Rauchwolken, Lichtblitze und eine Explosion: Ein Meteoritenregen traf in der vergangenen Nacht die russische Region Tscheljabinsk im Ural. Hunderte wurden verletzt, die Bevölkerung gerät in Panik. Heute soll die Erde den nächsten Warnschuss erhalten, denn der etwa 50 Meter großer Brocken "2012 DA14" wird unserem Planeten extrem nahe kommen. Weltweit sind die Menschen beunruhigt: Könnten noch größere kosmische Bomben die Erde treffen? Wie kann die Menschheit den Einschlag solcher Brocken aus dem All künftig abwehren? Auf diese Fragen liefert die Wissenschaft einige Antworten – und teilweise sehr ausgefallene Vorschläge.

Asteroiden haben die Dinosaurier ausgelöscht und auch in der Neuzeit riesige Gebiete, wie beispielsweise das Waldgebiet in Tunguska, verwüstet. Der Meteoriten-Hagel in Russland und der in rund 27.000 Kilometern vorbeirasende Asteorid "2012 DA14" sind Anzeichen dafür, das solche Ereignisse immer wieder eintreffen könnten. Seit den Filmen "Armageddon" und "Deep Impact" beschäftigt sich auch Hollywood mit dem Phänomen Asteroiden-Einschlag. Meist werden im Kino Astronauten auf eine Mission zu dem Weltraum-Geschoss geschickt, um die Menschheit mit Hilfe einer Atombombe vor der Vernichtung zu bewahren. Wissenschaftler halten das für realistisch, wenn auch sehr unwahrscheinlich. Denn Experten haben zahlreiche andere Vorschläge erarbeitet, wie sich die Menschheit retten kann.

Asteroiden-Abwehr durch nicht-nuklearen Beschuss

Es muss nicht gleich eine Atombombe sein: auch der Beschuss mit kleineren, nicht-explosiven Objekten, kann einen Gesteinsbrocken im All von seinem Kurs auf die Erde abbringen. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer der ersten "Planetary Defence Conference" 2009 in Spanien. Als Grundlage dienten die Daten der "Deep Impact"-Mission der Nasa. Die Weltraumbehörde schickte die Sonde im Jahr 2005 zum Asteroiden "Tempel 1". Dieser umkreist innerhalb von fünfeinhalb Jahren einmal die Sonne und nähert sich der Erde bis auf 133 Millionen Kilometer. Ziel der Mission war die Erforschung des Inneren des Asteroiden. Dazu wurde der Brocken mit einem "Impaktor", einem Projektil das von der Sonde abgefeuert wurde, unter Beschuss genommen.

Die Mission brachte die gewünschten Daten und noch einen Nebeneffekt: Die Menschheit hatte bewiesen, dass sie in der Lage war, einen Asteroiden zu erreichen und ihn mit einer Kanone unter Beschuss zu nehmen. Ob sich die Technik auch für den künftigen Ernstfall einsetzen lässt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen muss das abzufangende Objekt die entsprechende Dichte haben, zum anderen muss errechnet werden, wie viele Einschläge über welchen Zeitraum nötig sind, um ein entsprechendes Ergebnis zu erzielen.

Mit dem Traktorstrahl am Abschlepp-Haken

Auch wenn sich "Traktorstrahl" nach Science-Fiction anhört, hinter dem Effekt versteckt sich simple Physik. Zwei Objekte, die sich durch Gravitation gegenseitig anziehen, üben auf den jeweiligen Partner eine Kraft aus. Positioniert man ein Raumfahrzeug über einem Asteroiden, ziehen sich beide Körper gegenseitig an. Hält sich das Raumschiff nun mit Hilfe seines Triebwerks über der Oberfläche und gibt leicht Schub, kann der Kurs des Asteroiden minimal verändert werden. Zu diesem Schluss kommt das "Committee to Review Near-Earth-Object Surveys and Hazard Mitigation Strategies Space Studies Board" in seiner Analyse über die Abwehr erdnaher Objekte (NEO, "near earth objects").

