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24.01.2011, 11:08 Uhr

Die schlimmsten Floskeln bei der Bewerbung

Mit wenigen Worten seine Vorzüge anpreisen, das ist Aufgabe von Bewerbungsanschreiben, aber auch von Internetprofilen. Dass sich viele Jobsuchende damit schwer tun, ist kein Geheimnis. Aber vielleicht ist das der Grund, warum häufig auf die immer gleichen Floskeln zurückgegriffen wird. Doch Vorsicht: Eine Lösung ist das nicht!

Von Anja Schreiber

Das Business Network "LinkedIn" hat die Berufsprofile seiner derzeit weltweit 85 Millionen Nutzer auf häufig wiederkehrende Schlagworte untersucht. So fand es heraus, welche Floskeln besonders gängig sind. Die beliebteste Phrase ist demnach "innovativ". Den zweiten Platz der Top Ten-Floskeln belegt das Wort "dynamisch", gefolgt von "motiviert". Auf den vierten Platz kam die Phrase "umfangreiche Erfahrung". Die hinteren fünf Plätze der Top Ten-Liste führt das Wort "proaktiv" an, gefolgt von den Begriffen "Teamplayer" und "Erfolgsbilanz". Platz 8 belegt "Mehrwert", Platz 9 "ergebnisorientiert". Auf dem zehnten Rang hat sich der Begriff "Problemlöser" eingereiht. 

Doch nicht nur Profilseiten in Business Netzwerken strotzen vor Floskeln, auch in Bewerbungen gibt es den Hang, Phrasen zu dreschen: "Die Liste von 'LinkedIn' erinnert mich sehr an das, was ich ständig in Bewerbungsunterlagen lese", berichtet Svenja Hofert, Karrierecoach und Buchautorin aus Hamburg. Besonders häufig sei sie mit den Phrasen "umfangreiche Erfahrung" und "Teamfähigkeit" konfrontiert. Seltener kommt ihr dagegen das Wörtchen "innovativ" unter. "Innovativ steht auf der 'LinkedIn'-Liste oben an. Vielleicht handelt es sich dabei aber um eine amerikanische Spezialität."

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Der Grund für die ausufernde Benutzung von Phrasen und Floskeln sieht Hofert in dem Wunsch der Bewerber und Nutzer, Fehler zu vermeiden. "Viele Ersteller von Online-Profilen und Bewerbungen orientieren sich an dem, was andere  schreiben und kupfern das ab", betont Hofert. So ist es natürlich kein Wunder, dass immer wieder die gleichen Begriffe auftauchen. Außerdem vermeiden viele Jobsuchende alles Konkrete.  So halten sie sich zum Beispiel an die Stichworte, die in der Stellenausschreibung auftauchen und schreiben diese einfach in ihr Anschreiben.

Doch genau das ist das Problem: "Personaler nehmen diese Phrasen gar nicht mehr wahr. Sie merken sich das gar nicht", berichtet Hofert. Deshalb sei es eigentlich vergebliche Liebesmüh, diese Floskeln zu verwenden. Ihr Tipp: Versuchen Sie ohne Floskeln auskommen. Verwenden Sie Synonyme. "Fragen Sie sich zum Beispiel, warum Sie ein Teamplayer sind. Arbeiten Sie gern in Projekten? Bringen Sie gerne Leute zusammen und vernetzen diese? Arbeiten Sie gern in Arbeitsgruppen? Wenn Sie darauf eine Antwort wissen, sollten Sie diese in die Bewerbung schreiben." Grundsätzlich ist es im Anschreiben immer besser, eine Eigenschaft mit einem ganz konkreten Beispiel zu belegen als nur etwas zu behaupten.

Wer sich zum Beispiel "umfangreiche Erfahrung" oder "große Motivation" attestiert, sollte berichten, worin sich das schon gezeigt hat. Vielleicht hat der Bewerber ja in einem wichtigen Projekt mitgearbeitet oder sich über seine Arbeitsroutine hinaus beruflich engagiert? Ist das der  Fall, gehören solche Beispiele auf jeden Fall ins Anschreiben.

