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26.11.2012, 15:00 Uhr

Ein Löwe im Land der Hasen

in Kooperation mitAuto-News

Deutschland im November: Regen hält den Scheibenwischer schon am Morgen auf Trab, Nebel wabert dick wie Griesbrei über der Autobahn und verhindert den flotten Ritt über den nassen Asphalt, eisige Finger umklammern das Steuerrad, bis die Heizung den Kampf gegen die Kälte gewinnt. Zeit, der Heimat den Rücken zu kehren, um im Lande der Hasen eine erste Testfahrt mit dem rundum erneuerten Seat Leon zu wagen.

Die Lage

Der Leon: Golfjäger und Hoffnungsträger der einzigen spanischen Automarke und VW-Tochter Seat, Konzernbruder von Golf und Audi A3, die ideale Mischung aus deutscher Ingenieurskunst und spanischer Leidenschaft. Von Letzterem sind zumindest die Seatler fest überzeugt und haben darum ihre Einstellung auch gleich zum Markenmotto erklärt: Enjoyneering. Ob diese Wortschöpfung aus "enjoy" (Freude) und "engineering" (Ingenieurwesen) den angeschlagenen Hersteller tatsächlich ins Land der Glückseligen führt, bleibt abzuwarten.

Die Hoffnung

Seats erhofftes Zugpferd auf dem Weg aus den roten Zahlen ist jedenfalls der Leon in dritter Generation, dessen Verkaufszahlen sich die Spanier in die Nähe derer des Bestsellers Ibiza wünschen. Doch die Konkurrenz, vor allem aus dem eigenen Konzern, ist hart. Der Audi A3 hat sich als sportliche Alternative zum Golf längst etabliert, der übermächtige Wolfsburger verleiht gar dem Kompaktsegment den Beinamen Golfklasse. Aber bieder ist der Golf und teuer der A3 - eine Nische, die der Leon zu nutzen sucht. Seine Argumente: südländisches Temperament und gutes Aussehen, gepaart mit bewährter Technik aus dem VW-Baukasten zu günstigeren Preisen.

Das Aussehen

Der Leon erwartet uns in der Innenstadt von Malaga und gefällt auf Anhieb. Entgegen des Trends, von Generation zu Generation in die Länge zu schießen, ist der Spanier um fünf Zentimeter geschrumpft. Dafür gönnten ihm die Ingenieure sechs Zentimeter mehr Radstand und kürzten die Überhänge - ein wohlproportionierter Anblick. Das richtige Maß an chillischarfen Kanten gibt dem Leon Kontur und Charakter, schneidig blickt er aus zackigen Augen.

Im Inneren

Eingestiegen und Platz genommen. Der Innenraum ist angenehm luftig, im Fußraum des Beifahrsitzes könnte selbst Dirk Nowitzki seine Beine wohlig ausstrecken, auch auf der Rückbank reist es sich als Erwachsener ohne Angst um Kopf und Kniescheibe. Ganz so hochklassig wie das Interieur des niedersächsischen Bruders mutet Leons Innenleben zwar nicht an, aber Verarbeitung und Materialqualität sind über jeden Zweifel erhaben. Aufgeräumt und übersichtlich erleichtern Armaturentafel und Mittelkonsole die Bedienung, einzig das Navi tanzt mit labyrinthartigen Steuerungspfaden und pixeligem Display aus der Reihe.

Problemzonen

Nicht nur beim Bildschirm fällt auf, dass kleine Macken den positiven Gesamteindruck leicht trüben. Selbst ein Springpferd wäre von der Höhe der inneren Ladekante beeindruckt, hindernislaufgeeignet ist dafür die Ladefläche bei umgeklappter Rückbank. Der Beifahrersitz lässt sich derart weit nach hinten verschieben, dass der Gurt vor meinem Körper verläuft und mein Kopf in einer scharfen Kurve unfreiwillig auf der Schulter meines erfreuten Chauffeurs zum Liegen kommt. Ein bisschen kann man den Eindruck gewinnen, den Ingenieuren sei beim Feinschliff die Zeit ausgegangen.

Tuner "Je Design" verpasst dem Seat Ibiza einen Schuss mehr Pepp. >

Kraftquellen

Zum Markstart am 24. November stehen Benziner und Diesel mit 105 bis 150 PS zur Verfügung, im Frühjahr 2013 ergänzen weitere Aggregate das Leistungsspektrum, später folgen die Spitzenmotorisierungen mit 180 (1.8 TSI) und 184 (2.0 TDI) Pferdchen. Geschaltet wird je nach Antrieb händisch mit Fünf- oder Sechsganggetriebe, ein Teil der Motoren ist mit Start-Stopp-Automatik und DSG kombinierbar. Dank Gewichtreduktion, Start -Stopp-Technik, Rekuperationssystem und überarbeiteten Triebwerken wurde der Verbrauch um bis zu 22 Prozent gesenkt und liegt nun zwischen 3,8 und 5,2 Litern. Temperamentvoll geht es bei der Geschwindigkeit zu: selbst die schwächste Motorisierung schafft 178 km/h.

Unterwegs

In Malaga scharrt der Leon ungeduldig mit den Hufen, wir schnappen ihn uns für eine Ausfahrt durch den spanischen Spätherbst. Unser sportlicher Löwe mit 140 PS sprintet von null auf 100 in 8,2 Sekunden, überschreitet beim Spurt auf der Autobahn die Zweihunderter-Marke, kurvt ruhig und sicher durchs hügelige Hinterland, federt Schlaglöcher und Bodenwellen ab und entlockt beim Stopp an der Ampel dem Straßenverkäufer ein strahlendes Lächeln und zwei in die Höhe gereckte Daumen.

Ausstattung

Der von uns gefahrene Sportler FR nennt 17-Zoll-Leichtmetallräder, LED-Rückleuchten, Climatronic und elektrische Fensterheber sein eigen, das Media System Touch Colour sorgt für den richtigen Sound, Ambientebeleuchtung rückt das Wageninnere ins rechte Licht. Über das Drive Profile mit den Modi Eco, Komfort und Sport hat der Fahrer Einfluss auf die Fahrzeugabstimmung, ein adaptives Fahrwerk ist allerdings den deutschen Geschwistern A3 und Golf vorbehalten. Deutlich rustikaler geht es in der Basisversion zu. Tagfahrlicht und Mäusekino mit Gangempfehlung sind an Bord, Radio und Klimaregulierung fehlen. Überschaubar auch die Liste der technischen Helfer: Berganfahr- und Einparkhilfe, Müdigkeitswarnung, zudem ein Paket mit Fernlicht- und Spurhalteassistent. Da können andere mehr. Eines aber hat der Leon seinen Konzern-Konkurrenten voraus: Voll-LED-Scheinwerfer gibt's bisher nur für den Südländer.

Alle News vom: 26. November 2012 Zur Übersicht: Auto

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