(sal/men) - Unsere Vorfahren haben uns Höhlenmalereien, Kirchen und Burgen hinterlassen. Wir vererben unseren Nachkommen Hochhäuser, Autobahnen – und Shoppingcenter. Doch nicht das Wanne-Eickel-Einkaufsparadies oder das Hintertupfing-Center werden in die Geschichte eingehen. Nein, wenn normale Läden und Einkaufszentren nicht mehr ausreichen, müssen Mega-Malls her. Wir stellen Ihnen die verrücktesten Einkaufstempel unserer Zeit vor.

Das arabische Emirat Dubai ist für seinen Größenwahn bekannt. Wen wundert es da, dass die von der Gesamtfläche her größte Mall der Welt direkt neben dem Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, zu finden ist? Doch Konsum, Konsum und nochmals Konsum reichen den Betreibern und Besuchern der Dubai Mall (www.thedubaimall.com) längst nicht aus. Neben den über 1.200 Läden beherbergt die Mall auch das größte Aquarium der Welt. In dem Becken, das sich über drei Etagen erstreckt, leben rund 33.000 Meerestiere, darunter 400 Haie und Rochen. Für Aufregung sorgte die Attraktion im Februar 2010: Aufgrund eines Risses in der Wand lief Wasser aus und das Einkaufszentrum musste evakuiert werden. Wem das nicht aufregend genug ist, der kann auf der hauseigenen Schlittschuhbahn ein paar Runden drehen, während draußen das Thermometer konstant über 40 Grad Celsius anzeigt. Dass die Dubai Mall auch über einen (natürlich den weltgrößten) Gold-Souk, ein Multiplex-Kino, einen Sega-Themenpark und eine Kinder-Spielstadt verfügt, erscheint da fast nebensächlich.

Dubai wäre nicht Dubai, wenn es nicht auch eine Ski-Halle hätte. Zu finden ist sie in der Mall of the Emirates (www.malloftheemirates.com). Auf der 22.500 Quadratmeter großen Indoor-Piste in der Wüste gibt es fünf Abfahrten, eine Halfpipe, Sessel- und Schlepplifte, Schlitten- und Bobbahnen – und Pinguine. Zirka 65 Euro kostet der Tagespass für Erwachsene, Kleidung und Skier inklusive. Die Begegnung mit den Pinguinen kostet rund 38 Euro extra, aber dafür versprechen die Betreiber, dass jeder Besucher "mindestens zwei treffen" wird. Doch damit nicht genug: Das selbsternannte "Shopping Resort" bietet seinen Besuchern neben 520 Läden auch ein Theater, einen Themenpark, ein Multiplex-Kino und ein Fünf-Sterne-Hotel. Seit Kurzem gibt es auch eine Mall-eigene Walking-Gruppe.

Charmanter erscheint da die Ibn Battuta Shopping Mall (www.ibnbattutamall.com/), ebenfalls in Dubai beheimatet. Benannt nach dem marokkanischen Entdecker Abu Abdullah Muhammad ibn Battuta, ist die Mall in verschiedene Länder unterteilt. Die jeweiligen Passagen sind in landestypischer Architektur gestaltet und liebevoll mit Häuserzeilen, Plätzen und Dorfstraßen ausgestattet. Die Besucher können so während des Einkaufens durch Andalusien, Tunesien, Ägypten, Persien, Indien und China schlendern. Mit 1,3 Kilometern Länge ist das Ibn-Battuta-Center die größte Motto-Mall der Welt. Wem diese Strecke aber zu weit ist, der kann den hauseigenen Shuttle-Service nutzen. Doch auch in dem historischen Ambiente geht es nicht ohne modernste Technik: In der Mall sind die ersten IMAX-Kinos der Region untergebracht.

Ein etwas anderes Konzept hat sich das 1 Utama (www.1utama.com.my) im südostasiatischen Staat Malaysia ausgedacht. Inmitten der 400.000 Quadratmeter Verkaufsfläche lädt ein Regenwald zu einem Shopping-Päuschen ein – samt Hängebrücke und Aquarium. Alternativ können die Besucher auch im größten Dachgarten Südostasiens in 35 Metern Höhe entspannen.

Wenn es um Shoppingmalls geht, muss der Blick natürlich auch gen USA gerichtet werden. Im Mutterland der Shoppingcenter wird derzeit am weltgrößten Einkaufs- und Vergnügungspark getüftelt. Der American Dream@Meadowlands (www.americandream.com/) bei New York soll bis Ende 2013 zum gigantischen Einkaufsparadies werden – Riesenrad, Kasino, Wasserpark und Eisstadion inklusive. Das Vorhaben ist brisant: Ein Vorgängerprojekt scheiterte 2009 an der Finanzkrise. Bis zur Eröffnung bleibt die Mall of America (www.mallofamerica.com/) mit 390.000 Quadratmetern Gesamtfläche das größte Einkaufszentrum der USA. Und auch hier wird Bescheidenheit kleingeschrieben: Zu der Anlage gehören ein Vergnügungspark samt Achterbahnen, ein Sea-Life-Aquarium, eine Minigolfanlage, ein Spiegelkabinett, ein Flugsimulator, Kinos, eine Hochzeitskapelle und sogar eine Universität.

Die West Edmonton Mall (www.wem.ca) in Kanada war 23 Jahre lang das größte Einkaufszentrum der Welt. Mit 350.000 Quadratmetern Verkaufsfläche gehört sie aber noch heute zur Riege der Mega-Malls. Neben dem üblichen "Kleinkram" wie Geschäften, Restaurants und Kinos beherbergt die Mall einen Freizeitpark, ein Spaßbad, ein Aquarium und ein Eishockeyfeld. Und weil es scheinbar doch auf die Größe ankommt, hält die WEM gleich sechs Weltrekorde: der größte Vergnügungspark, die größte Dreifach-Looping-Achterbahn, der größte See, das größte Wellenbad, der höchste Bungeejumping-Turm – alles indoor, versteht sich. Parken können die ehrfürchtigen Konsumenten draußen auf dem selbstverständlich weltgrößten Parkplatz.

Einen traurigen Rekord hat indessen die (New) South China Mall in der Nähe von Hongkong aufgestellt (www.southchinamall.com.cn/english/index1.jsp). Mit über 600.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist sie das größte Einkaufszentrum der Welt – und gleichzeitig auch das leerste. Die Mall gleicht einer Geisterstadt, die meisten der 2.300 Geschäfte stehen leer. Der Grund dafür ist simpel: Das vermeintliche Einkaufsparadies ist sehr schlecht zu erreichen. Die Betreiber locken dennoch mit einem nachgebauten Arc de Triomphe und sieben verschiedenen Länderzonen, die man per Boot erkunden kann. Sollte man tatsächlich irgendwann durch die Chinaversion der Amsterdamer Grachten oder Venedig schippern, könnte man sich überlegen, was man mit den 1,1 Milliarden Euro hätte anstellen können, die diese grandiose Fehlplanung verschlungen hat.