Auch beim Online-Profil gilt ähnliches: Wer sein Profil ins Netz stellt, will gefunden werden. Aber das funktioniert nur, wenn er unterscheidbar ist und nicht ein Allerweltsprofil präsentiert. Deshalb rät Hofert, sich genau zu überlegen, wen man mit seinem Profil ansprechen will... und auch in diesem Fall so konkret wie möglich zu werden.       

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16 Meinungen zu "Schlimmste Bewerber-Floskeln"

  • JuergenDFA
    Sonntag, 06.02.2011, 08:25 Uhr
    Hochinteressant, was man hier zum Teil liest. Ich habe vor ein paar Monaten auch eine Bewerbung geschrieben, einfach aus dem Bauch heraus, ohne Floskeln und an einen kleinen Handwerksbetrieb, in dem es tatsächlich keine Personal-Abteilung, sondern einfach einen Chef gibt, der für die Einstellungen zuständig ist. Jemand schrieb hier, dass Erfahrungen nicht mehr gefragt sind. Was denn bitte sonst ? Vielleicht ist das ja in bestimmten Berufszweigen tatsächlich so (Beispiel: einige Zeitarbeitsfirmen). In meiner neuen Firma, war Erfahrung eines der besten Argumente, die ich anführen und auch belegen konnte. Letztendlich hat das zu meiner Einstellung bei dieser Firma geführt. Gewisse Regeln bei einer Bewerbung sollte man sicher einhalten, aber soetwas dann mit ein bisschen Phantasie umzusetzen hat noch nie geschadet. Viel schlimmer finde ich den derzeitigen Jugendwahn bei der Jobsuche. Viele Firmen wollen Leute einstellen, die max. 25 Jahre alt sind und schon 40 Jahre Berufserfahrung haben. Bitteschön, wie soll das funktionieren ? Mein Alter hat in meinem jetzigen Job keine Rolle gespielt. Ich habe den Chef gefragt, warum das bei ihm so ist. Die Antwort von ihm: Er hat lieber Mitarbeiter, die nicht mehr so "sprunghaft" sind, wie das vielleicht bei jüngeren Menschen manchmal der Fall ist. Logisch: In einer kleinen Firma braucht man Mitarbeiter, die nicht nach einem Jahr sagen: "Das isses noch nich´ ich such mir wieder was anderes". Dieser Aspekt scheint bei vielen anderen Firmen keine Rolle zu spielen. Spielt bei Bewerbungen der Faktor "Glück" auch eine Rolle ? Ich denke ja. Ich hatte richtiges Glück, denn jetzt habe ich einen guten Job, der auch gut bezahlt wird, den ich gerne mache !
  • aishi
    Freitag, 04.02.2011, 14:25 Uhr
    Guter Beitrag, Spiderman und auch Elric, und wenigstens zum Thema im Gegensatz zu einigen, die da folgten. Ich habe beruflich mit Bewerbungscoaching zu tun, und da wir nicht nur mit Bewerbern sprechen, sondern auch Rückmeldung von Arbeitgebern erhalten, weiß ich, wie recht der Artikel hat. Es ist erschreckend, wie ähnlich die Anschreiben einander sein können - bei völlig unterschiedlichen Berufen und Anforderungen. Wenn ich es gemein ausdrücken will - überall das gleiche Gesülze. Und dreimal unterstreichen kann ich auch, dass viele Bewerber bloß nichts Konkretes schreiben wollen. Im Coaching merke ich dann, dass viele noch nie so richtig über sich und ihr Leben, über ihren gegenwärtigen Stand und die Ziele nachgedacht haben. Ihnen fällt dann natürlich einfach nichts ein, wenn es ums Anschreiben geht. (Keine Sorge, wenigstens jetzt kann der Bewerber sein Nachdenken nachholen - es geht nicht ohne.) Und das dann noch geschliffen und fehlerfrei formulieren - es ist harte Arbeit. Ich bin eher radikal im Streichen der Allgemeinplätze und verlange von den Bewerbern konkreten Ersatz. Beim Beurteilen von Bewerbungsunterlagen ist freilich nicht jede ARGE-Mitarbeiterin eine gute Hilfe. ;-) Ich finde auch, dass eben nicht jeder gut schreiben kann und es auch nicht jeder können muss.
