eine Mischung aus Sigmund Freud und Chuck Norris;-) -
MollyMalone67
Dienstag, 03.04.2012, 17:28 Uhr Warum wird hier ein Schulabschluss mit einer Berufsausbildung gleichgesetzt? -
HerrRabensang
Dienstag, 21.02.2012, 16:39 Uhr Ich finde man überhaupt nicht den Meister mit einem Bachelor vergleichen. Eine Lehre und ein Studium sind schon etwas ganz anderes. Habe selbst beides gemacht und kenne beide Seiten. Genau wie ich Realschulabschluss und Fachhochschulreife habe. Aber man muss das mal so sehen wer einen Beruf lernt wird Geselle/Facharbeiter und kann dann noch seinen Meister oder Techniker machen. Im Studium ist der Bachelor doch dann auch eigentlich nur erstmal die Erste Stufe, das man diesen Beruf gelernt hat bzw studiert hat und dann Bachelor ist und dann kann man noch den Master oder deutsch Meister oben drauf machen. Im Prinzip das gleiche System von Geselle und Meister was in Lehre und Studium anwendung findet. Nur das man niemals den Meister mit dem Master vergleichen kann. Aber ich finde auch man kann nicht den Meister mit dem Bachelor gleich setzen genauso wenig wie man den Bachelor mit dem Gesellen gleichsetzen könnte. Sicherlich ist der Meistertitel im Handwerk heute nicht mehr so angesehen wie früher, weil es heute einfach viel mehr Leute machen können. Die früher niemals den Meister hätten schaffen oder gar bezahlen können. Aber den Meister mit dem Bachelor gleichsetzen find ich eine Frechheit. Derjenige der den Meister hat hat ja 3,5 Jahre Berufsausbildung und dann meist noch Berufserfahrung und dann später den Meister gemacht und somit viel mehr Ahnung in seinem Bereich als jemand der 3 Jahre Bachelorstudium gemacht hat und somit weder Berufserfahrung hat noch das er die höchste Stufe in seinem Studium bzw Beruf erreicht hat. Und Abi mit Berufsausbildung gleich setzen ist ja wo der größte Schwachsinn. Was ist den wenn die mit dem Abi fertig sind. Die haben dann weder einen Beruf gelernt noch Studiert, die haben nur ihr verdammtes Abi mehr nicht. Wäre es duale Berufsausbildung zum staatl. Anerkannten zB Informatiker + Fachabi wäre es vielleicht was anders das könnte man dann mit einer Lehre gleichsetzten. -
notting
Samstag, 11.02.2012, 09:52 Uhr @etecgerm: Ich bin selbst erst nach der Realschule auf's Gymnasium gegangen. Gerade in den MINT-Fächern liegen Welten dazwischen. Außerdem ist eine 2. Fremdsprache an der Realschule keine Pflicht, aber später durchaus mal hilfreich und wenn es nur darum geht, eine Fremdsprache mehr als ein anderer Bewerber drauf zu haben. @132leorobi: Wie ich hier bereits geschrieben habe, werden Meister (zumindest die Generation, die ich kenne) keinesfall ein Studium bestehen. Selbst mit FH-Reife hatten viele meiner Kommilitonen mit Ausbildung am Anfang große Probleme und offenbar werden diese Inhalte nicht im Meisterkurs vermittelt. Von oft schlechten/fehlenden Englisch-Kenntnissen mal ganz abgesehen (ich meine damit, ganze Datenblätter verstehen zu können ohne im Schnitt pro 2 Sätze ein Wort im Wörterbuch suchen zu müssen). Meister und Studium sind halt absolut nicht vergleichbar, die Schwerpunkte sind völlig anders. notting -
132leorobi
Freitag, 10.02.2012, 12:22 Uhr heute hat jeder meister die allgemeine hochschulreife. also braucht man das abi nicht mehr. nur die grundausbildung ist einfach viel härter auf dem 2 bildungsweg. mit abi ist vieles einfacher heute noch. -
etecgerm
Dienstag, 07.02.2012, 10:59 Uhr Was lernt man denn für den Job auf dem Gymnasium? -Nichts, außer allgemeine Grundlagen, welche zugegebenermaßen höherwertig als in der Realschule sind (bedenklich finde ich hier, dass man Fächer abwählen kann, denn so entsteht ein Teilexperte in Kombination mit einer Halbluftpumpe), und im Idealfall die Fähigkeit, sich in Dinge tiefer einzufuchsen als der Normalschüler! Wobei: Ein guter Realschüler wird einem mittelmäßigen Abiturienten auch den Schneid abkaufen können! -
effdee
Montag, 06.02.2012, 11:33 Uhr Zum einen ist (gibt sich?) die "herrschende Klasse" als 'akademisch', selbst wenn sie es nicht ist: einem Doktor wird eher geglaubt, auch wenn er in ganz anderen Bereichen promoviert ist. Das geht wohl auf Kaisers Zeiten zurück. Zum anderen stellt sich die Frage der Vergleichbarkeit. Wieviel ist ein Diplom mehr wert als ein Bachelor, bedeutet die Relation von Bachelor zum Master denn das gleiche wie der Grad-Ing zum Dipl.Ing? Und wie wird die nicht-akademische Ausbildung dazu gewichtet? Das "könnte" man doch eigentlich erst machen, wenn man sich in ALLEN Bereichen einigermassen GLEICH auskennt! Wenn ich einen schulischen Durchlauferhitzer nach seinem Abitur in eine gleichermassen "akademische" Ausbildung stecke: was ist er denn wohl zum Schluss? Wahrscheinlich immer noch ein Durchlauferhitzer. Er wurde zwar kontinuierlich mit Wissen und Fertigkeiten "angereichert", aber in ihm ist nichts passiert. Was kann man denn von solch einem Mitarbeiter erwarten wenn nicht weiterhin Überschaubares? Ist solch ein Mensch wirklich zu Innovationen fähig? Ich glaube nicht, denn dass hieße ja "Querdenken", und sowas lernt man ja nicht während des Durchlauferhitzens. In den nicht-akademischen Bereichen werden in der Tat andere Fertigkeiten gefördert und auch abverlangt. Da wird allerdings auch schnell(er) klar, wer wozu gehört. Die geistig Beweglichen geben sich nicht mit ihrem jeweiligen Status zufrieden, die streben oft nach mehr. gegenüber den schulisch-akademisch Ausgebildeten haben sie aber meist einen größeren Realitätsbezug. Wenn sich die Bundesländer untereinander nicht auf allgemein akzeptierte Bewertungen der Abiturzeugnisse einigen konnten, wie will man sich das in diesem Kontext vorstellen? Ich habe den fatalen Eindruck gewonnen, dass man sich auf das geeinigt hat, was einen nicht sonderlich tangierte. Da, wo das Herz beteiligt ist, geht das nicht so leicht - und deswegen blieb das Abitur außen vor. Das jetzt ist ein Kompromiss, nicht das Ei des Kolumbus. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Mich stört daran, dass die bislang einzigen akademischen Grade in diesem Kompromiss wohl nicht vorkommen - zumindest bin ich bislang nicht darüber gestolpert.
- Lehrstellenmarkt
- Gehaltsvergleich
- Öffentlicher Dienst
- Burnout
- Minijob
- Arbeitsrecht
zu Beruf
Der Countdown zur EURO 2012 läuft...