Der Vorteil der Methode ist, dass kein physischer Kontakt zu dem Himmelskörper hergestellt werden muss, der weitere Gefahren bergen könnte, beispielsweise das Auseinanderbrechen des Objekts. Zudem wäre die Technologie bereits heute verfügbar. Der große Nachteil ist die Zeit, denn um einen entsprechend großen Brocken aus seiner Umlaufbahn zu bringen, kann es Jahre dauern.

Ein Sonnensegel für die Kursänderung

Segel nutzt die Menschheit bereits seit Jahrhunderten auf den Ozeanen der Erde. Doch auch im All kann ein Segel gute Dienste leisten, denn auch von der Sonne geht ein "Wind" aus. Im Gegensatz zu den Luftbewegungen auf der Erde handelt es sich dabei aber um geladene Partikel, die unser Zentralgestirn ausstößt. Diese Partikel könnten für die Asteroiden-Abwehr genutzt werden, wenn sie mit einem großen Sonnensegel aufgefangen würden, wie das "Committee to Review Near-Earth-Object Surveys and Hazard Mitigation Strategies Space Studies Board" feststellt.

Allerdings hätte diese Methode große Nachteile: Zum einen lässt sich die Ablenkung des Asteroiden nur schwer berechnen, da der Sonnenwind nicht kontinuierlich bläst, zum anderen braucht die Methode sehr viel Zeit. Daneben müsste ein Raumschiff auch erst einmal den Asteroiden erreichen und das Segel physisch an dem Himmelskörper verankern. Doch die Sonne könnte auch auf andere Weise hilfreich sein.

Kurskorrektur mit Sprühfarbe oder Laserbeschuss

Kometen sind im Sonnensystem keine Unbekannten. Die gefrorenen Eis-Bälle werden bei ihrem Weg Richtung Sonne aufgetaut und ziehen einen tausende Kilometer langen Schweif hinter sich her. Dieser Schweif besteht aus Partikeln, die sich vom Kometen lösen. Diese Teilchen könnten auch bei der Asteroiden-Abwehr hilfreich sein.

Wie das "Committee to Review Near-Earth-Object Surveys and Hazard Mitigation Strategies Space Studies Board" in einer Analyse feststellt, könnte ein Laser oder durch einen Reflektor gebündeltes Sonnenlicht Teile des Asteroiden heraussprengen. Das würde zu einem Materialauswurf mit Rückstoß führen, ähnlich einer kleinen Düse. Ebenfalls denkbar sei die Einfärbung der Oberfläche. Das Sonnenlicht müsste das Material an dieser Stelle direkt erhitzen, was ebenfalls einen kleinen Ausbruch zur Folge haben könnte.

Doch wie bei den anderen Methoden, spielt auch hier die frühzeitige Erkennung der Gefahr und die Dauer der Mission eine große Rolle. Für kurzfristige Bedrohungen eignet sich diese Methode nicht.

Brachial-Methode Atomschlag

Ist ein Asteroid der Erde schon sehr nahe oder wurde er zu spät entdeckt, bleibt als letzte Option der Einsatz von Atomwaffen. Die "Planetary Defence Conference" kam 2009 zu dem Ergebnis, dass nukleare Sprengkörper wahrscheinlich die einzige Möglichkeit sind, den Orbit eines 1-Kilometer-Objekts in kurzer Zeit zu verändern.

Allerdings wurde die Technik noch nicht im All angewendet und getestet – aus guten Gründen: Die Forscher weisen in ihrer Analyse auf politische und rechtliche Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von Atomwaffen im All hin. Zudem könnte je nach Methode das beschossene Objekt zerstört werden und zu weitaus größeren Schäden auf dem Planeten führen.

Deswegen ist der Ratschlag der Forscher letztendlich klar: Je früher ein Asteroid entdeckt wird, desto eher kann die Menschheit die nötigen Technologien entwickeln und einsetzen, um sich selbst und die Erde zu retten. Doch bislang sind die Mittel der Asteroiden-Forschung begrenzt, wie das Beispiel "2012 DA14" zeigt. Wenn sich diese Unterfinanzierung nicht ändert, könnte die Menschheit bald das Schicksal der Dinosaurier teilen. Denn es ist nicht die Frage ob ein Asteroid die Erde treffen wird, sondern wann.