  • MGU
    Samstag, 29.01.2011, 12:13 Uhr
    Hier wird immer von Personalverantwortlichen gesprochen, damit sind sicherlich die Konzerne gemeint. Tatsächlich bewerben sich jede Menge Leute bei Handwerk, Handel, inhabergeführtem Mittelstand. Da gibt es keine Personalabteilung, sondern hier stellt der Chef ein. Dabei bewirbt sich garantiert niemand mit "innovativ", dynamisch", "proaktiv" usw. Nach jahrzehntelanger Berufstätigkeit und in der Praxis, so manchem jüngeren Kollegen überlegen, verstehe ich heute nicht mehr, welche Arbeitnehmer gesucht werden. Erfahrung ist jedenfalls nicht mehr gefragt. Thema: "Arbeitsagentur": Termin habe ich erst in den nächsten Tagen. Die erste Fühlungnahme war besser, als erwartet. Die ganzen Lehrregeln taugen sowieso nicht, da schon die Stellenanzeigen dem nicht entsprechen. Was soll ich bitteschön schreiben, wenn ein "kaufmännischer Allrounder" gesucht wird? Wenn dann mehr drin steht, fällt man auf den Rücken, weil eine 400 Euro-Kraft in 25 Wochenstunden (Std.-Lohn ca. 3,80 EURO) den Laden fast leiten soll, incl. drei Sprachen (fließend in Wort und Schrift), Kenntnis in allen Computerprogrammen die es nur gibt, zeitlich immer zur Verfügung steht, ein Auto haben soll und so weiter.
  • washalteichdavn
    Samstag, 29.01.2011, 11:46 Uhr
    Hallo dropsnoot: Die Fallmanager sind auch nur Menschen, also nicht ohne Fehler!! Wenn man sich nicht richtig behandelt glaubt, hat man immer die Möglichkeit, sich an einen Oberfallmanager zu wenden. Dort sollte man aber auf keinen Fall über den "armen Fallmanager" lästern, sondern man sollte seine Sicht der eigenen Person vortragen! Manchem hat das schon geholfen!!
  • washalteichdavn
    Samstag, 29.01.2011, 11:37 Uhr
    Twintax: Das deckt sich mit meinen Erfahrungen zu 100%. Und das ist besonders traurig, wenn man UNVERSCHULDET beschäftigungslos wird!! Meine Frage an die Politik: Wenn schon Rente mit 67, dann aber auch Arteitslosengeld bis 66 und 364 Tage!! Allerdings muss ich auch sagen, dass einem wirklich viele - für einen selbst nicht immer sichtbare - Schnitzer unterlaufen, die dann vielleicht für den Erfolg (oder Misserfolg) entscheidend sind. Es ist ja auch so einfach, wenn man die Fehler nur bei anderen sucht!!
  • naffets0
    Samstag, 29.01.2011, 11:37 Uhr
    Droopsnot kann ich nur zustimmen. Meine Enkelin, 18 jahre ,steht kurz vor dem Abi. Jetzt war so eine Tante von der ARGE in der Schule und hat den jungen Leuten sehr schön Mut gemacht. Sie hat gesagt, wer nicht mindestens das Abi mit zwei macht hätte überhaupt keine Chance für einen ordentlichen Job und sollte besser die Schule aufgeben. Wenn solche Arschlöcher die Jugend so motivieren und die Arbeitgeber nur Einserkandidaten haben wollen und dann jammern, dass es an Nachwuchskräften fehlt, dann ist eine Menge faul in unserem Bildungssystem. Meine zweite Enkelin , 16 Jahre, macht jetzt ihre Mittlere Reife und hat einen tollen Job für 200 Euro im Monat im Altenheim angeboten bekommen. 40 Stunden die Woche arbeiten, 60 Euro Fahrgeld im Monat. Das nenne ich moderne Sklaverei. Es ist zum Kotzen. So das musste mal raus.
  • keinflax
    Samstag, 29.01.2011, 10:00 Uhr
    Jeder Bewerber sollte sich zeigen wie er ist, und nicht zu scheinen suchen was er nicht ist.
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